Mittwoch, 17. Dezember 2014

Gerichtsentscheid: Krippenspiel in Worms verboten, denn es stört den Weihnachtsmarkt!

Da wollte also eine Initiative einer ört-
lichen evangelischen Kirchengemeinde auf dem Wormser Weihnachtsmarkt ein kurzes Krippenspiel aufführen, das auch die Si-
tuation von Flüchtlingen zum Thema hat. Alarm bei der städtischen Bürokratie: Das könnte den Weihnachtsmarkt stören und bei Besuchern "zu Irritationen führen"!
In einer Eilentscheidung hat das Mainzer Verwaltungsgericht die Entscheidung
der Stadt bestätigt. Die Aktion verletze
die Rechte Dritter auf einen ungestörten Besuch des Weihnachtsmarktes, heißt es in der Urteilsbegründung.
Das ist ja dann wohl Satire vom Feinsten, wie das Leben sie manchmal schreibt.
Eine kurze Gesprächsszene in einem Krip-
penspiel gefährdet also das Glücksgefühl und Wohlbefinden der Bürger, die nicht mit Problemen belästigt werden wollen, wenn sie in Kauflaune über den Weihnachtsmarkt spazieren.
Durch Gedanken an Flüchtlinge könnten sie aufgeschreckt werden. Wer weiß, wozu die braven Konsumenten dann unter Schock fähig wären?
Einen Eindruck von der "schlimmen" Konfrontation mit dem realen Leben, wie sie der Krippenspieltext bietet, kann man bekommen, wenn man hier guckt, denn die Gruppe brachte die Szene dann eben ein paar Meter weit entfernt zur Aufführung ---> KLICKEN !
Wahrscheinlich steckt sogar ein Missverständnis hinter der Ablehnung der Bürokratie. Man befürchtete vielleicht, die "Piratenpartei" könnte dahinter-
stecken, und da im Stadtrat auch ein NPD-Mitglied sitzt, könnte es da zu Konfrontationen kommen... ---> KLICKEN !
Jetzt sind also erst mal alle Beteiligten sauer. Die Gerichtsentscheidung könnte ja fast zu einem Meilenstein in der deutschen Rechtsgeschichte werden: Die Bürger haben also einen Rechtsanspruch auf den ungestörten Besuch eines Weihnachtsmarktes. Der Anspruch, ungestört zu sein, lässt sich ausweiten: Wer klagt nun gegen die Nachrichtensender, die immer wieder mit schrecklichen Bildern zu Irritationen führen könnten?
Ein Asylbewerberheim in der Nähe mit fremd aussehenden Menschen könnte auch zu erheblichen Irritationen führen. Also...
Mal ganz unter uns gesagt: Es gibt Gerichtsentscheide, da kommt man schwer ins Grübeln.