Donnerstag, 29. Januar 2015

Empörung wegen Predigt eines Bremer Pastors - Muss auch Jesus mit Staatsanwalt rechnen?

Ein evangelikaler Pastor aus Bremen ist gewaltig in die Schusslinie von Medien, Poli-
tik und evangelischer Kirchen-
leitung geraten. Sogar die Staatsanwaltschaft wertet sei-
ne Predigt vom 18. Januar in-
zwischen Wort für Wort aus. Kann man gegen ihn Ermitt-
lungen wegen Volksverhetzung einleiten? -- Pastor Olaf Latzel hatte es geahnt, denn schon in der besag-
ten Predigt erklärte er seinen Zuhörern, danach werde man über ihn sagen: "Das ist ein Scharfmacher! Das ist ein Hetzer!"  --  Aber was ist denn nun eigentlich der Stein des Anstoßes?
Der Pastor hatte sich anhand eines alttestamentlichen Textes über Gideon und seinen Eifer für Gott quasi dem Thema gewidmet: Es gibt nur einen Gott für uns Christen - aber was ist für uns dann die Konsequenz daraus?
Er hat andere Religionen kritisiert, heißt es. Auch wir Katholiken bekom-
men unser Fett weg, wenn er etwa Bemerkungen über Reliquien oder Ab-
lässe macht. 

            Es gibt nur einen Gott - das löst Verärgerung aus
Aber schauen wir erst mal in die Medien, bevor es bezüglich der Predigt etwas mehr ins Detail geht. Zwei Wortmeldungen als Beispiele für viele: ---> HIER und HIER !
Der evangelische Pastor wehrt sich bzw. versucht, die Dinge klarzustellen, siehe z.B. ---> HIER !

Auch in einem Fernsehbeitrag von "Radio Bremen" erklärt der medial "Angeklagte", was er gesagt und gemeint hat, siehe das nachfolgende Video:

                       Den Direktlink zum Video gibt's übrigens ---> HIER !
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Ich habe mir die ganze Predigt (Dauer ca. 30 Minuten) mal angehört, denn sie ist online noch verfügbar, siehe (bitte lauter stellen!) ---> HIER
Mein Eindruck:  Hier wird etwas hochgespielt. Wenn das ein Fall für den Staatsanwalt sein soll, dann dürften so manche Prediger diverser Glau-
bensrichtungen bald ähnliche Probleme bekommen!
Der Mann hat mit seiner Kernaussage, und darum sollte es eigentlich auch mal gehen (!), einen wunden Punkt getroffen, und da reagiert man ent-
sprechend gereizt. Sein Vorwurf an uns Christen: Aus vermeintlicher Tole-
ranz, in Wirklichkeit jedoch aus Bequemlichkeit und Feigheit, wird allzu oft de facto Synkretismus betrieben, nach dem Motto: Wir haben im Grunde doch alle denselben Gott!
Der Bremer Pastor erinnert in der Predigt an die Zehn Gebote: "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!" - Gerade das sei aber leider oft der Fall. Weder der Fußball, noch Buddha, noch Allah dürften für uns Christen Gott sein. Jesus allein ist der Weg, die Wahrheit und das Leben!

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                          Wer ist für uns Christen maßgeblich?
Natürlich sollten wir angesichts so schlimmer Taten wie dem Attentat auf "Charlie Hebdo" zusammenstehen, aber etwa ein geplantes "House of One", ein gemeinsames Gebetshaus für alle möglichen Religionen, sei
"das allerletzte, was wir brauchen". Es gebe für uns Christen nicht mehrere Götter, sondern nur den einen Gott.
Mit dem Islam und dem Glauben an Allah könne man nicht gemeinsame Sache machen, "aber wir haben den Muslimen in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen" (bei obigem Link zur Tonaufnahme etwa bei 14:00).
Immer wieder erlebe er, etwa bei Schulfeiern, das alles in einen Topf ge-
worfen werde. Wenn es aber nur den einen Gott für uns gebe, dann müsse man nicht auch noch ein muslimisches "Zuckerfest mitmachen und all die-
sen Blödsinn"
(ca. 17:00).  Und weiter: "Der Islam gehört nicht zu Deutsch-
land, die Muslime, die hier leben, ja!"
(ca. 18:00).
Der Mainstream in der Politik gehe von einem falschen Toleranzverständ-
nis aus, indem man neben Jesus noch andere Götter setze. Für uns Chris-
ten sei dagegen klar: Allah ist nicht derselbe Gott wie unserer!
Meiner Meinung nach waren die gewählten Formulierungen, auch uns Katholiken gegenüber, nicht immer besonders fair. Die Kritik etwa an Ab-
lass oder Heiligen-Anhängern im Auto wird man aber auch bei einigen ka-
tholischen Amtskollegen genau so wiederfinden.
Die eine Seite ist das rücksichtsvolle Miteinander, die Achtung voreinan-
der, auch und gerade im religiösen Bereich. Das kann ich auch nur unter-
schreiben. Aber der streitbare Pastor hat nicht Unrecht, wenn er darauf aufmerksam macht, dass oft genug im Alltag der Wahrheitsanspruch des Christentums aus leicht durchschaubaren Motiven auf der Strecke bleibt.

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                Papst Benedikt XVI. macht sich verdächtig...
Bei verschiedenen Anlässen hat sich z.B. Papst Benedikt XVI. (bzw. vor-
her als Kardinal Ratzinger) dazu auch kritisch geäußert. Der Anspruch des Christentums, "religio vera" zu sein, werde verwässert, wenn man z.B. so tue, als sei das Christentum lediglich die "für Europa angemessene Reli-
gion",
während es woanders eben andere seien.
Und wörtlich: "Alle Krisen im Inneren des Christentums, die wir gegen-
wärtig beobachten, beruhen nur ganz sekundär auf institutionellen Pro-
blemen. Die Probleme... rühren letztlich von der gewaltigen Wucht dieser Frage her"
, der Frage nach der Wahrheit. (1)
Papst Benedikt an anderer Stelle: "Wenn jemand glaubt, die Wahrheit er-
kannt zu haben und sie verteidigen will, so ist er - sagt man - intolerant für andere Wahrheiten." 
Die "Gefährlichkeit des Relativismus" sei jedoch, "dass er so einleuchtend ist und sich dem Menschen von heute so nahe-
legt"

Aber alle wichtigen Fragen seien nicht beliebig beantwortbar. Der Rela-
tivismus gefährde vielmehr unseren Glauben. "Man kann ganz und gar nicht sagen, alle Religionen seien wahr. Vielmehr: In allen Religionen oder in den meisten Religionen gibt es - neben irrigen und fraglichen Aspekten - Elemente der Wahrheit." (2)

Linktipp: Sind alle Religionen im Grunde gleich? ---> KLICKEN !
Papst Benedikt: Link Nr. 1 ---> KLICKEN !

Papst Benedikt: Link Nr. 2 ----> KLICKEN !