Dienstag, 29. Juli 2014

Klatschen wir da Beifall? -- Applaus in der Kirche: Papst Benedikt warnte vor der Unsitte

Es gibt da zwei unversöhnliche Lager in der katholischen Kirche und bei den Priestern: Auf der einen Seite die noto-
rischen Klatscher, auf der anderen Seite diejenigen, die
da strikt enthaltsam leben. Während die einen dem Beifall auch während der Heiligen Messe ganz selbstverständlich als menschlicher Gefühls-
äußerung ihren Platz einräumen, ist dies für die Katholiken mit liturgischer Applaus-Phobie ein unerträglicher Gedanke. Ich bekenne und oute mich: Tendenziell gehöre ich auch letzterer Fraktion an.

Und um die anderen mal ein bisschen zu provozieren: Papst Benedikt XVI. hat in seinem Buch "Der Geist der Liturgie" auf S. 198 dazu den ganz großen Hammer geschwungen. Er schreibt: "Wo immer Beifall für mensch-
liches Machen in der Liturgie aufbricht, ist dies ein sicheres Zeichen, daß man das Wesen der Liturgie gänzlich verloren und sie durch eine Art reli-
giös gemeinter Unterhaltung ersetzt hat. Solche Attraktivität hält nicht lange; auf dem Markt der Freizeitangebote, der zusehends Formen des Religiösen als Kitzel einbezieht, ist die Konkurrenz nicht zu bestehen."
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Haben Sie dazu auch eine Meinung? Dann her damit...!

Kommentare:

  1. Betroffen macht mich die Feststellung Benedikts, dass das Wesen der Liturgie GÄNZLICH verloren gegangen ist, wenn der Mensch meint, "sein" Tun mit Applaus begleiten zu müssen. Dann sieht es in unserer Gemeinde ziemlich düster aus, was das Verständnis für die Liturgie angeht. In der diesjährigen Osternacht kam man aus dem Händeklatschen gar nicht mehr heraus. Es wurde sogar gepfiffen, als der Kirchenchor lobend erwähnt wurde.

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  2. Wohlan…
    ich gehöre auch zu denen, die in Gottesdiensten tendentiell ehe nicht klatschen. Wegen einer Predigt oder einer besonderen "Aktion" im Gottesdienst, klatschen ich nie, um die Macher der Sache dadurch zu loben.

    Dennoch habe ich z.B. am Samstag in/vor der Vesper geklatscht, als der Schrein des Hl. Liborius seinen Platz im Hochchor des Domes fand.
    Das Klatschen galt aber nicht der Musik (Tusch), sondern dem Heiligen, der nun nach einem Jahr wieder mitten unter uns steht.

    Auch beim Klatschen, muß man die Intention des Klatschenden beachten.

    Ich kenne ein Land, in dem die (jungen) Leute nach der Osternacht, eine Statue des Auferstandenen auf ihr Auto packen und hupend und johlend durch die Straßen fahren, um ihrer Freude über die Auferstehung des Herrn Raum zu geben. — Welchen größen Grund kann es für Applaus geben?

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    1. @Jürgen N.: Das ist eine völlig andere Situation - die Auferstehung des Herrn - öffentlich! - zu verkünden, ja, da würde ich doch glatt mitmachen! :-)

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  3. Auch ich gehöre der Anti-Beifalls-Fraktion an und finde diese ausufernde Klatscherei eine Unsitte, die aber leider offenbar nicht mehr aufzuhalten geschweige denn rückgängig zu machen ist. (Inzwischen greift das auch immer mehr auf die Gottesdienste unserer in liturgischen Dingen eigentlich gesammelteren protestantischen Geschwister über.)
    Allerdings, wenn dieses - an sich sehr gute - Zitat von Ratzinger gebracht wird, sei an eines erinnert: auch bei seinen Gottesdiensten als Papst brandete allüberall immer wieder Beifall auf - vermutlich v.a. von solchen, die "an sich" eher der Anti-Beifall-Fraktion zugehören. Und ich kann mich an keine Szene erinnern, wo Benedikt durch ein Handzeichen o.ä. den Beifall zum Erliegen zu bringen versucht hätte. Er scheint das selber durchaus genossen zu ahben.

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    1. "Er scheint das selber durchaus genossen zu haben." DAS wiederum glaube ich eher nicht ...

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    2. @Guardini
      Ich kann mich an ziemlich viele solche Szenen erinnern. (Sie scheinen nur deutsches Fernsehen zu sehen, im italienischen TV sind Päpste viel präsenter als in Mitteleuropa.) Benedikt hat zwar kein Handzeichen gegeben, da hat er ziemlich schnell gemerkt, dass das nichts nützt. Er hat dann einfach, ohne das Ende des Applauses abzuwarten, mit dem "Programm" weitergemacht. Das hat den Applaus ziemlich schnell erstickt.

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  4. Vor allem - seien wir mal ehrlich: Wie kommt es zu dem Klatschen?
    In der Regel ist das nach meiner eigenen Erfahrung so: Da wird mal wieder für die Heilige Messe allerhand an Darstellungen aufgeboten, da wird musiziert, aufgesagt, gesungen, oft von allerhand Clübchen und Grüppchen, und die Angehörigen sitzen in den Kirchenbänken und klatschen begeistert, weil ihr Kind gerade so einen schönen Auftritt hatte.
    Danach werden sie in der Kirche nicht mehr gesehen. Doch - beim nächsten Auftritt...!

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    1. Vor wenigen Woche war ich im Freiburger Münster bei der Weihe des neuen Erzbischof Stephan Burger: keine einzige "Darbietung" von irgendwelchen Grüppchen und Clübchen - und geklatscht wurde gefühlte 15 Mal an allen möglichen Stellen.

      Das Thema eignet sich (ausnahmsweise) mal gar nicht zum Liberalenbashing.

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    2. Während der eigentlichen Heiligen Messe???

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  5. Für wen das Heilige Messopfer lediglich eine Versammlung der Gläubigen ist und wer nicht an die Realpräsenz Christi im allerheiligsten Altarssakrament glaubt, der wird nichts dabei finden können, Beifall zu klatschen oder an sonstigen Aktionen.

    Ich frage: haben die Muttergottes und Johannes unter dem Kreuz geklatscht?

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  6. Ich hab Klatschen in der Messe bisher am Ende (beim Auszug) von Weiheliturgien erlebt und fand es da auch sehr passend und auch angemessen.

    Letztens auch nach der Predigt einer Jugendwallfahrtsmesse. Ich saß neben der Person die da geklatscht hat (diese war auch die einzigste die kurz geklatscht hat) und fand es an der Stelle komisch. Aber ich kann auch sagen das diese nen sehr großes Herz für Jesus hat.

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