Samstag, 25. April 2015

Ein verrückter Altar in der Brixener Pfarrkirche St. Michael? - Einspruch des Bischofs!

Wie der Volksmund so schön sagt: Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich: Für die Pfarrkirche St. Michael in der Südtiroler Stadt Brixen laufen seit etwa einem Jahr umfangreiche Renovierungs-
arbeiten.
Für die Umgestaltung des großen Altarraumes war ein Wettbewerb ausgeschrieben worden, den der Bildhauer Lois Anvidal-
farei
gewann.
Sein Entwurf ist nach seinen Worten eine "vorsichtige Neuinterpretation zwischen Altar, Ambo und Priestersitz".
Schaut man genauer hin, entdeckt man allerdings, dass nach diesem Konzept der Altar aus der Mitte des Altarraumes verbannt wird, damit Ambo und Altar gleichwertig nebeneinander stehen. Vom Pfarrgemeinde-
rat über den Dekan bis zu einem Kirchenraum-Experten und Professor der Privatuniversität Linz waren, wenn man örtlichen Nachrichten glauben darf, alle damit zufrieden. Bericht mit Fotos des geplanten Altarraumes:
---> KLICKEN !

Dann aber wurde der preisgekrönte Entwurf dem zuständigen Bischof der Diözese Bozen-Brixen vorgelegt, und der reagierte ganz anders als erwar-
tet: Bischof Ivo Muser (---> HIER !) erhob dagegen Einspruch.
Der Altar gehöre in die Mitte; so sähen die Richtlinien es vor. Da half es auch nichts, dass der Künstler darauf verwies, dass er ein solches Kon-
zept anderswo schon problemlos verwirklicht habe. Wie die veröffentlich-
te Stimmungslage ist, kann man anhand der Schlagzeile "Der Altar des Bischofs" erahnen. Doch der Bischof bleibt offensichtlich hart.
Nun kenne ich aus der Ferne beileibe nicht alle Details des Konfliktes,
aber ich wundere mich doch ein wenig: So kann doch jeder im "MISSALE ROMANUM" mühelos nachlesen (Nr. 299), dass "der Altar so aufzustel-
len ist, dass er wahrhaft den Mittelpunkt bildet..." 
- Als pdf-Datei nach-
lesbar ---> HIER !
Auch bei fast jeder Kirchenführung kann man das korrekterweise so erfahren, so z.B. ---> HIER !
Insofern bin ich erst einmal perplex, warum man den umstrittenen Entwurf vor Ort überhaupt zum Wettbewerbssieger erklären konnte...

Kommentare:

  1. Tja, wenn dann doch mal einer der Bischöfe den Mut zum Einspruch hat,
    dann ist der Künstler verblüfft und versteht die Welt nicht mehr.
    Wie man an diesem Beispiel sieht: Wenn alle Bischöfe als Letztverantwortliche
    in ihrer Diözese gemäß den Vorschriften handeln würden, blieben uns so
    manche unnötigen Debatten und Ideen von vorneherein erspart !

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  2. Ist das nicht eine etwas engstirnige Auslegung der Vorschriften?
    Mittelpunkt und gut sichtbar ist der geplante Altar doch auch!
    Die bischöflichen Muskelspiele waren m.E. sachlich eher entbehrlich...

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  3. Ihre Überschrift ist ja clever: Ein verrückter Altar!.
    Teekesselchen.

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  4. Semper Catholicus25. April 2015 um 11:56

    Ein weiteres Beispiel für die heimtückische Protestantisierung der Hl. Kirche, welche in diesem Falle wenigstens mal durch einen Bischof vereitelt werden konnte, der katholischer ist als seine deutschen "Brüder".
    Der Altar als Ort, an dem die unblutige Wiederholung des Sühnopfers sich vollzieht, muss immer Vorrang haben vor dem Ambo, wo die Laien sich gerne tummeln und die "Predigt" gehalten wird, welche eigentlich etwas Protestantisches ist - und leider ein Ort, an dem jede Menge Irrlehren unters Volk geträufelt werden.

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