Donnerstag, 25. September 2014

Null Toleranz !? -- Ehemaliger Erzbischof Wesolowski unter Hausarrest im Vatikan

Irgendwann ist immer das erste Mal. Als gestern bekannt wurde, dass auf ausdrückliche Anordnung von Papst Franziskus der ehemalige Erzbischof Jozef Wesolowski im Vatikan unter Hausarrest gestellt wurde, war das na-
türlich sofort das Kirchenthema Nr. 1 in den Medien. "Der Papst greift durch" liest man überall, und so hat man den Missbrauchstäter festgesetzt, auch damit keine Beweismaterialien für den anstehenden Prozess im Vati-
kan verschwinden könnten, während er darauf wartet, heißt es. Damit hat ein schon lange bekanntes Ärgernis seinen vorläufigen Höhepunkt ge-
funden.
Dem ehemaligen Nuntius in der Dominikanischen Republik wurde bereits im Juni von der Glaubenskongregation aus dem Priesterstand entlassen, außerdem verlor er seine diplomatische Immunität. Aufgrund von Medien-
berichten hatten die Behörden in der Domikanischen Republik seit vori-
gem Jahr gegen ihn ermittelt.
Es steht demnach fest, dass er dort in etlichen Fällen Jugendliche für Sex-
spiele bezahlt hat. Man verlangt deshalb ebenso wie sein Heimatland Polen seit Monaten vom Vatikan die Auslieferung Wesolowskis, der frühzeitig nach Rom beordert worden war. Dem Vatikan wird weiterhin vorgeworfen, ihn damit schützen zu wollen.
Das sieht man im Vatikan anders. Wesolowski wird nach Abschluss der vatikanischen Ermittlungen dort der Prozess gemacht; ihm drohen min-
destens sechs bis sieben Jahre Haft. Gestern hörte man vom Vatikan erst-
mals neue Töne: eine Auslieferung nach Ende des Prozesses sei nicht mehr ausgeschlossen.
Null Toleranz gegen kirchliche Missbrauchstäter? Unbedingt!
Aber im Vatikan sollte man sich andererseits auch davor hüten, Jozef We-
solowski gewissermaßen vor den Medienkarren des Papstes zu spannen.
Es sind die Details, die da manchmal etwas stutzig machen. Da wird z.B. vom Vatikan erklärt, man habe diesen Missbrauchstäter festgesetzt, damit er keine Gelegenheit mehr habe, Material verschwinden zu lassen. Einmal abgesehen davon, dass er dies schon vor Monaten hätte machen können, liegen Beweise bereits in erdrückender Fülle vor. Und ihn dann anzuhören, zum Laien zu degradieren und erst Monate später in Arrest zu nehmen, macht dieses Argument nicht sonderlich glaubwürdig.
Null Toleranz? - Warum hat man dann diesen Täter nach Verlust seiner Immunität nicht ausgeliefert? Er sei immer noch vatikanischer Staats-
bürger, wird erklärt. Das mag sein. Das wissen aber auch die Behörden in der Dominikanischen Republik und in Polen, und trotzdem stellen sie den Auslieferungsantrag.
Einfachen Priestern, die wegen solcher Delikte angeklagt sind, ergeht es vielleicht anders. Aber wie heißt es so schön: Abwarten, man wird sehen...