Mittwoch, 6. Februar 2013

Heuchlerische Presse-Artikel über Schavan's Doktorarbeit

Ein gefundenes Fressen für die Medienmeute: Die für Bildung zuständige Ministerin im Bundeskabinett hat gestern von der Uni Düsseldorf ihren Doktortitel aberkannt bekommen. Zur Sachlage empfehle ich unten drei Linktipps. Hier geht es mir erst einmal um die tolle Logik und die Moral, die von den meisten Medien an den Tag gelegt wird.
Die allermeisten Medien kommentieren das Geschehen, dessen endgültiger Ausgang bei angekündigter gerichtlicher Klage Schavans gegen die Entscheidung übrigens noch offen ist(!),
als Katastrophe. Die Ministerin sei dann natürlich nicht mehr zu halten. Wo gibt es denn so etwas - eine Bildungsministerin ohne Doktortitel?

Hätte man sich nur ein klitzekleines bisschen Mühe bei der Recherche gemacht, müsste den Pressefritzen eigentlich etwas Interessantes aufgefallen sein: Haben eigentlich die Kultusminister der einzelnen Bundesländer alle einen Doktortitel? Antwort: Nein, fast keiner! --- > KLICK MICH !
Kann mir einer mal die Logik erklären, warum eine Bundesministerin einen Doktortitel brauchen soll, eine Länderministerin/ein Länderminister (Bildungspolitik ist eine wichtige Aufgabe der Länder!) seltsamerweise aber nicht? 
Aber noch etwas anderes ist empörend: Hier wird ganz nebenbei ein elitäres Denken in den Medien sichtbar. Das Motto könnte lauten: Wer keinen Doktortitel hat, ist zu doof, um Bildungsministerin zu sein.
Was für ein Verständnis über die Klugheit und Lebensleistung von Menschen steckt eigentlich dahinter? - Und mal ganz nebenbei gefragt: Wer von den schlauen Redakteuren in Presse und Fernsehen, die sich ach so klug über Kultur auslassen, hat eigentlich einen Doktortitel...?

Lesen Sie auch mal HIER und HIER und HIER !

Kommentare:

  1. Guter Beitrag, nachdenkenswert.
    Ein Schönheitsfehler: Es geht in der Sache Schavan nicht nur um die Frage, ob man einen Doktortitel haben muss, sondern darum,
    ob man beim Verfassen der Arbeit gemogelt hat.

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  2. Natürlich braucht man als Minister keinen Doktortitel. Aber, wer wie Frau Schavan, gerade im Fall zu Guttenberg eine der Hauptantriebskräfte seines Rücktrittes war (auch er brauchte als Minister keinen Doktortitel), sollte in so einem Fall sich an das eigene Gesagte erinnern oder sofort und unmissverständlich Herrn zu Guttenberg rehabilitieren.

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  3. Helmut Schneider6. Februar 2013 um 13:13

    Frau Schavan hätte nach heutiger Etikette wohl besser daran getan, ihre Doktorarbeit von darauf spezialisierten Ghostwritern verfassen zu lassen, wie man sie heute leicht im Internet finden kann. Dann wäre alles ordentlich zitiert worden.
    So macht man das heute nämlich vielfach.
    Ein Thema, das gerne von den Unis verschwiegen wird.

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  4. Wer Schavan mit zu Guttenberg vergleicht, der kann auch gleich Äpfel mit Birnen vergleichen. Mit wenig Mühe findet man im Internet die gravierenden Unterschiede!
    Beispielsweise:
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article109906396/Guttenberg-Jaeger-steht-hinter-Ministerin-Schavan.html

    http://www.zeit.de/studium/hochschule/2013-02/schavan-kommentar-titel-duesseldorf

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  5. Zur Lösung des medialen DOOKTORProblems könnte man analog zur SteuersünderCD auch eine DoktorsünderCD auflegen. Warum kann einem Steuersünder Absolution erteilt werden und einem Doktorsünder nicht?
    Wer hier an der Allgemeinheit mehr Schaden anrichtet und wie er dafür büßen muss bleibt anscheinend Menschen mit sehr seltsamen Rechtsempfinden vorbehalten.

    Bei solchem Übereifer an Urteilsvermögen müssen wir alle aufpassen, dass nicht eines Tages Schulzeugnisse geprüft werden und man festellt dass die 3. Klasse der Hauptschule (damals noch Volksschule) aberkannt werden muss.
    Die Folgen hieraus sind an Dramaturgie nicht zu überbieten.

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  6. Eine Bildungsministerin benötigt natürlich keinen Doktortitel um gute Arbeit zu leisten, aber es geht ja um die Frage, ob Frau Schavan damals gemogelt hat oder ob es hier eher um einen etwas zu laxen Umgang mit wissenschaftlichen Standarts geht. Lässt sich ein Betrug zweifelsfrei nachweisen, sind die Aufforderungen zum Rücktritt in der Tat berechtigt. Das sich die Opposition mit solchen Rücktrittsforderungen besonders hervortut, muss wohl nicht weiter überraschen, schließlich ist Frau Schavan jetzt eine willkommene Zielscheibe für SPD/Grüne/ etc im Wahljahr 2013. Man mag dahinter Heuchelei oder Schadenfreude vermuten, aber warum sollten Politiker hier anders ticken als andere Menschen auch.

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