Samstag, 27. September 2014

Viele Katholiken empört: Warum unternimmt der Papst nichts gegen Kardinal Danneels?

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Das entschlossene Handeln von Papst Franziskus nach dem Motto "Null Toleranz gegen Missbrauchs-
täter"
findet nicht nur ungeteilte Zustim-
mung. Insbesondere etliche konservative Katholiken äußern
im Internet den Verdacht, der Papst handele hier auffallend einseitig.
Wobei man nebenbei gerade auch noch beobachten kann, wie gut die in-
offiziellen Nachrichtenkanäle weltweit funktionieren: Kaum ist Kardinal Wesolowski im Vatikan unter Hausarrest - schwupps, rein zufällig genau einen Tag später finden die Ermittlungsbehörden in der Dominikanischen Republik auf seinem beschlagnahmten privaten Computer fast 100.000 "kinderpornografische Dateien". - Hüstel, hüstel: Was für ein tolles Timing im Vatikan...! ---> KLICKEN !
Jetzt werden jedenfalls gleich mal wieder die verbalen Messer gewetzt und in Richtung Papst gezückt. Ich übersetze das mal ganz frei, was da so laut-
stark verkündet wird: Schaut alle mal her, hier seht ihr es wieder, dieser Papst schikaniert und stoppt die Konservativen, wo er nur kann, und die liberalen Verdächtigen lässt er laufen!
Als aktuelles Beispiel dient dann vorzugsweise der belgische Kardinal Godfried Danneels, der auch in Teilen der Presse nicht gut wegkommt. Missbrauchsopfer attackieren ihn immer wieder, weil es bei einem Miss-
brauchsskandal im Jahre 2010 auch von ihm Vertuschungsversuche gab. Damals musste Roger Vangheluwe als Bischof von Brügge zurücktreten, weil ihm gerichtlich vorgeworfen wurde, eine Neffen jahrelang sexuell missbraucht zu haben. Eine heimliche Tonbandaufnahme des Opfers be-
legte, dass Danneels damals im Gespräch darauf hinwirken wollte, mit öffentlichen Anschuldigungen gegen den Brügger Bischof doch bitte bis nach dessen Pensionierung zu warten. ---> KLICKEN !
Danneels räumte damals offiziell ein, Fehler gemacht zu haben. Sein An-
walt erklärte aber auch, dass Danneels juristisch nichts vorgeworfen wer-
den könne, denn er habe nur zwischen den beteiligten Konfliktparteien vermitteln wollen. ---> KLICKEN !

In Belgien war es damals ein Riesen-Aufreger, als der Kardinal zum Poli-
zeiverhör nach Brüssel gebracht wurde. Die Ermittlungsbehörden waren sogar so rabiat, dass sie u.a. in einer Kathedrale die Gräber verstorbener Bischöfe öffneten, weil man annahm, dort irgendwelche versteckten Un-
terlagen finden zu können. Auch der Vatikan protestierte damals gegen diese skandalöse Verfahrensweise, und von den Vorwürfen gegen Danneels konnte nichts belegt werden, sodass die Ermittlungen im Sande verliefen, siehe z.B. HIER  und HIER !
Während einer Polizei-Razzia wurden damals bei einer Bischofskonferenz alle belgischen Bischöfe gegen ihren Willen festgehalten, durften nicht telefonieren, und außerdem wurden kirchliche Akten beschlagnahmt, die von einer Kommission stammten, die sich mit möglichen Missbrauchs-
fällen von Priestern beschäftigte. Die z.T. sehr vertraulichen Protokolle enthielten auch Aussagen von manchen Missbrauchsopfern, die ihre Er-
klärung nur abgegeben hatten, weil man ihnen auf ihren ausdrücklichen Wunsch Anonymität zugesichert hatte. Nun landeten sie durch diesen staatlichen Vertrauensbruch doch in den Mühlen des Gesetzes.

Immer wieder gehen belgische Missbrauchsopfer mit alten Vorwürfen an die Öffentlichkeit, sobald der Name Danneels in den Medien auftaucht.
Als dieser zum letzten Konklave anreiste, protestierten sie dagegen, weil er "keine moralische Autorität mehr" besitze. Dass Papst Franziskus ihn jetzt auch noch zur anstehenden Synode eingeladen hat, erzürnt manche auf's Neue.

Meiner Meinung nach sind da also deutliche Unterschiede zu den beiden Fällen, in denen der Papst eingegriffen hat. Kardinal Danneels konnte trotz aller Anstrengungen der belgischen Justiz bislang nichts Strafbares nachge-
wiesen werden.

Ich bin mir dabei wie auch in anderen Fällen bewusst, dass wir "Normal-
katholiken" ohnehin nicht alles erfahren. Dem Papst hier aber bewusste Einseitigkeit zu unterstellen, halte ich nach allem, was ich bisher weiß,
für nicht sehr fair. Ich lasse mich da aber gerne von vielleicht kundigeren Lesern belehren, wenn diese brauchbare Quellen angeben können, die evtl. Gegenteiliges behaupten...

Kommentare:

  1. Es ist schon ein Unterschied, ob einem Bischof konkrete, mit Tonband belegte Vorwürfe gemacht werden, denen aber nach einer Untersuchung keine strafrechtliche Relevanz beigelegt wird (und der Bischof in Amt und Würden bleibt), oder ob einem gar keine Vorwürfe gemacht werden (denn anscheinend wurde dem Beschuldigten selbst auf Nachfrage nicht bekannt gemacht, was er begangen haben soll*), die auch keine strafrechtliche Relevanz haben (jedenfalls hat man von keinem Verfahren gehört), wo aber lediglich ein vernichtendes Urteil gefällt wird.
    * http://www.katholisches.info/2014/09/27/papst-weigert-sich-abgesetzten-bischof-zu-empfangen-von-wegen-dialog-barmherzigkeit-und-respekt/

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    1. Ist Ihnen bewußt, auf was für ein unsägliches Portal Sie da verlinkt haben? Das berüchtigte "kreuz.net" war geradezu liberal und lustig dagegen...

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  2. In Medien und Katholikenkreisen liegt da vielfach auch einfach Uninformiertheit vor.
    Kardinal Danneels wurde nie etwas nachgewiesen. Anders sieht es mit seinem Bischofskollegen aus Brügge aus, aber der ist schließlich längst des Amtes enthoben.
    Meiner Meinung nach also eher eine Luftnummer!

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  3. Eine wohltuende um Sachlichkeit bemühte Darstellung aus den Kreisen der Blogger!
    Manches war mir selbst so noch nicht bekannt. Danke für Ihre Mühen!

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  4. Staunender Zaungast27. September 2014 um 10:50

    Nicht der Kardinal Danneels ist das Problem, sondern die Einstellung dem Heiligen Vater gegebenüber. Es gibt da eine ganze Reihe von Katholiken, die es als ihre vornehmste Aufgabe ansehen, den Papst zu schulmeistern.
    Auch ich bin nicht von allem restlos begeistert, wenn ich da z.B. an einige Interviews denke, aber es ist m.E. eine Unverschämtheit, den Nachfolger Petri derart in den Schmutz zu ziehen!

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    1. Tja, das ist die vielbeschworene "Romtreue" der sich selbst "konservativ" nennenden Katholiken. :-)

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    2. Nanana, werter Zaungast!
      Wir wollen doch hier keine Faktenverdrehung propagieren!
      Kardinal Danneels hat doch selbst zugegeben, Fehler gemacht zu haben.
      Und da darf doch wohl die einfache Frage erlaubt sein,
      warum andere für ihre Fehler vom Papst gemaßregelt oder gar des Amtes
      enthoben werden, dieser Kardinal hingegen sogar zur Privataudienz eingeladen wird...!

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    3. Vielleicht erkennen Sie den Unterschied zwischen Fehler eingestehen und stolz auf seiner falschen Haltung beharren? Wenn Ihnen das bekannt ist, werfen Sie doch noch einmal einen bereinigten Blick auf die Causa!

      Und wenn wir hier schon Korinther kacken, dann sollte man auch mal einen Blick auf München Freising zur Zeit eines späteren Papstes werfen. Der Marx hat ihn mit seiner vorbildlichen Aufklärungsarbeit, die niemals richtig veröffentlicht wurde, ganz vorzüglich aus dem Feuer geholt! Man sollte also gaaaanz vorsichtig sein, mit der Kritik an Bischöfen, die vertuscht haben!!!!

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  5. Mal eine Frage: ungeachtet dessen, wie schuldig oder unschuldig der Kardinal ist - was sollte der Papst eigentlich gegen ihn "unternehmen"? Anders als der Paraguayer ist Daneels längst emeritiert und kann also nicht mehr als Leiter seiner Diözese "abgesetzt" werden, die das jetzt bei Livieres geschah. Was wollen die "Romtreuen" also, was Franziskus gegen Daneels unternehmen soll? Soll er ihn im Vatikan unter Hausarrest stellen, wie den kinderschändenden polnischen Nuntius? Oder auf eine einsame Hebrideninsel verbannen, wie das die vorkonziliaren Päpste mit nicht linientreuen Theologen taten? Oder was sonst?

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    1. Eventuell nicht persönlich zur Bischofssynode zum Thema "Familie" einladen, sondern einfach nur ignorieren.

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  6. @Hans: Da sprechen Sie einen extrem heiklen Punkt an. Das ist, wie Journalisten, die da über Jahre recherchiert haben, hinter vorgehaltener Hand sagen, "komplett vermintes Gelände". Das Gelände wird nicht betreten, solange der Papa emeritus am Leben ist.

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