Donnerstag, 17. Oktober 2013

Anne Will und der Limburger Bischof: Halbwissen, Weglassungen, Verdrehungen... - schade!

Hätte ich mir das bloß nicht angeschaut! - Anne Will präsentierte als Nachzüglerin das Thema Limburger Bischof mit ihren Gästen. Da ist eigentlich immer  das Spannendste bei solchen Talkshows: Wer wird eingeladen, und wer lieber nicht? - Mit der Auswahl der Gäste ist die Richtung eigentlich klar. Man vergleiche Anne Will und Günther Jauch
(lief am Sonntag 21.45 Uhr), dann weiß man anhand der Gästeliste schon in etwa Bescheid. 

Etwa ein Dutzend von Punkten wäre zu nennen, die nicht ganz korrekt
oder unfair dargestellt wurden. Ich tue es mir aber nicht an, mir die Sendungsaufzeichnung noch mal anzusehen, um mitzuschreiben.

Ein Beispiel: Immer noch wird vereinfacht. Der Bischof hat also das Dom-
kapitel entmachtet und den Verwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls hintergangen. Inzwischen wissen wir, dass es so einfach eben nicht ist. Jeder Verwaltungsrat kann aus Protest zurücktreten, kann an die Nuntiatur oder den Vatikan schreiben und vieles mehr. Alles nicht geschehen!
Wir wissen durch ein Protokoll, dessen Existenz in der Sendung ange-
zweifelt wurde, dass sogar der Vatikan via Nuntiatur Berlin über die Ausgabenverteilung informiert war. 

Oder: Der Vertreter des SPIEGELS erklärte, das berühmt-berüchtigte Interview auf dem Domplatz mit der merkwürdigen Antwort des Bischofs "Business Class sind wir geflogen" sei ganz normal mit Kamera gefilmt worden. Die Perspektive des mittlerweile jedem bekannten Videos zeigt den Bischof jedoch mit Kamerablick von unten, am Bischof hoch. Hat etwa der SPIEGEL-Journalist zum Interview vor dem Bischof auf dem Boden gelegen? Oder gibt es vielleicht noch andere Erklärungen für den seltsamen Blickwinkel...?!
Oder: Zum Schluss musste man noch in die Mottenkiste der Vorwürfe greifen. Kirchliche Kindergärten - unerhört: (Fast) zu 100 % vom Staat bezahlt, aber mit dem Etikett "katholisch". Natürlich verschweigt man da eine ganze Menge, und der Durchschnittszuschauer merkt's nicht. Wenn das so einfach wäre, warum bauen dann die Städte und Gemeinden nicht selbst genug Kindergärten? 
Die Wirklichkeit ist eben kompliziert, und offensichtlich zu kompliziert
für solch eine Sendung. Was interessiert da schon, dass es da Gesetze und Richtlinien gibt? Was interessiert da schon, dass es da von Ort zu Ort, von Land zu Land ganz verschiedene Problemlagen gibt? 

Ach was, hauen wir einfach drauf. Oder...?
:
Der Vatikan war informiert ---> KLICKEN !
Kirchen beklagen sich über Staat ---> KLICKEN !
Finanzierung der Kindergärten (pdf) ---> KLICKEN !