Freitag, 26. September 2014

Papst Franziskus wirft erfolgreichen Bischof Rogelio Ricardo Livieres Plano raus. Warum?

Die Nachrichten darüber waren gestern auffallend spärlich: Papst Franziskus entlässt umstrittenen Bischof aus Para-
guay wegen Verwicklung in einen Fall,
wo Kindesmissbrauch vertuscht wurde - oder so ähnlich ---> KLICKEN !

Da es sich um einen stramm konserva-
tiven Bischof handelte, sind die Reak-
tionen aus diesem Lager vorprogram-
miert: Der Papst schießt mal wieder ei-
nen der fähigsten Bischöfe ab, weil der ihm zu traditionell und glaubenstreu ist. 

Nun hat es also so richtig gekracht.
Anfang Juli 2014 hieß es vom Vatikan
in einer Erklärung noch, man werde zwei "Beobachter" nach Paraguay senden, um in der Diözese Ciudad "Hilfe zu leisten".
"Spekulationen"
, es gehe um aktuelle Konflikte in der dortigen katho-
lischen Kirche, wies der zuständige Nuntius ausdrücklich zurück.
Vielmehr erklärte er, solche Besuche fänden regelmäßig auch in anderen Diözesen statt. Wie es jetzt aussieht, entspricht diese Erklärung wohl nicht so ganz der Wahrheit. Aus dem "Besuch" wurde ein Aufräumen. Einerseits kann der jetzt amtsenthobene und als konservativ geltende Bischof Roge-
lio Livieres Plana
ganz stolz auf große Erfolge verweisen; so stiegen die Kandidatenzahlen für das Priesteramt in seiner Diözese in den letzten Jah-
ren geradezu atemberaubend von 16 auf über 200.
Andererseits knirscht es in der Bischofskonferenz von Paraguay, und das erst recht, nachdem der streitbare Bischof einem Kollegen öffentlich vor-
geworfen hatte, homosexuell zu sein. In den Medien in Paraguay ist man denn auch geteilter Meinung über den Bischof, die Lage der Kirche in Paraguay und die harten Reaktionen aus Rom. Es lässt tief blicken, wenn die katholische Nachrichtenagentur "ZENIT" den Papst wörtlich dazu so zitiert:
"Der Heilige Vater forderte die Diözese auf, der Anordnung gehor-
sam und fügsam zu folgen. Er lud die Kirche in Paraguay zu Versöhnung und Überwindung von Parteilichkeit und Zwietracht ein."
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Die Bischofskonferenz wirkt zerstritten, und die Erfolge des mitteilsamen Bischofs haben sicher auch Kollegenneid und Ärger hervorgerufen; seine klare, konservative Ausrichtung trug ihm z.B. den Vorwurf ein, er lenke sein Bistum fast "sektenartig". Er glänze mit hohen Zahlen, weil er auch Priesterstudenten aus anderen Diözesen aufgenommen habe, ließ ein mitteilsamer Bischofskollege die Presse wissen.
Wie angespannt die Lage in der kirchlichen Führung dort ist, kann man auch daraus ablesen, dass Bischof Rogelio Livieres Plane zuletzt mehrfach den Sitzungen der Bischofskonferenz fernblieb.
Wenn Papst Franziskus von etwas so richtig genervt ist, dann ist es die Zwietracht unter Bischöfen und Priestern. Dazu hat er sich mehrfach klar geäußert. Ist der erfolgreiche, aber auch kantige Bischof (und damit auch seine Priesterkandidaten) nun zum Bauernopfer geworden, damit in Paraguay wieder halbwegs Ruhe unter Gottes Bodenpersonal einkehrt?
Seine Entscheidung, einen in den USA des Missbrauchs verdächtigten Priester aufzunehmen und dann auch noch ausgerechnet zu seinem Generalvikar zu machen, war alles andere als klug vom jetzt abgesetzten Bischof. Das war dann wohl auch der Hebel, mit dem man im Vatikan bei ihm ansetzen konnte, um ihn loszuwerden.

Jetzt ist in Paraguay also hoffentlich wieder Ruhe im Karton. Ehrlich ge-
sagt: Ich kann den Papst da gut verstehen. So konnte es dort einfach nicht mehr weitergehen.