Mittwoch, 29. April 2015

Laienpredigt im Hochschul-Gottesdienst? - Dürfen Priesterstudenten in St. Georgen das?

Das Thema "Laienpredigt" ist bekanntlich ein Dauer-
brenner und ein wenig kom-
pliziert: Wie "katholisch.de" in einem Artikel vom Januar 2015 deutlich machte, muss man schon differenzieren und nicht Äpfel mit Birnen ver-
gleichen. ---> HIER !
Die Homilie in der Heiligen Messe (es geht also ausdrück-
lich nicht um einen Wortgot-
tesdienst) ist also ganz klar Sache des Priesters. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass hier und da gegen diese unmissver-
ständliche Regelung verstoßen wird. Man lese z.B. die Nummern 64 bis
66 der Instruktion "Redemptionis sacramentum"... ---> HIER !

Auch Canon 766 lässt da keinen erkennbaren Interpretationsspielraum ---> HIER !
Eventuell kann ein Laie aber z.B. eine vom Priester vorbereitete Predigt verlesen. ---> HIER !

Ich habe es selbst auch schon miterlebt, wie einem Priester aufgrund der persönlichen Betroffenheit beim Trauergottesdienst für einen Familien-
angehörigen plötzlich vor Rührung die Stimme versagte und ein Lektor nach entsprechenden Zeichen des Priesters vorlesend einsprang.

Wir haben aber eine weltweit geltende Richtlinie, nach der es auch den Priesterstudenten (Alumnen) nicht gestattet ist, in einer Heiligen Messe zu predigen. Das ist gewiss nicht immer leicht einsehbar, zumal die-
se im Rahmen ihrer Ausbildung entsprechende Predigt-Übungen leisten müssen.
Von daher habe ich ein gewisses Verständnis für Überlegungen, wie sie der Rektor der Hochschule St. Georgen vor vier Wochen zu Beginn des Som-
mersemesters 2015 in einer Rundmail an alle Studierenden verschickt hat. Andererseits weiß ich auch und habe es bei einem Bekannten mitleidend erlebt: Man mag einen (vermeintlich) guten Grund haben, eine rote Ampel zu überfahren - von der Polizei geduldet wird es aber auch dann nicht.

Das Portal "kath.net" hat heute die betreffende Mail von Rektor P. Ansgar Wucherpfennig SJ in einem Artikel zitiert und hat mit seiner Kritik sicher prinzipiell recht. ---> HIER !
Es kann meiner Meinung nach aufgrund der Rechtslage nicht sein, wenn tatsächlich Studierende in der Heiligen Messe die Predigt halten. Auf mei-
ne Anfrage hin hat mir Prof. Dr. Wucherpfennig freundlicherweise den Originaltext seiner Mail zukommen lassen; ich kann seine Anfrage durch-
aus nachvollziehen. Ich sehe auch durchaus einen gewissen Unterschied zwischen einer internen Heiligen Messe in der Hochschule und einer sonntäglichen Eucharistiefeier.

Aber tut man sich, den Studenten und der Kirche wirklich einen Gefallen, wenn man bindende Vorschriften offenbar aushebeln will? - Wäre es da nicht sinnvoller, die Studenten z.B. in einem Wortgottesdienst zu Wort kommen zu lassen?
Ja, ja, ich weiß, andere machen es mehr oder heimlich und verbotener-
weise auch. Aber darf das für eine Stätte der Priesterausbildung ein Maßstab sein?

Das fragt ein etwas ratloser Kreuzknappe...

Kommentare:

  1. Sorry, aber bei "kath.net" habe ich schnell das Gefühl,
    dass da mal wieder eine Kampagne gegen die deutsche Kirche
    gebastelt werden soll. Aber immerhin fehlt diesmal erstaunlicherweise
    eine E-Mail-Adresse, wo Leser sich beschweren können...
    Ihr Artikel ist sachlich und dennoch mitfühlend, denn die Lage ist
    in der Tat schon ein wenig absurd. Man stelle sich etwa Lehrerstudenten
    vor, die aber selber noch keine Probestunde unterrichten dürften.
    Es gibt ganz sicher sehr gute Gründe, warum man in Rom so
    strikt reagiert hat. Aber vielleicht ist es eben doch gut, dass hier
    ein mit dem Ausbildungsalltag sehr vertrauter Jesuit mal einen Anstoß
    zum Nachdenken gibt.
    Und mehr ist es momentan ja nicht, denn bis jetzt hat noch kein
    einziger Gottesdienst mit Alumnen-Predigt stattgefunden.
    Insofern ein Sturm im Wasserglas!

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    1. Die Studenten dürfen außerhalb der Eucharistiefeier so viel predigen wie sie wollen. Das können sie in der Vesper machen, in Wortgottesdiensten, in Wort-Gottes-Feiern usw.
      Allein die Homilie ist den geweihten Amtsträgen vorbehalten.

      Ob ein Gottesdienst der rechte Ort und eine überhaupt eine gute Übungsplattform ist kann schon angezweifelt werden.
      Üben kann man auch und besser durch Predigen vor anderen Studenten im Seminarraum – mit Videoaufzeichnung, Nachbesprechung etc. etc.

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  2. Diözesaner Bürohengst29. April 2015 um 19:34

    Wie der Kreuzknappe schon fragt und Leser Niebecker bestätigt:
    Ein Wortgottesdienst wäre der richtigere Ort gewesen.
    Aber bisher ist ja übrigens noch überhaupt nichts "passiert",
    der Professor regt bislang lediglich zur Diskussion an.
    Im übrigen kann man die "Bedeutung" des Problems auch daran er-
    messen, dass diese Mail an Hunderte von Leuten zur Kenntnis ging,
    und mehrere Wochen überhaupt nichts daran kritisiert wurde,
    bis "kath.net" das Thema heute ausgrub...

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  3. Ich habe Herrn Pater Prof. Dr. Wucherpfennig mal in einer Ver-
    anstaltung erlebt. Meiner Meinung nach ein frommer Mann, kein
    Revoluzzer. Man sollte sein Anliegen nicht nach Aktenlage abtun.

    Wer ihn mal (im Video) sehen will:
    https://www.youtube.com/watch?v=i0uodu_xz4U

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  4. Ich bin zwar kein Kirchenjurist,
    aber nach meiner Meinung und nach Lektüre der verlinkten Quellen
    scheint mir die strikte Regelung des Vatikans auf Gemeindegottesdienste
    zu zielen, und eher nicht auf diesen Spezialfall einer Heiligen Messe
    im internen Kreis.
    Manchmal, wenn ich solche Paragraphen-Reiterei lese (bei der Nutzung
    eines fremden Fotos aus einem Bistum war "kath.net" nicht so auf
    Paragraphen bedacht), denke ich mir nur: O Mann, eure Sorgen möchte
    ich haben...!
    Ich arbeite im Pflegedienst in Wechselschicht mit extremem Personal-
    mangel und unter schwierigen Verhältnissen und bin froh, wenn ich
    überhaupt eine Hl. Messe besuchen kann.

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  5. Es ist doch ganz einfach, die Regelung muss geändert werden, sie ist mit der Bibel unvereinbar.

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