Freitag, 23. Januar 2015

Na endlich! Das Bistum Münster macht den "Faktencheck: Wie tolerant ist der Islam?"

Die Überlegung des Bistums Münster ist richtig und sollte meiner Meinung nach auch eine Anregung für die Themen der Deutschen Bischofskonferenz sein: Wie kann man als katholische Kirche einen hilfreichen Beitrag leisten, um über den Islam aufzuklären? - Damit könnte man vielleicht manche Vorur-
teile abbauen und Toleranz fördern, besonders bei den eigenen Leuten, den Katholiken.

Gesagt, getan. Das Bistum startete also in diesem Monat im eigenen Inter-
net-Auftritt "kirchensite.de" eine kleine Serie mit fünf "Behauptungen" über den Islam, die man jeweils in einem "Faktencheck" auf ihre Stich-
haltigkeit prüft. Nehmen wir als Beispiel den vierten Beitrag mit dem viel diskutierten Thema "Wie tolerant ist der Islam?"
Mutig, mutig, denke ich mir: Nur knapp mehr als 20 Zeilen reichen den Machern aus Münster, um das Thema abzuhandeln. Mehr Info will man den Lesern wohl nicht zumuten, warum auch immer...
Die wenigen Zeilen sind aufschlussreich: Die Behauptung laute, kann man einleitend lesen, der Westen falle "vor dem Islam auf die Knie", was man z.B. am Essensangebot in der Kantine sehe (kein Schweinefleisch).
"Nachgeprüft" heißt es dann. Jetzt bekommen wir vorurteilsbeladenen Katholiken also die knallharten Fakten präsentiert. Zuerst einmal erfahren wir, dass wir falsch denken, wenn wir behaupten, Christen würden in vielen islamischen Ländern unterdrückt. Nein, nein, so ist es doch gar nicht! Richtig ist vielmehr, belehrt man uns, dass dort nicht nur Christen, son-
dern auch andere Minderheiten unterdrückt werden! Dass soll dann wohl heißen: Von Christenverfolgung kann man da wohl nicht sprechen!
Gut, dass dies endlich einmal richtig gestellt wurde.
Aber weiter im Text: Sollen wir das etwa kopieren, um damit unseren Rechtsstaat aufzugeben? - So jedenfalls die rhetorische Frage. Dann rundet man das noch ab mit dem Zitat eines Islamwissenschaftlers, ob es denn wirklich eine Niederlage vor dem Islam sei, wenn es in der Kantine neben Schweinefleisch auch anderes Essen gibt.

Und schon kommt man in Münster im verbalen Galopp zu dem keineswegs ironisch gemeinten Schluss des Artikels, es sei doch alles "eine Frage der Perspektive", um dann endlich den eigentlichen Knaller zu landen, den ultimativen Höhepunkt der Münsterländer Aufklärungskampagne:
"Die Angst vor der Übermacht des Islam ist unbegründet, wie auch Studien zeigen". Punkt. Nichts weiter.
Ja, dann...! - Wie gut, dass wir mal darüber geschrieben haben, jetzt ist doch alles klar und in Butter. Hätte man uns, dem tumben katholischen Fußvolk, das doch bloß schon früher so überzeugend erklärt...!

Der Artikel bei "kirchensite.de" ---> KLICKEN !

Kommentare:

  1. Ich finde die Aktion super! Man hätte den tumben Tradis noch vor den Kopp knallen sollen, dass die Piusbrüder genau einen solchen Gottesstaat, wie ihn einige muslimische Länder haben, auch als Ideal anstreben. Um fundamentalistische Deppen zu kritisieren, muss ich als Katholik wirklich nicht auf die Religionsgemeinschaft des Islam zurück greifen!

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  2. Ist die Karnevalssaison in Münster schon eröffnet?

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  3. Danke, Bistum Münster!
    Und ich Dummie hatte schon beinahe ein bisschen Angst,
    als ich dieses Foto sah:

    https://twitter.com/wuperkins/status/554595637548052480/photo/1

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  4. Das immer wieder zu lesende Kantinenargument habe ich nie richtig begriffen. Die Kritik schien mir immer darauf abzuzielen, dass in Kantinen oder Kindergärten alle Betroffenen (egal ob deutsch, muslimisch oder sonstwie praktizierend oder nicht) heutzutage oftmals gezwungen seien, kein Schweinefleisch zu essen, weil aus Rücksicht auf Muslime überhaupt kein schweinefleischhaltiges Essen mehr angeboten würde. Ist das denn tatsächlich der Fall? Hier müsste ein Faktencheck ansetzen.

    Dass es schweinefleischfreie Gerichte als eine Option von mehreren gibt und dass man vllt. heute etwas stärker als früher darauf achtet, dass auch frommen Nichtschweinefleischessern solche Optionen zur Verfügung stehen, um religiös sauber und trotzdem lecker essen zu können, finde ich nicht weiter bedrohlich oder auch nur erwähnenswert. Dieses Szenario liegt ja offenbar Khorchides von der Kirchensite zitierten Aussage zugrunde. Das andere, wenn man also regelmäßig gar kein Schwein mehr bekommt, nur weil eine Minderheit das so verlangt, wäre schon bedenklicher.

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    1. Hier können Sie das Ausmaß des Duckmäusertums erahnen:

      http://www.bild.de/news/2010/gab-muslimischen-schuelern-versehentlich-schweineschnitzel-14280492.bild.html

      http://www.dw.de/schulessen-ohne-religi%C3%B6sen-beigeschmack/a-16572840

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    2. Na, der Fall bestätigt ja meine Vermutung, dass Kindern mit liberaleren Essgewohnheiten das Schweinefleisch jdfs. nicht vorenthalten werden soll. Dann ist ja alles in Butter. Die geschilderten Probleme und Konflikte (gewisse Überreaktionen im Fall dieser Lehrerin) klingen nach prinzipiell leicht überwindbaren Startschwierigkeiten und Unsicherheiten. Bohneneintopf mit Lammfleisch klingt zudem auch lecker und zumutbar.

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  5. Auf besagter Seite steht: „In vielen muslimisch geprägten Staaten werden Minderheiten unterdrückt und teilweise verfolgt.“ …
    Angesichts der grauenvollen Bilder und Berichte über die Verfolgung der Christen in muslimischen Ländern, ist die Formulierung „unterdrückt und teilweise verfolgt“ eine Verhöhnung unserer verfolgten Brüder und Schwestern. Aber was kann man schon von einem Bischof erwarten, der das Predigtverbot für einen seiner Priester u. a. so begründet: “Uns droht in Deutschland ganz sicher keine Islamisierung.”

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