Mittwoch, 24. Dezember 2014

Kurzer Versuch einer Bilanz nach dem päpstlichen Donnerwetter gegen die Kurie...

Es ist immer noch das beherrschende Thema in den Medien und auch bei den Klickzahlen hier im Blog, wenn es um die katholische Kirche geht: Die Ansprache des Papstes beim Weihnachtsempfang für die römische Kurie.
In den führenden Medien wird dabei eifrig Nachricht und Meinung miteinander vermischt. Alle sind Experten für die Deutung der schwergewichtigen Sätze von Papst Franzis-
kus. Der Korrespondent der ARD, Tilmann Kleinjung, konstatiert für die "Tagesschau" im Vatikan "Das große Schweigen am Tag danach": Keiner wolle auf die Schelte des Papstes antworten, und Kritik verbiete sich "aus Loyalitätsgründen". Da soll es bei den Zuhörern "versteinerte, mürri-
sche Gesichter"
gegeben haben. ---> KLICKEN !
So unaufgeregt äußern sich viele andere Medien nicht. Beispielsweise stellt der mit Katholischem erfahrene Joachim Frank im "Kölner Stadt-Anzeiger" fest, es handele sich um ein "Multiples Charakterversagen im Vatikan". Das Problem der "Wutrede" des Papstes sieht er allerdings darin, was eigentlich jeder führende Manager weiß, dass nämlich solch massive Kritik wie ein "Motivationskiller" wirkt und vor allem eines bewirke: "ag-
ressive Abwehr"
.
Aus dem "Mund eines Seelsorgers" sei die Schelte "erschreckend pau-
schal"
.  Und daraus abgeleitet stellt er die Frage aller Fragen: "Ist es klug, damit die Kurie so öffentlich vorzuführen?" - Nun bekomme er erst recht die "Gegnerschaft des Apparats" zu spüren und müsse darum flugs der Diagnose die Therapie in Form von "abservieren" seiner Gegner folgen lassen... ---> KLICKEN !
So sieht auch Dominik Straub als Korrespondent für den österreichi-
schen "Standard" als zu erwartende Folge eine Verweigerungshaltung: Die Kurie reagiere "mit passivem Widerstand" gegen die Reformpläne.
Es sei "kein gutes Zeichen", dass der Papst jetzt "derart brutal" werde.
Es stelle sich "die schreckliche Frage", wie sehr der Papst innerhalb der Kurie schon "isoliert" sei. Nun werde er dort auf "eine Mauer aus Gummi" stoßen... ---> KLICKEN !
Man kann den Ball allerdings auch etwas flacher halten, wenn man das als Kommentator nur will. So kann man beim Kölner "domradio" nachlesen, wie z.B. Pater Bernd Hagenkord SJ von "Radio Vatikan" die Situation einschätzt. Der Papst behaupte nicht, diese Krankheiten habe die Kurie alle, sondern es gehe ihm um drohende "Versuchungen", die durchaus auch normale Priester beträfen, und die Kirchenreform fange tatsächlich bei jedem selber an. 
Die Wortwahl des Papstes "verstört schon ein wenig", findet auch Pater Hagenkord, und "kluge Mitarbeitermotivation sieht anders aus". Andererseits kenne man im Vatikan doch seine "burschikose" Art und Weise. Die Botschaft sei angekommen: "Passt auf, ich gucke ganz genau hin." In seiner Krankheitsbeschreibung benenne der Papst nun mal Dinge, die genau so vorkommen, wo man sich also  "an die eigene Nase fassen" müsse. ---> KLICKEN !
Betrachtet man alle Kommentare in einer Art Synopse, erkennt man unschwer, dass sich da einiges gegenseitig aussschließt, was da formuliert wird, und anderes wie etwa die Frage der Wortwahl wird mehrheitlich kritisch gesehen.  

Besonders originell fand ich persönlich die Behauptung, aus Loyalitäts-
gründen verbiete sich Kritik am Papst. Hat da jemand in den vergangenen Wochen und Monaten keine Zeitung gelesen...?

Einer meiner Leser, der hier gerne unter den Namen "Achtern" kommen-
tiert, machte mich dankenswerterweise auf ein offizielles Video von be-
sagter Veranstaltung aufmerksam. Wer sich die fast 50 Minuten nicht an-
tun will, dem sei der Schluss ab etwa Minute 38 empfohlen, und bei etwa 43:25 sieht man Papst Franziskus sogar in angeregter Unterhaltung mit Kardinal Burke, wenn ich mich nicht täusche. Also ganz so schlimm ge-
scholten sehen die Herren dort nicht aus...!  

DAS VIDEO ---> KLICKEN !
Merke: Es wird nichts so heiß gegessen, wie die Presse es uns hochkocht...!