Sonntag, 29. März 2015

"Christ & Welt" aktuell -- Oder: Wie man einen Artikel über "eine Straftat" verschwinden lässt...

Wenn ich mit einer Internet-Suchmaschine nach einem ganz aktuellen Artikel aus "Christ & Welt" recherchieren will, entdecke ich zwar (noch) obige Ergebnisanzeige bei "google", aber der Link führt dann ins Leere. "Keine news_id übergeben" werde ich beim Internetauftritt des katholi-
schen Magazins ohne jeden weiteren Hinweis, ohne jede Erklärung für die Löschung belehrt.
"Rien ne va plus" - nichts geht mehr, da wo vor zwei Tagen noch ein Ar-
tikel stand. Ganz klammheimlich ist der Text online aus Ausgabe 13/2015 verschwunden, der gleich auf der Startseite als "Debattenbeitrag" deklariert worden war. Darin schilderte eine "Katharina Liebermann" (Name geän-
dert) ganz detailliert, wie sie Tötung auf Verlangen praktiziert hat.
"Eine Straftat"
, wie man das verharmlosend bei "Christ & Welt" im Begleit-
text "Warum drucken wir das?" formulierte. Da wurde nämlich unter der Überschrift "Mama, gleich bist du erlöst" genauestens geschildert, wie man es zu zweit angestellt hat, die schwer leidende Mutter vom Leben zum Tod zu befördern.

Weiß jemand Genaueres darüber? - Ich habe (zumindest offiziell...) nur mitbekommen, dass sich einige im Internet zu Recht darüber sehr aufge-
regt haben. Ausgerechnet ein katholisches Magazin schildert ausführlich aktive Sterbehilfe...!

Ich finde es gut, dass dieser von bestimmten Leuten möglicherweise auch als "Anregung" auslegbare Text gelöscht wurde. Noch besser hätte ich es allerdings gefunden, wenn man eine Erklärung abgegeben und um Ent-
schuldigung für sowas gebeten hätte. Und am allerbesten wäre gewesen, wenn man bei "Christ & Welt" vorher etwas mehr nachgedacht hätte...
Wer da maßgeblich nachmitgeholfen hat, dass der unglückliche Beitrag verschwunden ist, weiß ich selbstverständlich auch nicht!

Kommentare:

  1. Ordinariatsgeschädigter29. März 2015 um 17:47

    Ich habe den Artikel in "Christ & Welt" im Original gelesen und fand ihn
    schlicht "unmöglich", und das gleich aus mehreren Gründen:
    Ausdrücklich geht es um einen "Tatsachenbericht", wie das Blatt formulierte,
    also keineswegs um ein Gedankenspiel, sondern um einen reale Tötung.
    Um über Sterbehilfe ("Debattenbeitrag") zu diskutieren, hätte es dieser
    krassen Schilderung nicht bedurft. Das riecht vielmehr nach Sensationsgier
    und Effekthascherei.
    Uns allen und auch der betreffenden Redaktion ist die katholische Haltung
    zur Frage der Sterbehilfe bekannt. Mit diesem Beitrag ausgerechnet von
    einer Redaktion und von einer Firma produziert, die zu 100 % der KNA
    (Katholische Nachrichtenagentur) gehört, istt ein starkes Stück!
    Redaktionssitz ist das von den deutschen Bischöfen gegründete Katholische Medienhaus in Bonn.
    Die Kirche hat sich stets gegen aktive "Sterbehilfe" ausgesprochen:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article132624538/Katholische-Kirche-lehnt-Sterbehilfe-deutlich-ab.html

    http://www.domradio.de/themen/ethik-und-moral/2015-03-06/experten-diskutieren-sterbehilfe

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  2. Von Peter Winnemöller gibt es einen Radio-Kommentar (Radio-Horeb)
    -> http://katholon.de/?p=8462
    (Dort auch als Podcast zum Download)

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    1. Ganz herzlichen Dank an den Leser
      und Blogger-Kollgegen Jürgen Niebecker
      für diesen tollen Linktipp zum aktuellen Thema.
      Habe mir den Podcast gerade mal angehört - echt stark,
      der Kommentar von Peter Winnemöller!

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  3. Die Redakteure von "Christ & Welt" sollten mal Nachhilfe darüber
    bekommen, dass man nicht so einfach was im Internet verschwinden
    lassen kann. Wenn der Beitrag weg ist, dann sind seine Spuren immer
    noch da, und er ist im google-cache nach wie vor im Original nachlesbar.

    Das demonstriert gerade ein Leser auf der "Facebook"-Seite von "kath.net",
    wo das auch Thema war. Man findet dort immer noch den direkten Link
    zum Originalartikel von "Christ & Welt" und kann sich so selbst ein
    Bild machen:
    https://www.facebook.com/Kath.Net

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  4. Diözesaner Bürohengst29. März 2015 um 19:26

    Dass die Redaktion zumindest im Nachhinein einsichtig war und den
    Beitrag deshalb löschte, ist die wohlmeinende Deutung.
    Es könnte aber auch sein, da man eine tatsächliche Tötung geschildert hat,
    dass die Redaktion oder die Täterin Angst vor der Staatsanwaltschaft
    bekommen hat...

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  5. Ich habe den Radiokommentar gerade gehört, den Ihr Leser
    Niedecker gerade empfohlen hat. Hier der Direkte Link:

    http://www.horeb.org/xyz/podcast/wochenkommentar/20150328woko.mp3

    Herr Winnemöller zeigt darin genau auf, wie weit weg "Christ und Welt"
    vom katholischen Standpunkt ist. Wir schicken nicht Menschen in den Tod,
    sondern wir begleiten sie, wenn nötig auch mit entsprechenden Schmerz-
    mitteln usw.
    Damit, dass der Artikel einfach gelöscht wurde, ist es nicht getan.
    Die Bischöfe sollten über weitere Konsequenzen nachdenken, auch solche
    personeller Art. Es ist ja nicht das erste Mal, dass so weit entfernt von
    der Kirchenlehre geschrieben wurde...

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  6. Schade,dass der Artikel nirgends mehr nachzulesen ist. Auf diese Art ist man auf die Meinung von Herrn Winnemöller angewiesen. Aber so ganz ernst nehmen kann ich manche Kommentare hier eigentlich nicht. Zum Beispiel diesen hier: "Wir schicken nicht Menschen in den Tod,
    sondern wir begleiten sie, wenn nötig auch mit entsprechenden Schmerz-
    mitteln usw..." Wenn Sie eine Ahnung davon kriegen wollen, wie das in naher Zukunft bei uns ablaufen wird, dann sollten Sie einmal eine onkologische Station in Griechenland besuchen. Fetanyl oder Buprenorphin gibt es nur mehr wenn Sie 150 Euro in Cash für jede Ampulle in voraus hinlegen können. Ansonsten müssen leiden wie ein Hund. So sieht es aus mit der humanden Sterbebegleitung und so wird es in Zukunft auch bei uns aussehen. Zumindest für jenes Drittel, das überhaupt kein Vermögen hat.

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    1. Hinweis für Herrn Ebner:
      Leserin "ZEITUNGSFRAU" hat freundlicherweise darauf hingewiesen,
      dass der Artikel immer noch online nachlesbar ist,
      z.B. beim Facebook-Auftritt von "kath.net".
      Dort finden Sie den Link von einem Leser präsentiert.

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  7. Danke Herr Dorn für den Link, ich hatte das übersehen.
    Nach gründlicher Lektüre - auch des zusätzlichen Kommentars - kann ich das Problem nicht erkennen. Im Artikel ist nirgends davon die Rede, dass die Redaktion das Handeln der Familie richtig findet. Es ist allerdings vertretbar darüber zu berichten, was Menschen dazu motiviert, eine solche Tat zu begehen. Die Beweggründe sind einfach interessant - vor allem deshalb da die Kirch ja versuchen sollte aktive und wirksame Hilfe anbieten will. Wie soll sie das wenn sie nicht weiß was in Menschen in solchen Situationen vorgeht. Es ist das gute Recht eines Mediums rein subjektive Berichte zu veröffentlichen OHNE diese extra zu kommentieren. Christ und Welt ist keine Parteizeitung, kein offizielles Mitteilungsorgan und kein Propagandamedium für irgendwelche Kreise sondern ein redaktionell unabhängiges Beilage-Blatt. Und das soll es auch bleiben.

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    1. Dankeschön, dass wenigstens Sie hier noch Vernunft bewahren und an Selbstverständliches erinnern.
      Die "konservativen Katholiken" wollen eine kirchliche Presse wie früher Prawda und Neues Deutschland. Da durfte auch nur erscheinen, was strikt mit der "Lehre der Kommunistischen Partei" übereinstimmte. Und wehe, wenn Abweichlerisches drinstand.

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