Dienstag, 27. Januar 2015

Priester "gastiert" drei Monate am Theater - oder: Priestermangel ist ein relativer Begriff...

Um Missverständnisse gleich auszuräumen: Im konkreten Fall weiß man nicht, wie das genau zustande gekommen ist und wer den Priester in seiner Heimatpfarrei vertritt.
Die Nachricht von gestern könnte man eher in die allge-
meine Fragestellung umwan-
deln, ob wirklich alle Priester
in Zeiten des Priestermangels effektiv eingesetzt sind, und das bezieht sich ausdrücklich auch auf die Diözesanverwaltungen und den Vatikan.
Immer mal wieder kann man im Internet lesen, dass es kaum noch großen Priestermangel bei uns gäbe, wenn da alle in der praktischen Seelsorge "ran" müssten, die irgendwo anders Dinge tun, für die man nicht in jedem Falle unbedingt einen Priester braucht.
Doch nun zum konkreten Beispiel: Das Theater in Konstanz ist stolz darauf, für die Dauer von ganzen drei Monaten einen Priester an Land ge-
zogen zu haben, der eigentlich dort gar keine definierte Aufgabe hat. Im Grunde kann er in diesem Vierteljahr dort treiben, was er will, wie es auch der Bericht z.B. im "FOCUS" ausdrücklich bestätigt. ---> KLICKEN !
Der "Befreiungstheologe" Luis Zambrano Rojas ist Pfarrer irgendwo in Peru, aber ein weitgereister Mann, arbeitete schon als Professor und ist als theologischer Autor bekannt. Auch beim Katholikentag in Mannheim trat er mehrmals auf. Warum auch nicht?!

Aber wie man an diesem kleinen, aktuellen Beispiel sieht (ohne dem Mann persönlich zu nahe treten zu wollen!), ist bezüglich des Einsatzes von Pries-
tern an der Seelsorge-Front noch reichlich Luft nach oben...

Nähere Info über den Theater-Priester ---> KLICKEN !

Kommentare:

  1. Der geschilderte Einzelfall ist eigentlich keiner, sondern ein bekanntes
    Phänomen in der Kirche. In der Verwaltung, aber auch in der Leitung von
    Häusern, an den Universitäten und wer weiß wo sonst noch alles sind
    Hunderte von Priestern "zweckentfremdet" eingesetzt.
    In dem einen oder anderen Falle sind die allerdings so praxisfern, dass
    da vielleicht gerade mal zwei Kaplansjahre zustande kamen, bevor der
    Betreffende sich lieber aus den unerquicklichen Niederungen des Alltags
    abseilte.

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  2. Mit einer etwaigen Forderung "Alle Priester ab in den Einsatz an der
    pastoralen Front" würde man in Deutschland vermutlich wenig Begeisterung
    auslösen, denn schließlich verdanken wir dem künstlich hohen Priestermangel
    die zahlreichen Mitarbeiter im pastoralen Dienst.

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  3. Aus der aktuellen Statistik des Erzbistums Paderborn:

    Gesamtzahl der Priester: 995
    davon im Ruhestand: 381
    Priester im aktiven Dienst: 614, davon 462 in der Pfarrseelsorge

    Das bedeutet, daß 152 Priester NICHT in der Pfarrsselsorge tätig sind.
    Das sind kapp 1/4 der Priester im aktiven Dienst
    und rund 15% gemessen an der Gesamtpriesterzahl inkl. Ruheständlern

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  4. An dieser Stelle gibt es nun mal einen tiefgreifenden ekklesiologischen Untzerschied zwischen der kath. und der evang. Kirche. Während diese sich von "unten" her aufbaut und die Parochie, die Gemeinde als den eigentlichen sozietären Vollzug allen Kircheseins voraussetzt (daher das Wort "Parochus"=Pfarrer, das eigentlich ein protestantisches Wort ist und bei uns im Grunde fehl am Platz ist), ist dies in unserer Kirche bekanntlich grundlegend anders bzw. gegenteilig.
    Von daher ist der Dienst in der Gemeindepastoral (auch "Gemeinde" ist eigentlich ein protestantischer Terminus) nur eine, aber mitnichten die "eigentliche" oder Hauptform der Pastoral. Von daher war es immer schon so, daß ein viel höherer Prozentsatz als bei den Protestanten bei uns in der nichtparochialen Pastoral eingesetzt ist.

    Weshalb sollte dazu nicht auch ein Theater gehören? Auch dies gehört zu den Rändern, von denen der Papst gerne spricht. Es gibt Zirkus-Seelsorger, Schausteller-Seelsorger, Seemanns-Seelsorger etc.pp.

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  5. @ Christoph: interessanter Beitrag, dankeschön!

    Wenn man etwas spitzzüngig ist, könnte man sagen: Was der Priester und sogar "Erzbischof" Gänswein so macht den lieben langen Tag, hat mit Pastoral bei Licht besehen herzlich wenig zu tun. Morgens und Abends richtet er dem Altpapst die Kleider hin, bearbeitet zwischendurch dessen Post und schaltet ihm den Fernsehen ein, und ansonsten organisiert er die Staatsgäste des jetzigen Papstes. Dafür hat er eigentlich nicht Theologie studiert.

    Und dennoch würde keiner auf die Idee kommen, gemäß dem guten alten Motto "Stasi in die Produktion" zu fordern: "Gänsei in die Pastoral!" ...

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