Samstag, 19. Oktober 2013

Verwirrende Äußerungen: Die Kritik an Papst Franziskus nimmt zu

          Predigt u. Linktipps zum 29. Sonntag C (20.10.) ---> HIER KLICKEN !
:
Das war absehbar und ist im Grunde normal: Die fast übertriebene erste Begeisterung für den neuen Papst verfliegt allmählich in den Medien.
Es wird z.B. nicht mehr beinahe täglich mit großen Überschriften darüber berichtet, wen der Papst (angeblich) angerufen hat. Insgesamt sind die Medien sehr wohlwollend, aber es ist doch so etwas wie Alltag eingekehrt. Der Überraschungseffekt ist nicht mehr da, denn man weiß inzwischen gut, wie der Papst tickt.

Seine spontane Art hat ganz sicher ihr Gutes, aber er eckt auch immer mehr an damit. Aufschlussreich ist z.B., dass der "FOCUS" die zuneh-
mende Kritik am Papst vor kurzem zum Thema machte ---> KLICKEN !

Es wachse der Widerstand gegen seine "forsche" Art, heißt es da, und damit füttere er auch seine Feinde. Und man berichtet darüber, dass man die neue Bescheidenheit des Papstes im Vati-
kan nicht überall so sieht. Beispielsweise mit seinen vermutlich kaum vorbereiteten Äußerungen bei Interviews und auch in Predigten sorgt er teilweise auch für Verwirrung.
Als Stichwort möge das Interview auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio genügen, wo seine eher unpräzisen Worte über die kirchliche Haltung zur Homosexualität wie eine Bombe einschlugen. Vom Aufsehen erregen-
den Interview mit dem Atheisten Scalfari, wo er die Kurie scharf angriff, soll es noch nicht einmal eine verbindliche schriftliche Version geben, meldeten die Medien. ---> KLICKEN !
Mittlerweile sind wir so weit, dass das Vatikanische Presseamt und Presse-
sprecher Pater Lombardi öfter mal fast verzweifelt wirken. Lombardi er-
klärte kürzlich, um die Wogen etwas zu glätten, man brauche eine "neue Hermeneutik", um die Äußerungen des jetzigen Papstes richtig einschätzen zu können. Man solle deswegen nicht so viel Wert auf einzelne Worte legen (!), sondern mehr auf den Gesamtsinn achten. Anschaulich fügte Lombardi hinzu, die spontanen Äußerungen des Papstes würden "nicht vorab von 20 Theologen überprüft", damit sie präzise ausfielen...
Mit anderen Worten könnte man das dann auch so ausdrücken: Leute, legt nicht jedes Wort des Papstes auf die Goldwaage. Er redet nun mal viel und sehr spontan. Lernt damit zu leben, dass päpstliche Äußerungen durchaus auch mal ergänzungs- und korrekturbedürftig sind!
Ein kleines Beispiel dafür lieferte Papst Franziskus vor wenigen Tagen mit seiner Predigt in der Morgenmesse im Gästehaus Santa Maria. Mit Schlag-
zeilen wie "Ideologische Christen haben eine schwere Krankheit" fand man die Zusammenfassung der Predigt in der Presse. Darin nahm der Papst Stellung zu Christen, die statt zum Jünger Jesu zum Jünger von Ideologien würden: "Die Christen, die den Glauben verlieren und Ideologien vorzie-
hen. Ihr Verhalten ist: streng werden, moralisch, ethisch, aber ohne Güte... Dieser Christ betet nicht..."
- Der Glaube werde von solchen Christen sozu-
sagen durch eine Destillationsanlage geschickt, und heraus komme nur noch Ideologie. Solch ein strenger Christ habe jedoch "den Glauben ver-
loren"
. Der Papst: "Aber das ist eine schlimme Krankheit, die der ideolo-
gischen Christen"
.  - Siehe Nachrichtendienst "ZENIT" ---> KLICKEN !

Meine Meinung: Klar ist das im Prinzip richtig erkannt. Es gibt sie zuhauf, die verbissenen Christen aus den verschiedenen Lagern, die dem anderen allzu schnell das Christsein absprechen und sich selbst zum Richter über andere erheben.
Aber das ist doch nur die eine Seite der Medaille! - Diese Papstäußerung könnte das Missverständis nähren, das wesentliche Kennzeichen eines Christen sei seine Milde den Mitmenschen gegenüber. Da gibt es aber genügend Beispiele auch unter den Heiligen, die das widerlegen. Jünger Christi sind so individuell und menschlich, wie Menschen nun mal sind. Dass aber Christen, die in ihrem Wesen auffallend engstirnig sind, nicht beten, wie der Papst unterstellt, würde ich so nicht behaupten wollen...

Kommentare:

  1. Christian Fischer19. Oktober 2013 um 08:25

    Wie die Reaktion der Medien auf das Papstinterview u.a. über Kirche und Homosexuelle anschaulich zeigt, sorgt der Papst zuweilen mit missverständlichen Aussagen eher für Verwirrung statt für Klarheit. Aber auch ein Papst darf Fehler haben!

    AntwortenLöschen
  2. Es ist noch nicht raus, ob dieser Papst in die Geschichte eingehen wird als großer Reformer oder als großer Zerstörer. Man wird sehen...

    AntwortenLöschen
  3. Das Geniale bei Franziskus ist doch gerade, dass er verwirren will. Wie anders kann er die Selbstgefälligkeit so mancher Katholiken, ihre Besserwisserei und ihr päpstlicher als der Papst-Sein denn aufbrechen?! Und alle, die sich jetzt in ihrer Selbstgefälligkeit gegen ihn stellen (besonders alles Piusbrüderliche) entlarven sich selbst. Doch so ist Heilung möglich! Und nur so können wirklich Reformen angegangen werden.

    Im Übrigen sind die als äußerst präzise gelteneden Aussagen Benedikts ebenso missbraucht worden, wie es jetzt bei Franziskus der Fall ist. Kein Piusbruder und Sympathisant hat jemals von der Hermeneutik der Reform gesprochen, die Benedikt als Bruch (Bsp Religionsfreiheit) mit so mancher Tradition beschrieben hat...

    Sollen sich die Traditionalisten nur weiter heftig beschweren, schimpfen und zetern, nur so kann ihre Krankheit aufgedeckt und irgendwann vielleicht einmal geheilt werden. Sie zum Maßstab des gesunden Katholiken zu machen, würde die ganze Kirche verseuchen!

    AntwortenLöschen

Bitte beachten: DERZEIT versuchsweise wieder Leserkommentare möglich. Anonyme oder beleidigende Zuschriften haben keine Chance! Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bis zur Freischaltung Ihres Leserbeitrages kann es einige Stunden dauern!
Zuschriften, die nach 19.45 Uhr eintreffen, können zumeist erst am
nächsten Morgen online sein!
=================================================================================