Mittwoch, 17. Dezember 2014

Abschlussbericht über Ordensfrauen in den USA: Verniedlicht der Vatikan die Probleme?

Es versteht sich von selbst, dass auch für den Vatikan gilt, besser nicht als der gefürchtete Elefant im Porzellan-
laden aufzutreten. Mit purer Poltrig-
keit, so lehrt uns die Lebenserfahrung, erreicht man bei Angegriffenen eher Trotzreaktionen als die erhoffte Ein-
sicht.
Andererseits: Wer als vorgesetzte Stelle Probleme nicht offen benennt und bei Fehlverhalten nicht auf Ab-
hilfe drängt, der darf sich nicht wun-
dern, wenn es weiter bergab geht. Kommen wir zur Sache:
Die weiblichen Ordensgemeinschaften in den USA wurden in den vergange-
nen Jahren aufwendig visitiert, ein einmaliger Vorgang, der einen uner-
freulichen Grund hatte. Zum besseren Verständnis empfehle ich dringend, meinen ausführlichen früheren Artikel zu lesen. ---> KLICKEN !
Es handelt sich also wirklich nicht um Kleinigkeiten. Die Kritik ist massiv. Und bis heute weigern sich einige Ordensgemeinschaften immer noch, sich visitieren zu lassen, wie der Vatikan selbst einräumen muss.
Nun liegt er also vor, der Abschlussbericht, wie gestern vom Vatikan be-
kanntgegeben. Man wolle demnächst, heißt es da diplomatisch, "auch auf jene Ordensschwestern zugehen, die sich nicht an dem bisherigen Ge-
spräch... beteiligt haben."
-
Nun hofft man auf die Selbstreinigungskräfte bei den amerikanischen Ordensfrauen: "Ziel sei es also, dass die Ordensgemeinschaften in den USA eine interne Prüfung durchführen sollten (!) und sich fragen sollten, ob sie sich an den Charismen ihrer Ordensgründer ausrichten", liest man da.
Wenn ich mich nicht sehr irre, ist man mit den "Franziskanern der Imma-
culata"
nicht ganz so sanft-säuselnd umgegangen, oder habe ich da was falsch in Erinnerung?

Gestrige Artikel bei "Radio Vatikan" ---> HIER und HIER !

Kommentare:

  1. Da hat der Vatikan aber mal die rosarote Brille aufgesetzt,
    um die Dauerbaustelle für halbwegs beendet zu erklären.
    Erst durch das Weiterklicken auf Ihren verlinkten früheren Artikel
    erfuhr ich vom Ausmaß der Abtrünnigkeit.
    Und das soll jetzt alles behoben sein? Sorry, aber so einen Bären
    kann mir selbst der Vatikan nicht aufbinden!

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  2. Habe ich das richtig gelesen,
    dass katholische Ordensfrauen sich weigern, eine Visitation
    zuzulassen, und das lässt man im Vatikan einfach so durchgehen?

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  3. Diözesaner Bürohengst17. Dezember 2014 um 11:41

    Im Vatikan denkt man langfristig, und da ist es manchmal
    angebracht, sämtliche Augen zuzudrücken oder beachtliche
    Kompromisse einzugehen.
    Ein deutliches Beispiel aus der jüngsten Zeit war z.B. die
    Ablehnung einer Audienzbitte des Dalai Lama.
    Der einleuchtende Grund: Papst Franziskus wollte es sich nicht
    mit den chinesischen Machthabern verscherzen, denn die Kirche
    ist dort seit Jahrzehnten in einer problematischen Lage.
    Merke: Das Leben ist kein Ponyhof oder Wunschkonzert,
    und das gilt auch für den Vatikan.

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    1. Das mit dem Dalai Lama ist politisch-diplomatisch, da gibt es Ermessensspielräume. Abgesehen davon ist es auch ein hoffnungsvolles Zeichen, dass der im liberalen "Westen" wie eine Monstranz herumgereichte Oberguru aus dem Tibet vom Vatikan mal eine Abfuhr erhält.

      Bei den abgefallenen Schwestern geht aber um die unwandelbare Doktrin, da hat Diplomatie nichts zu suchen und da kann es niemals Kompromisse geben.

      Die privatmoralisch verlottertsten Renaissance-Päpste wären gleichwohl niemals auf die Idee gekommen, die Lehre auch nur ein Jota anzurühren! Deshalb ist Papst Franz schlimmer als der schlimmste Renaissance-Papst.

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  4. Friede - Freude -Eierkuchen.
    Wer's glaubt, wird selig. Wenn alles sooo toll wäre,
    warum hat Papst Benedikt dann die Visitation angeordnet
    und warum hat sich Kardinal Müller so deutlich mit denen angelegt?
    Und der beste "Gag":
    Das eigentliche Kernprobleme wird in dem Vatikan-Bericht
    mit keinem Wort erwähnt: Der dem Vatikan gegenüber zuweilen
    geradezu feindselig eingestellte Dachverband der Nonnen, der LCWR.
    Meiner Meinung nach stand vorher fest:
    Dieses Ergebnis sollte herauskommen, und dann hat man es eben
    passend gemacht.

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  5. Der Fairness halber hätten Sie aber erwähnen können,
    dass der größte Teil der altgedienten Nonnen in Treue Dienst tut.
    Das Problem sind oft die Emanzen der Führungsebene!

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    1. Dann will ich das hiermit gerne tun.
      Aus meinem vorigen verlinkten Artikel wurde das aber auch deutlich.

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