Dienstag, 30. Dezember 2014

Gute Vorsätze für 2015? - Oder: Wenn Elefanten sich vornehmen, fliegen zu lernen...


Das Ende naht, zumindest das des Jahres 2014.
Wie üblich werden Millionen von Men-
schen wie auf ein ge-
heimes Zeichen hin
in diesen letzten Stunden des alten Jahres von einer geheimnisvollen Epidemie erwischt: Man fasst gute Vorsätze! - Im nächsten Jahr will man mit der Gesund-
heit nicht so schlampen, also gedenkt man, täglich eine Stunde Sport zu treiben. Oder man will mehr Zeit für die Familie haben. Oder weniger fernsehen. Oder weniger Stress zulassen. Oder sich gesünder ernähren. Oder abnehmen.  Oder das Rauchen aufgeben. Oder… 
Doch, doch, so hat man es beschlossen, und so soll es denn sein –  im nächsten Jahr!                                                                                                               Wie dieses Vorhaben endet, das ist in fast allen Fällen allerdings jetzt schon absehbar: Man wird wieder einmal kläglich scheitern!     Irgendwie kommt immer irgendwas dazwischen, irgendwie fehlt dann doch im entscheiden-
den Moment die Zeit, die Geduld oder was auch immer. Jedenfalls: Es ist mal wieder schiefgegangen, und man steht mal wieder als der Versager da. Der Geist war willig, und das Fleisch mal wieder reichlich schwach. Man hat es also wieder einmal vermasselt. Was für ein Armutszeugnis für sich selbst…!                                                                                                                          So und nicht anders wird es kommen mit den allermeisten guten Vorsät-
zen, und zurück bleiben seelische Wunden oder zumindest ein schlechtes Gewissen. Warum ich? Warum schaffe ich das einfach nicht?

                                     Bin ich ein Versager?

Gehen wir den Dingen mal ein klein wenig auf den Grund.
Die erste Frage vor solchen guten Vorsätzen könnte dann sein: Warum eigentlich will ich mich überhaupt in einem oder mehreren Verhaltens-
weisen grundlegend ändern?  Und: Ist eine radikale Kehrtwende überhaupt realistisch? -  Also im Klartext: Wenn ein Elefant sich vornimmt, fliegen zu lernen, wird er garantiert scheitern. Er bleibt ein Elefant, nachher höchstens ein lächerlicher. Ihm fehlen eben wesentliche Voraussetzungen, um fliegen zu können. Und selbst wenn er es rein hypothetisch tatsächlich lernen würde, dann wäre er um so vieles anders, dass er kein Elefant mehr wäre.
Im Januar und Februar sieht man sie beispielsweise wieder keuchend durch die Parks joggen, die tapferen und frustrierten Kämpfer gegen den inneren Schweinehund.  Ohne spotten zu wollen: Vielen sieht man es an, dass sie wahrlich nicht zum Läufer geboren sind. Der erstaunte Zu-
schauer sieht es, und sie selbst müssten es eigentlich auch sehen und spüren. Mit hochrotem Kopf und am Ende ihrer Kräfte sinken sie daheim auf die Couch. Nach einigen Wochen der Selbst-Peinigung ist es vorbei.
Die Kapitulation ist ein Faktum. 
Sie haben sich selbst etwas vorgemacht. Das konnte nicht gutgehen.
Die Voraussetzungen stimmten einfach nicht. So weh es im Einzelfall tun kann  –  sie sind nicht zum Sportler geboren.  Realistischer wäre es ge-
wesen, nach Kompromissen zu suchen und die Messlatte nicht zu hoch zu legen. Ein Spaziergang mehrmals in der Woche bringt da beispielsweise mehr als ein Jogging-Abenteuer, bei dem man auf die Nase fällt.                   Als Christen wissen wir ohnehin, dass Gott uns nicht deshalb liebt, weil wir uns auch tüchtig abquälen, sondern weil wir durch seine Gnade Gotteskin-
der sein dürfen. Gott weiß um unsere Stärken, aber auch um unsere Schwä-
chen. Sie gehören zu uns, und wir müssen sie nicht verstecken.

               Realistisch bleiben: sich und andere annehmen!
Wo wir uns oder anderen mit schlechten Angewohnheiten Schaden zufügen können, da ist es allerdings angebracht, das Verhalten zu ändern. Wenn Papa z.B. nur selten Zeit für die Kinder hat, kann das niemand gutheißen. Weil wir uns aber von Gott geachtet und geliebt wissen, müssen wir uns nicht mit überzogenen Ideen unter Druck setzen. Es ist eher albern, wenn Papi sich einen Ruck gibt und mit den Kindern spielt, während er dabei heimlich alle paar Minuten auf Handy und Uhr schielt.
Als Christen haben wir gelernt, einander anzunehmen. Das kann im kon-
kreten Fall z.B. helfen, in der Familie gemeinsam nach wirklich realisti-
schen (Kompromiss-)Lösungen zu suchen, mit denen alle Beteiligten auch zufrieden leben können.
  Gute Vorsätze  – warum nicht? Aber bitte nicht im Hauruck-Verfahren, weil gerade mal wieder Neujahr ansteht…

Bist du schick,
bist du dick,
lebst du stets nur ganz gesund,
bist du stattdessen kugelrund –
Gott ist’s gleich,                                                                                             denn in sein Reich soll’n alle rein;
so muss es sein!

.
Übrigens: Es gibt bereits alle guten Vorsätze; wir brauchen sie nur noch anzuwenden (Blaise Pascal) 

1 Kommentar:

  1. Schon von Papst Johannes XXIII. kann man in puncto Gelassenheit
    lernen: Sein Satz "Johannes, nimm dich nicht so wichtig" ist wohl bekannt.

    AntwortenLöschen

Bitte beachten: DERZEIT versuchsweise wieder Leserkommentare möglich. Anonyme oder beleidigende Zuschriften haben keine Chance! Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bis zur Freischaltung Ihres Leserbeitrages kann es einige Stunden dauern!
Zuschriften, die nach 19.45 Uhr eintreffen, können zumeist erst am
nächsten Morgen online sein!
=================================================================================