Dienstag, 23. September 2014

Bischofssynode in Rom: Wie der vielgelobte Dialog im Vatikan in der Praxis aussieht...

Toll, toll, wird landauf landab verkündet: Endlich gibt es dank Papst Franziskus ei-
ne weltweite Bischofssynode zum Thema "Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung". Vom 5. bis 19. Oktober wird im Vatikan getagt, und man geht zumeist davon aus, dass da ganz munter und frei debattiert werden kann, und dies natürlich, wie es
für den Dialog sinnvoll ist, mit jeder Menge von spontan möglichen Wortmeldungen unter Bezugnahme auf gerade Gesagtes.
Diesen Zahn muss ich Ihnen ziehen, liebe Leserinnen und Leser.
Die Praxis wird anders aussehen. Die rund 250  Bischöfe könnten frei sprechen, statt wie früher nur vorbereitete Stellungnahmen vorzulesen, erfährt man in den Medien. Tatsächlich stehen dafür aber nur vier Minu-
ten zur Verfügung. Aber was wird in dieser knappen Zeit gesagt?
Wie der Synodensekretär erklärte, soll in dieser Zeit mündlich in freier Rede vorgetragen werden, was man vorher schriftlich an das Syno-
densekretariat eingereicht haben muss...
Der Vatikan-Experte Marco Tosatti hat sich mal in Vatikankreisen umgehört und dann vor wenigen Tagen in bissiger Weise darüber aus-
gelassen, wie man die Synode wahrscheinlich "manövrieren" (sprich: manipulieren) wird. Obwohl die Synode erst am 5. Oktober beginnt, müssen alle Texte von Bischöfen, die das Wort ergreifen wollen, schon
seit 8. September schriftlich vorliegen. So kann man durch geschickte Reihenfolge der Wort-Erteilung erst später plazierte Beiträge vorab diskreditieren. Doch nicht nur das: Mündliche Beiträge können von der Synodenleitung auch ganz abgelehnt werden, mit dem Hinweis, das müsse aus Zeitgründen geschehen, sei aber nicht so tragisch, da der Beitrag ja schriftlich vorliege und Teil der Synodenakten werde.

Ich nehme mal an, der Heilige Geist wird dafür sorgen, dass trotzdem was bei der Synode rauskommt...
"Freie, offene Debatte" - wirklich? ---> KLICKEN !
Papst Franziskus bittet um Gebete für die Synode ---> KLICKEN !
Der italienische Artikel von Marco Tosatti ---> KLICKEN !

Kommentare:

  1. Ein bißchen komisch ist es schon: wenn man den Papst und die Kurie gut findet, konkret: konservativ genug, dann ist der "Dialog" und die "freie, kontroverse Debatte" etwas gaaanz Blödes.
    Wenn man den Papst und die Kurie doof findet, weil sie zu wenig konservativ sind, dann will man plötzlich die kontroverse Debatte und riecht verschwörungstheoretisch, daß die Böse zentralistische Kurie diese abzuwürgen versucht...
    Naja.

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    1. Ordinariatsgeschädigter23. September 2014 um 17:26

      Komisch ist das nur, wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht.
      Das deutsche Sitzungs- und Berufskatholikentum versteht unter Dialog
      etwas anderes als der Vatikan. Während bei uns hierzulande Laienräte
      und Zentralkatholiken tagen, haben in Rom nur die geweihten Bischöfe
      das Wort.
      Aber wenn man in Rom Dialog will, dann sollte auch hier gelten:
      Wo Dialog draufsteht, da sollte auch Dialog drin sein...

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    2. Okay, so ist das also. Wenn Laien, also "das Volk" redet und dialogisiert, dann ist das per so doof. (Wie sagte F.J. Strauß gerne: "Vox populi, vox Rindvieh!") Wenn die edlen geweihten Bischöfe dalogisieren, dann ist es gut.

      "Vor dem Konzil" war das zweifellos common sense in der katholsichen Kirche. Da galt ja sogar noch der Lehrsatz des IV. Laterankonzils: "Die Laien sind die Feinde des Klerus." Aber wenn ich den Papst nicht völlig falsch verstanden habe, ist diese Sichtweise von vorvorgestern.

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  2. Locker bleiben, immerhin gibt es endlich einmal eine Synode auf der jeder frei seine Meinung sagen darf, wann gab es das zuletzt in Fragen der Familien und Sexualmoral?

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    1. Meiner Meinung nach wendet sich der Blogger Kreuzknappe
      ganz und gar nicht gegen die Synode. Er vermutet aufgrund der
      Informationen von Marco Tosatti lediglich einen möglichen Etikettenschwindel
      und die Gefahr von Manipulationen vor allem durch die Tagungsleitung.
      Diese Gefahr besteht natürlich immer. Als ehemaliges Mitglied im Führungs-
      gremium einer politischen Partei in Deutschland habe ich es zur Genüge
      miterlebt, wie da getrickst wird, um Parteitage entsprechend zu steuern.
      Das gelingt allerdings nicht immer...

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  3. Allmählich sollten einige Leser-Kommentatoren mal daran arbeiten,
    ihre ausgeprägte "Blogophobie" besser in den Griff zu bekommen.
    Wir sollten uns glücklich schätzen, dass Katholiken in ihrer Freizeit
    Artikel zu kirchlichen Themen recherchieren und veröffentlichen,
    statt ständig nur herumzunörgeln.
    Ich lese diesen und andere Blogs jedenfalls regelmäßig und mit
    großem Interesse.

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  4. Locker bleiben, auf Kritik am Kreuzknappen reagiert man hier ja sensibler als auf Kritik am Papst :-)

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    1. Ich danke meinen "Fans" u n d meinen Kritikern.
      Meiner Meinung nach profitiere ich von beiden. Man kann immer dazulernen,
      und beim Verteilen der bunten Sonnenbrillen hat jeder eine andere abbekommen,
      wie mir scheint...

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    2. Und ich danke dem Kreuzknappen für diesen immer wieder an den Tag gelegten souveränen Umgang mit unterschiedlichsten Postings. Das ist, soweit ch es überblicke, eine leuchtende Ausnahme in den blogozesanen Weiten. Die meisten schalten grundsätzlich nur linientreue Kommentare frei.

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    3. @Kurti: Das haben Sie sicher subtil ironisch gemeint. Auf Kritik am Papst reagiert die - sich bis vor anderthalb Jahren an Papstkritiklosigkeit von niemandem übertreffen lassen wollende - Blogozese seither ja grundsätzlich begeistert. Bzw. sie lässt sich seither an Papstkritik von niemandem übertreffen

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    4. Liegt halt daran, dass die Grundlagen des katholischen Glaubens, die Schrift, die Sakramente und die Lehre und zwar die immer gleiche Lehre ist.
      Und Grundlage des Glaubens nicht der kadavergehorsam gegenüber dem jeweiligen Chef ist. Gehorsam wohl, aber nicht Kadaver.
      Oder noch schärfer, wenn es nix zu meckern gibt warum soll ich dann meckern? Und wenn es wenig zu jubeln gibt, warum soll ich jubeln?
      Kirche ist nicht Nordkorea!

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  5. Gemeckert wird immer, werter Kreuzknappe!
    Aber vielleicht bringt Ihnen das sogar noch mehr Leser.
    Das wünsche ich Ihnen jedenfalls.

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    1. ohneGottgehtsprima23. September 2014 um 19:42

      Sie als Priester sollten sich da besser raushalten!
      Kümmern Sie sich lieber um die Seelsorge, da ist genug zu tun.

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    2. Leute ohne Gott sollten sich sowieso raushalten,
      zumindest aus katholischen Blogs.
      Die Ungläubigen haben mit sich selber genug zu tun.

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    3. Ich finde den Kommentar von "ohne Gottgehtsprima" ein großes Kompliment für die Arbeit des Kreuzknappen. Weiter so: Alle Gottlosen sollten hier mitschreiben.

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  6. Liebe Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie diese (Ungläubigen) da!
    (nach Lk 18)

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    1. Johannes 8
      12Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

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