Donnerstag, 27. März 2014

Sumpfgebiete: Limburger Prüfbericht -- oder: Sind wir nicht alle ein bisschen Tebartz...?

       Predigt u. Linktipps zum 4. Fastensonntag (30.3.): siehe weiter unten!
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Papst Franziskus hat das Rück-
trittsgesuch des Limburger Bischofs zwar nicht hauptsäch-
lich wegen der finanziellen Auswüchse angenommen, sondern weil es insgesamt in Limburg "zu einer Situation gekommen ist, die eine frucht-
bare Ausübung des bischöf-
lichen Amtes durch S.E. Mons. Franz-Peter Tebartz-van Elst verhindert"
, wie es in der Presseerklärung des Vatikans etwas nebulös und doch vielsagend heißt.
Der seit gestern auch online für jeden Interessierten einsehbare 108-seiti-
ge Abschlussbericht der Prüfungskommission macht aber deutlich, wie in Limburg so vieles gründlichst schiefgelaufen ist.
Jetzt kann und sollte man nach der Lektüre auch nicht mehr daran herum-
deuteln, dass Tebartz-van Elst die Hauptverantwortung dafür trifft. Wie es im Bericht detailliert erläutert wird, haben seine Sonderwünsche maßgeb-
lich zu den enormen Kostensteigerungen beigetragen. Da tröstet es auch wenig, dass der Bericht belegt, dass vom angeblich und genüsslich in zahl-
reichen Medien wiedergekäuten 100.000 Euro teuren absenkbaren Ad-
ventskranz in der Bischofskapelle tatsächlich nur 18.000 Euro als Kosten-
faktor übrig geblieben sind. Andere Wünsche wie beheizbare Gehweg-
platten oder eine kostspielige Neugestaltung eines fast neuen Gartens sind auch nicht unbedingt nachvollziehbar.
Ja, es sind dafür keine Kirchensteuergelder ver(sch)wendet worden. Das tröstet nur wenig, denn auch mit Geld aus dem großen Topf des Bischöfl-
ichen Stuhles hätte man auch aus christlich-moralischer Verantwortung anders umgehen müssen.
Der Bericht zeigt aber auch, wie sehr die Volksweisheit zutrifft, dass alles zwei Seiten hat. Allein hat der Bischof das nicht verbrochen. Laut Prüf-
bericht gab es etliche deutlich überhöhte und sogar doppelte Abrechnun-
gen, mangelnde Kontrollen und Nachlässigkeiten, auch bei Leuten, die eigentlich als Kontrollgremium eingesetzt waren.
Krass ist auch die im Bericht betonte Tatsache, dass das Limburger Dom-
kapitel noch vor der Amtsübernahme von Tebartz-van Elst "trotz öffent-
licher Kritik... und einem gegenteiligen Votum von Bischof Dr. Kamphaus"
den Beschluss zum Bau des Bischofshauses fasste.
Noch krasser: Es habe anfangs weder eine Kostenschätzung noch einen Bauantrag eines Bauherren gegeben. Es hätte auch keine Beschlüsse
"der zuständigen Gremien"
gegeben, und das ausgerechnet bei einem Domkapitel, das dem Bischof Eigenmächtigkeit  vorwarf. 

Der Prüfbericht als pdf-Datei ---> KLICKEN !
Mit anderen Worten: Wenn in der Kirche mal was schief läuft, dann aber auch gründlich. Hier haben sich einige Akteure nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Der Bischof zahlt als Hauptdarsteller allerdings zumindest bisher ganz alleine die Zeche dafür...

Mittlerweile hat er übrigens auch eine vierseitige Stellungnahme abge-
geben, die seine Sicht der Dinge darstellt. Es gehört zum guten Stil, sich auch das mal unvoreingenommen anzusehen. ---> (pdf) KLICKEN !

:
Aber mal so ganz "unter uns Pastorentöchtern", wie man so sagt: Sicher nicht in diesem Ausmaß, aber großzügigen Umgang mit Geld, zumal mit Kirchensteuergeld, gibt's auch anderswo. Ich will hier nicht klein klein gegeneinander aufrechnen. Beispiele auf Bistumsebene sind eigentlich hinlänglich bekannt, und auf der in der Öffentlichkeit eher unauffälligen Ebene der Pfarreien gibt es auch so manche Ausgabe, die vielleicht nicht
so ganz unbedingt notwendig ist. Man erlebt es z.B. immer mal wieder,
wie großzügig Pfarrhäuser umgebaut werden, sobald dort das Personal wechselt. Peanuts sind das auch nicht.
Und sind wir nicht selbst auch manchmal ein bisschen Tebartz, wenn wir uns so allerlei gönnen, und dann gleichzeitig auf hohem Niveau jammern, wenn es um die Spendenbereitschaft für die Ärmsten der Armen geht. Papst Franziskus brachte das etwas brutal auf den Punkt, als er bemerkte, es tue ihm weh, wenn er beispielsweise sehe, wie Priester sich das neueste Auto kaufen...
Viele Katholiken wünschen dem Bistum Limburg von Herzen, dass es endlich wieder zur Normalität zurückfindet. Ob der Preis dafür vielleicht
zu hoch ist, steht auf einem anderen Blatt...