Montag, 20. April 2015

Nicht homosexuell? - Weiter Rätselraten über Laurent Stefanini als Botschafter beim Vatikan

Vor zehn Tagen schrieb ich schon über die seltsam-geheim-
nisvolle Geschichte: Der von der französischen Regierung vorgeschlagene neue Botschaf-
ter beim Heiligen Stuhl gilt als homosexuell. Seit Wochen war-
ten die Medien auf Nachrich-
ten, so oder so:
Bekommt Laurent Stefanini nun den Job oder nicht?   Hat Papst Franziskus persönlich sein Veto ein-
gelegt?   Steht ihm womöglich eine Glaubwürdigkeitskrise bevor und weiß er nicht, wie er aus dieser Nummer rauskommen kann? ---> KLICKEN !
Die derzeitige Ruhe an der Gerüchtefront dürfte trügerisch sein. Hinter den Kulissen wird spekuliert, gekungelt, beraten, Druck ausgeübt...
Frankreich hat vor ein paar Tagen ganz unverhohlen erklärt, man halte an diesem Personalvorschlag fest, denn der Kandidat sei mit seiner langen diplomatischen Erfahrung und seiner unaufdringlichen Art eindeutig der beste Mann für diesen Posten.

Der Vatikan hüllt sich trotz eingetretener Vakanz auf dieser Position weiter in ein Schweigen, von dem gesagt wird, dass es Bände spricht. 
Man kann sogar inzwischen lesen, dass die Europäische Union ein Auge auf den sensiblen Fall geworfen hat. Angeblich dürfe auch der Heilige Stuhl aus Brüsseler Sicht nicht gegen die Anti-Diskriminierungs-Richtlinien verstos-
sen, und so übe man über gewisse informelle Kanäle Druck auf Rom aus. ---> HIER !
So verrinnt die Zeit, und die Lage wird für den Papst wohl kaum angeneh-
mer. Doch schon gibt es neue Spekulationen: Das mit der Homosexualität des Kandidaten sei vermutlich dummes Zeug, berichtete das amerikanische Portal "LifeSiteNews":   Stefanini sei vor 20 Jahren zur katholischen Kir-
che konvertiert und seitdem praktizierender Katholik, der  regelmäßig die Messe besuche.  Er habe sich niemals für die Rechte von Homosexuellen stark gemacht und sich auch nie zu diesem Thema geäußert. Man habe auch Anhaltspunkte dafür, dass dieser möglicherweise überhaupt  nicht schwul sei. Das Ganze sei nur eine miese Kampagne gegen den Papst und Kirche. ---> HIER !
Naja, das dürfte wohl nach allem, was sich bisher in Rom so auffallend nicht getan hat, etwas weit hergeholt sein, finde ich. Es bleibt jedenfalls spannend: Wann kommt aus Rom endlich ein klares Signal?

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                             Den Direktlink zu diesem Video gibt's ---> HIER !

Kommentare:

  1. Ob er schwul ist oder nicht, ist sogar nach dem Katechismus für die Kirche so interessant wie der Wetterbericht. Entscheidend ist allein, ob er ein guter Diplomat ist. Und gut is.

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    1. Wenn dem so wäre: Wie erklären Sie denn dann die auffallende
      Verzögerung bzw. das Schweigen?
      Es ist doch klar, dass von jedem Diplomaten beim Heiligen Stuhl
      erwartet wird, die katholische Lehre zu beachten.

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    2. Mir ist nicht bekannt, dass die katholische Lehre eine homosexuelle Neigung verurteilt. Und so rechtsstaatlich wird hoffentlich auch die Kurie noch ticken, daß sie nicht unterstellt, daß der Botschafter in spe diese Neigung auch auslebt. Oder hat sie ihn mit einem Partner im Bett erwischt?? So lange nicht, gilt auch hier die "Unschuldsvermutung". Alles andere wäre zu Recht skandalös.

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    3. @ Myonarius: dann hätte man beim Heligen Stuhl aber zehn Mal eher als den Herrn Stefanini die Frau Schavan ablehnen müssen, wenn da Kriterium ist, die Katholische Lehre zu beachten...

      Ich bezweifle übrigens, dass dies von den Diplomaten am Heiligen Stuhl "erwartet" wird. Gab es doch schon mehrfach protestantische deutsche Botschafter beim Vatikan. Von denen kann dieses bekanntlich nicht erwartet werden :-) Den Vatikan hat's nicht gestört.

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  2. Wie ich andernorts schon mal geschrieben habe:
    Immerhin heißt es ausdrücklich im Katechismus,
    die Gläubigen sollten Homosexuellen "mit Achtung...und Takt
    begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht
    zurückzusetzen."
    Der Katechismus gilt auch für den Papst!
    So lange Herr Stefanini wegen seiner Neigung nicht "auffällig" wird,
    sollte man ihn beim Heiligen Stuhl akzeptieren.

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    1. Unterschlagen Sie das "Mitleid" nicht - darf ruhig jeder wissen, wie bösartig und herabwürdigend in der katholischen Leere mit Homosexuellen umgegangen wird.

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  3. Botschafter eines Landes beim Heiligen Stuhl können durchaus evangelisch sein,
    aber man erwartet trotzdem von ihnen, dass sie katholische Standards respektieren.
    Was glauben Sie wohl, was passieren würde, wenn ein Land versuchen würde,
    einen aktiven Homosexuellen in Rußland als Botschafter anzumelden...?!
    Und wer sich z.B. öffentlich negativ über den Islam geäußert hat, kommt als
    Botschafter-Kandidat in der Türkei nicht in Frage.
    Es gibt gewisse Spielregeln. Beim Fußballspielen wird auch niemand
    zugelassen, der die Regeln ständig missachtet.

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    1. Der Leser "Ortwin" hat oben schon richtigerweise darauf verwiesen, daß der Vatikan keinen Beweis haben dürfte, dass der Herr Stefanini ein "aktiver" Homosexueller ist. Also soll er es ihm auch nicht unterstellen ohne Beweis. Das würde jedem rechtsstaatlichen Empfinden Hohn sprechen.

      Den Vergleich mit Russland, wo die Regierung Homosexuelle gewaltsam verfolgen ud diskriminieren läßt, ist geschmacklos. Auch wenn Diktator Putin offenbar ein Held der Blogozese ist.

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  4. Ordinariatsgeschädigter20. April 2015 um 19:36

    Entschuldigen Sie bitte meine Deutlichkeit,
    aber ich bin gerade etwas genervt, weil ich den Eindruck habe,
    in diesem und in anderen katholischen Blogs reden manche Leser-
    kommentatoren wie die sprichwörtlichen Blinden von der Farbe.
    Bislang ist doch alles Spekulation, was diesen Fall betrifft.
    Sicher ist jedoch, dass jedes Land, egal ob Russland, China oder der
    Vatikan (genauer: Heiliger Stuhl) selbst nach eigenem Ermessen ent-
    scheiden kann, wen es als Botschafter eines fremden Landes akzeptiert
    und wen nicht. So ist es international Usus, und bevor ein Kandidat
    offiziell benannt wird, laufen längst interne Kontakte, ob er auch genehm ist,
    um beiden Seiten eine Blamage zu ersparen.
    Dass dies offenbar im Falle Stefanini etwas anders gelaufen ist, könnte
    auch mit der französischen Haltung der Kirche gegenüber zu tun haben.
    Jedenfalls spricht die extrem lange Wartezeit bis zur Ernnenung dafür,
    dass der Vatikan sich sehr auf die Füße getreten fühlt, und das wohl kaum,
    weil der Kandidat das falsche Rasierwasser benutzt.
    Aus Erfahrung darf man davon ausgehen, dass man im Vatikan wesentlich
    mehr über den Kandidaten weiß, als man öffentlich hinausposaunen möchte.

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    1. "Dass dies offenbar im Falle Stefanini etwas anders gelaufen ist, könnte
      auch mit der französischen Haltung der Kirche gegenüber zu tun haben."

      Wie genau sieht denn diese Haltung aus? Oder geht es nur darum, dass in Frankreich Staat und Kirche konsequent getrennt sind?

      Was unterschlagen wird, ist die Tatsache, das sich sogar der 23, seines Zeichens Chefhomophober der katholischen Kirche in Frankreich, für Stefanini eingesetzt hat.

      In letzter Zeit sind eh überall schlag-den-Homo-Wochen, was ich in der Fülle auch noch nicht erlebt habe. Von der Synode verspreche ich mir eh nichts mehr, aber es ist ermutigend, zu sehen, dass sich immer mehr Menschen von so einer Kirche abwenden.

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    2. Sie haben Reht, dankeschön für die klare Stelllungsnahme. Nur Ihren letzten Satz kann ich gar nicht teilen. "Dass immer mehr Menschen sich von so einer Kirche abwenden", ist genau das, was die homophoben Rechtskatholiken erreichen wollen. Die sind über jeden Ausgetretenen froh, weil er sie ihrem Kirchenbild des kleinen reinen Heiligen Rests näher bringt. Die verachten die missionarische Volkskirche. Keine gute Entwicklung.

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