Montag, 16. März 2015

Tradi-Seite empört sich: Die Armen, die der Papst besuchte, besitzen sogar Handys...!

Ein Bild sagt bekanntlich
mehr als tausend Worte. Und so veröffentlichte gestern eine Internetseite, die häufig gegen Papst Franziskus schießt, auf ihrer "Facebook"-Seite ein vielsagendes Foto:
Der Papst ist da zu sehen, umringt von Bewohnern eines Slums in Rom (man schaue zum besseren Verständnis meinen früheren Artikel dazu ---> HIER !).
Etliche von denen zücken gerade ihr Foto-Handy, um den aufregenden und beglückenden Moment für sich im Bild festzuhalten.
Damit der Leser auch ja die vielen Smartphones entdeckt, wurden diese sogar per Foto-Bearbeitung auf der Tradi-Seite mit dicken roten Krei-
sen
markiert. Das also sind die "Armen", um die der Papst sich kümmert, soll das Foto signalisieren. Man schaue ---> HIER !
Liebe Mitchristen von "Amici della Tradizione Cattolica"!
Ich bin alles andere als ein Dauer-Jubler für diesen Papst. Aber was zu
weit geht, geht zu weit! - Sie kreiden diesen als Außenseiter und in einfa-
chen Verhältnissen lebenden Menschen also an, dass sie ein gutes Handy besitzen. So ein Teil kann man mit Vertrag teilweise unter 10 Euro im Mo-
nat bekommen; man muss es also nicht für 400 Euro kaufen. Finden Sie
es etwa ungehörig, dass arme Leute, evtl. Sozialhilfeempfänger, ein Mobil-
telefon besitzen? Dann wäre meine nächste Frage, was Sie denen denn so erlauben würden?
Ich bin jetzt 65 Jahre alt und habe in meinem Leben schon so allerhand erlebt. Im Rahmen meiner Ausbildung zum Lehrer habe ich auch ein zwei-
monatiges Praktikum in einer damals im Volksmund so genannten "Aso-
zialensiedlung"
gemacht, mit Schwerpunkt auf Hausaufgabenhilfe für Kinder. Da kommt man ins Gespräch, und man hört und sieht vieles.
Man erfährt auch, wie weh es manchen tut, als Außenseiter abgestem-
pelt zu sein mit nur geringen Aussichten, dem zu entrinnen. Bei der Schul-
anmeldung gehen mit schöner Regelmäßigkeit die Augenbrauen bei der Schulleitung hoch, wenn sie hören, aus welcher Straße ein Kind kommt...
Statussymbole haben da eine große Bedeutung. Man mag das nicht super finden, aber z.B. der Besitz eines modernen Handys soll auch so etwas wie ein Signal sein: Ich bin noch nicht ganz draußen, ich gehöre irgendwie doch noch dazu. -  Hätte ich mich über solche Anschaffungen bei diesen Mit-
menschen negativ geäußert, hätte mir meine Mutter garantiert gesagt: Junge, schäme dich!
Und was den jetzigen Papst betrifft: Ich finde es toll, dass er diese Leute besucht hat. Punkt.

Kommentare:

  1. Ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie verblendet und menschenfeindlich
    alle Ideologen sind, egal aus welcher Ecke sie kommen!
    Bezüglich Tradis kann ich mit einem persönlichen Erlebnis ähnlicher Art
    beitragen:
    Während meiner Dienstzeit als Küster kam einmal eine mir bekannte streng
    katholische Mutter 10 Minuten vor der Hl. Messe in die Sakristei. Sie wollte
    noch schnell auf Toilette, während Mann und 5 Kinder schon in den Bänken
    Platz genommen hatten.
    Ganz aufgeregt erzählte sie mir, sie hätten vor einer halben Stunde auf einer
    einsamen Waldstraße einen kleinen Wildunfall gehabt. Dem Auto sei gottlob
    kaum was passiert, aber das angefahrene Reh habe ordentlich was abgekriegt.
    Auf meine ahnungslose Frage, ob denn Polizei oder Jagdaufseher sich um
    das Tier gekümmert hätten, erwiderte mir die Mutter doch glatt:
    Leider hatten wir keine Zeit mehr, um die Polizei anzurufen. Die hätten bestimmt
    gesagt, wir sollten dort warten, und dann wären wir zu spät zur Heiligen Messe
    gekommen. Ein späterer Autofahrer wird sich schon darum kümmern...!
    Ich war sprachlos...

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    1. Das ist inzwischen auch verjährt: Ich kannte mal einen Kabarettisten, der einen Bauernhof besaß. Dem ist sowas auch mal passiert.
      Eine Woche später hat er alle sein Freunde zum "Wuidereressen" eingeladen. Hat gut geschmeckt das Reh!

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  2. Da jene Internetseite gegen den Papst agiert,
    ist die Zielrichtung des Angriffes eine andere: Schaut mal, die Armen,
    die Menschen am Rande, die Papst Franziskus so in sein Herz geschlossen hat,
    die haben das garnicht verdient. Die leben doch auf unsere Kosten in Saus und Braus.
    Und Papst Franziskus unterstützt die auch noch durch sein Erscheinen!

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    1. Richtig, die Kommentare zu dem Bild auf dieser Facebookseite sind jdfs. praktisch alle ausländerfeindlich. Sie kreiden dem Papst an, er wolle die "Flüchtlinge" ins Haus (also nach Italien) holen, wo sie "uns" die Lebensgrundlagen wegnehmen, und tue nichts dafür, sie in ihre eigenen Häuser zurückzuschieben. Auch heißt es, die Handy seien sowieso alle geklaut.

      Ein Priester unter den Kommentatoren stellt allerdings richtig, dass es sich bei den Bewohnern dieser Siedlung gar nicht um klassische Flüchtlinge (also Leute, die über das Mittelmeer nach Italien kommen) handelt, sondern um Lateinamerikaner (was auch die besondere Nähe zum Papst erklärt). Die sind aber bei den anderen Kommentatoren gleichermaßen unbeliebt.

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  3. Die Hintergrundinformationen von "Jorge" haben mich zusätz-
    lich geschockt. Und solche Leute nennen sich katholisch.
    Pardon, aber mir wird gerade übel!

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    1. Ja, solche Leute nennen sich katholisch - und beanspruchen, dieses Prädikat zu Recht und exklusiv zu tragen gegenüber den ca. 95% Katholiken, die das in ihren Augen gar nicht sind.
      So ist das bei den papsthassenden Tradis.

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  4. Hallo Herr Dorn
    so eine Überraschung, von Ihren erfrischenden Schreibstil her hätte ich Sie für einen Mittvierziger gehalten! Sind Sie eigentlich Pfarrer, wenn die Frage gestattet ist?

    Zur Sache: gerade "Slums" (eigentlich eine Schande für eine europäische Stadt) sind normalerweise schlecht erschlossen, und Handys damit die einzige Möglichkeit einer Verbindung nach draussen. Also selbstverständlich.

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    1. Jill, Sie kennen das sicher auch: Manche sind mit 20 schon älter als
      ein Rentner...
      Pfarrer bin ich nicht, aber ich habe in meinem Leben schon so allerhand
      gemacht. Das sorgt für geistige Fitness. Einige Beispiele: Fabrikarbeiter
      am Fließband, Filmvorführer im Kino, freier Presse-Mitarbeiter, Mitarbeiter
      in der Bundesebene einer großen politischen Partei, Lehrer (Schwerpunkte
      Kath. Religion, Politik, Grundschule), ehrenamtlich PGR-Vorsitzender,
      Küster... und was weiß ich noch alles. Zur Zeit bin ich unter anderem
      täglich "Babysitter" und Koch für 1 - 3 Enkelkinder ...

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  5. ah, so eine Vielseitigkeit erklärt auch Ihren ausgewogegen Realismus! Und die Enkelkinder sind natürlich das Sahnehäubchen darauf.

    An Pfarrer dachte ich nur wegen den Predigten zum Sonntag - nicht dass sich noch ein Tradi darüber beschwert, dass hier Laien predigen ...
    viel Spaß weiterhin!

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    1. Vielen Dank, Jill, für die "Blumen"...
      Keine Angst, ich darf und will nicht in der Kirche predigen. Aber formulieren darf
      das durchaus jeder Laie, da spricht nichts dagegen. Mein Angebot wird auch von Priestern sehr gut angenommen; es gibt Predigten mit mehr als 6.000 Zugriffen.

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