Dienstag, 16. Dezember 2014

Papst: Kinderlärm und Kinderweinen in der Heiligen Messe sind die beste Predigt!

Es ist ein altes und immer wieder neues Konfliktthema: Wie sollten sich Kinder wäh-
rend der Heiligen Messe ver-
halten? Sollten die Eltern ihre Sprößlinge dazu anhalten, sich möglichst ruhig und unauffällig zu verhalten, oder ist es den anderen Gottesdienstteilneh-
mern und dem Pfarrer durch-
aus zumutbar, wenn der Kin-
derlärm dauerhaft und unüberhörbar ist?
Es gibt da einige Beispiele, wo die Störung zumindest nach dem Empfinden der Mehrheit so dramatisch war, dass es zu einem Eklat kam, wie z.B. bei einer Erstkommunion-Messe, in der der Priester drohte, den Gottesdienst abzubrechen... ---> KLICKEN !
Der Pfarrer der Gemeinde bei Koblenz bekam damals in einer Leserbrief-
schlacht in der örtlichen Zeitung erheblichen Unmut zu spüren, zumal auch etliche Eltern erzürnt wegen der Drohung des Pfarres die Kirche verlassen hatten. Aber es gab deutlich mehr Sympathie für seine klare Linie. Eine Le-
serin fragte, ob man das auch akzeptieren würde, wenn Kinder derart heftig etwa ein Konzert störten...
Beim Besuch einer Pfarrgemeinde in Rom beschäftigte sich Papst Fran-
ziskus
jetzt auch mit diesem Thema. Dabei kritisisierte er vor Eltern von Neugetauften ausdrücklich solche Gottesdienstteilnehmer, die während
der Hl. Messe nicht gestört werden wollten und deshalb an weinenden, lärmenden und hin und her gehenden Kindern Anstoß nähmen. Das sei doch normal, und die Tränen eines Kindes seien die beste Predigt, befand der Papst. ---> KLICKEN !
Das ist nach meinem Empfinden wieder mal eine jener pauschalisierenden päpstlichen Aussagen, die man fairerweise so nicht stehen lassen sollte.
Fair ist das nicht, finde ich, und zwar gegenüber den gescholtenen Besu-
chern der Hl. Messe, die sich vielleicht schon die ganze Woche auf die Teilnahme an der Eucharistiefeier gefreut haben.
Ich schreibe dies als Opa von einem halben Dutzend Enkelkindern und auch als ehemaliger Küster. Man sollte nicht in populistischer Art und Weise Kinderlärm und unnötigen Kinderlärm argumentativ vermengen.
Ja, es gibt Situationen, da ist das o.k., aber es gibt auch die Art von Kinder-
geschrei, die mit Ungezogenheit, mit mangelnder Vorbereitung und Igno-
ranz der Eltern und manchmal auch mit mangelnder Organisation in der Pfarrgemeinde zu tun hat.
Da kann man es z.B. erleben, dass kleine Kinder in den Gottesdienst mit-
genommen werden, ohne dass auch nur ein einziges kleines Kuscheltier oder Beschäftigungsspiel eingepackt wurde. Ich habe es selbst erlebt, dass die Eltern damit beschäftigt waren, SMS oder sonstiges auf ihrem Handy zu lesen, während das Kind sich selbst überlassen wurde.
Die Frage ist doch auch, ob Eltern und Pfarrgemeinde auch etwas dafür getan haben, dass Kinder wissen, "wie Kirche geht". Und manchmal ist es auch angebracht, als Pfarrei ein paar Gedanken darauf zu verwenden, wie man z.B. durch das Angebot einer kurzzeitigen Kinderbetreuung im Pfarr-
saal oder Pfarrhaus diese auf den Sonntag einstimmen kann, mit Spielen, Malbildern usw.

Ich sage es mal etwas überspitzt: Manchmal ist es eine Rücksichtslosigkeit von Eltern, wie man die Kinder in der Kirche herumtoben lässt. Wie sollen die Kinder dann eigentlich erfahren, dass man sich in der Kirche an einige Spielregeln zu halten hat. Das Stichwort "Ehrfurcht" will ich da durchaus mal nennen!

Kommentare:

  1. Ich glaube, die Kritik an lärmenden und umherlaufenden Kindern in der Kirche ist ein typisch deutsches Phänomen.
    Haben Sie schon mal in Italien eine Messe besucht und gestaunt, welches Getöse dort selbst die Erwachsenen veranstalten?
    Papst Franziskus kommt aus einer anderen Kultur, das sollte man nicht vergessen, bevor man sich darüber auslässt, "wie Kirche geht".

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    1. Diözesaner Bürohengst16. Dezember 2014 um 16:07

      Das ist ja alles richtig,
      aber Papst Franziskus ist nun mal nicht nur Papst für die Südländer.
      Warum sollen 200 Gottesdienstbesucher unter ein, zwei schlecht
      erzogenen Kindern und deren nicht eingreifenden Eltern leiden?

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  2. Franziskus hält sich nur an Jesus:

    Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte und für sie betete. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab.Doch Jesus sagte: Laßt die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.

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    1. Richtig, aber beim Letzten Abendmahl haben auch keine Kinder
      herumgequengelt.

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    2. Auch keine Frauen, Priester, Bischöfe, KFZ-Mechaniker und Sindbads.

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  3. Um es mal drastisch zu formulieren, in unserer Gemeinde hat sich das Problem "lärmende Kinder" so gelöst: Keine Kinder, kein Lärm. Die 7 Prozent der Gläubigen die noch den Weg in die Sonntagsmesse finden, sind definitiv zu alt um noch zu weinen oder zu gängeln. Baut der Papst einen Strohmann auf?

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  4. Papst Franziskus gibt mal wieder den barmherzigen Menschenfreund.
    Wie unbarmherzig das z.B. alten Menschen gegenüber ist, die ohnehin schon
    Hör- und Konzentrationsprobleme haben, vergisst er.
    Außerdem soll der Priester doch auch die Heilige Messe in Ehrfurcht und
    Andacht feiern, wird in den römischen Vorschriften betont.
    Wie bitte soll das möglich sein, wenn Kinder direkt vor seiner Nase
    Nachlaufen und Fangen spielen und so laut sind, dass der Gemeindegesang
    sogar erheblich behindert wird?

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    1. So ist es! Greinende und quengelnde Kinder sind alles andere als eine "Predigt", sondern ein Zeichen, das heute in dem linksgrünen Zeitgeist nicht mehr mutig und zuchtvoll erzogen wird. Früher konnten die Kinder ja auch stillhalten in der Messe.

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    2. @ Myonarius: Die Zukunft der Kirche sind aber, wie gerade Benedikt XVI. oft gesagt hat, die Jungen, nicht die Alten. Will sagen, es ist auch von alten Messebesuchern mehr Toleranz zu wünschen gegenüber "lauten" Kindern. Seien wir doch froh, wenn überhaupt noch Kinder in den Gottesdienst kommen. Die meisten Messen nehmen sich ja wie ein komplettes Altenwerk aus.

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    3. @Mynonarius: wenn alte Menschen dement werden, reden sie manchmal laut vor sich hin, leiden unter körperlicher Unruhe, nesteln deshalb an ihrer Kleidung oder laufen umher.
      Dürfen die dann auch nicht mehr in die Kirche?
      Eine solche Denke ist genau der Anlass, für ein Gebet um eine Bananenschale...

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    4. @Achtern
      Jene alten Menschen landen oft in irgendwelchen Alten- oder Pflegeheimen. Zumindest kenne ich es dort so, dass ein Pfarrer oder Pastor dann ca. 1 Mal im Monat dort eine Eucharistie-Feier hält. Aber diese Menschen werden nicht mehr am Sonntag abgeholt und in die Messe vor Ort gebracht. Denn ja, sie könnten wirklich "stören". Nicht nur wegen Demenz oder so, sondern eben auch weil sie vielleicht mal einschlafen und a bissle laut dabei atmen. Es könnte ja auch passieren, dass einer seine Verdauung nicht mehr so unter Kontrolle hat usw.
      Ich überlege gerade ob ich eine Kirchengemeinde hier in der Umgebung kenne, die sowas wie einen Fahrdienst für jene alten Menschen zu den "normalen" Sonntagsmessen hat. Mir fällt keine ein.
      Vielleicht braucht es nicht eine Bananenschale, sondern mal eine Art Virus, der all jene, die der Papst wohl gemeint hat, für die Zeit der Sonntagsmesse mal entweder in Kleinkinder oder in alte demente Menschen verwandelt - mit der Ausnahme, dass ihr Verstand hinterher exakt rekapitulieren und vergegenwärtigen kann, wie sie sich benommen haben.

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  5. "Tut dies zu meinem Gedächtnis!"
    Wenn wir das heilige Messopfer feiern, dann sollten wir das nicht mit
    einer Kirmesveranstaltung verwechseln.
    In der alten Kirche wären solche Störer hochkantig hinausgeflogen.
    Ich möchte die Verteidiger von Kindergeschrei und Herumrennerei mal
    erleben, wenn sie bloß mal ein dringendes Telefonat führen wollen.
    Und ist eine Heilige Messe nicht viel mehr als das...?!

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    1. In der "alten Kirche" gab es keine Kirchenbänke für das "gemeine Volk". Da liefen, saßen, lagen,knieten die Menschen einfach auf dem Boden. Da war nix mit Ruhe und so. Da gab es eine Menge "Herumgerenne" und "Geraune". Kirchenbänke und damit sowas wie eine Art Ruhe kamen erst Ende des 15. Jahrhunderts auf. Vorreiter dabei war die Reformation. Dort hatte man die Kirchenbänke unter anderem deswegen eingeführt damit es eben weniger Unruhe und "Herumgerenne" in den Kirchen gab und die Menschen durch Sitzen in Kirchenbänken eher zur Ruhe kamen und sich eher dem Gottesdienst widmeten.
      Also in der "alten Kirche" war wenig Ruhe und Besinnlichkeit :-)
      Interessant dazu ist z. b. auch die literarische und kirchengeschichtliche Literatur zu Savonarola. Früher (tm) ;-))) war eben nicht alles besser. Weder in der "alten Kirche" noch in der "alten Welt.
      Wer sich genauer dazu informieren will findet Anfangsliteratur sowie Hinweise zu Veröffentlichungen unter anderem hier:
      https://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Historische-Entwicklung-des-Kirchengest%C3%BChls/1988017185803
      und hier:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchengest%C3%BChl

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    2. Leser oder Leserin "marram" irrt:
      In der "alten" Kirche gab es eine strikte Disziplin. In jeder Kirchengeschichts-Vorlesung erfährt man z.B. davon, dass Diakone auf entsprechendes Benehmen achteten und sogar "Flüstern" sofort verwarnt wurde.
      Die Sitten waren sogar so streng, dass bestimmte Leute nach dem Ausruf "Das Heilige den Heiligen" den Gottesdienst zu verlassen hatten.

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