Sonntag, 30. August 2015

"Papstbrief" an lesbische Autorin: Die Tradis sind sich uneins bezüglich der Deutung...

Vorgestern schilderte ich den Wirbel um eine lesbische Autorin und eine Ungeschicklich-
keit im vatikanischen Staatssekretariat mit offenbar weitreichenden medialen Nach-
wehen. ---> HIER !
Gestern kam das Thema dann auch schon in den meisten deutschen Zeitungen an, und auch etliche Blogger bzw. Internetseiten grif-
fen gerne nach dem Stoff. Man müsste mal eine Sammlung aller Artikel darüber anle-
gen; es ließe sich wahrscheinlich eine Dok-
torarbeit über Formulierungen und Denk-
muster in den Medien daraus fabrizieren.
So manche Schlagzeile unterstellt, der Papst selbst habe den Antwortbrief formuliert.
Doch auch die katholischen Tradis sind sich diesmal in der Deutung des Falles nicht wirklich einig. Peter Helmes schreibt dazu in seinem Blog "Conservo" und kommt in der zweiten Hälfte seines Artikels zur Sache: Damit das schon mal klar ist - "gläubige Katholiken sind entsetzt". - Sollten Sie, liebe Leser, über die Reaktion aus dem Vatikan also nicht entsetzt sein, sind Sie höchstwahrscheinlich gar nicht katholisch!
Vom "Papst"  kämen nur gute Wünsche an die Autorin für ihre weiteren Aktivitäten; "das macht fassungslos"
Dann zitiert er ganz ausführlich einen Artikel des "Civitas-Institutes", wo man auch so tut, als glaube man, das Antwortschreiben stamme vom Papst selbst ("und darauf antwortet der Papst"). Außerdem ist die nachge-
schobene Stellungnahme nach der ersten missverständlichen Antwort so-
wieso nur "Heuchelei", weil er die Homo-Propaganda in seiner Stellung-
nahme "noch nicht einmal angesprochen" habe.
Dann geht's auch schon ziemlich abwärts, unter die verbale Gürtellinie: 
"Es ist nicht ganz klar, ob das unter den klinischen Begriff der Schizo-
phrenie
fällt, und irgend wie ist das auch vollkommen egal. Sicher ist,
daß dieser Papst, der nicht ein einziges Wort der Unterstützung für den beeindruckenden Family Day fand, sich ganz offen auf die Seite der Verderber gestellt hat..."                                                                                            
Auch den Hinweis, dass der beanstandete Antwortbrief nicht vom Papst, sondern von einem Assessor im Staatssekretariat verfasst wurde, lässt das Civitas-Institut und damit Helmes nicht gelten. Da der Mann nicht raus-
geworfen
werde, heiße das, "daß man ihm nichts vorwirft".  -  Es ist also alles ganz einfach: Hat ein Mitarbeiter einen Fehler gemacht, wirft man
ihn einfach raus, kündigt man ihm fristlos. Angesichts solcher vielleicht
gar existenzgefährdender unchristlicher Maßnahmen sind dann offenbar "gläubige Katholiken" nicht entsetzt... ---> HIER !
Anders dagegen das Tradi-Portal "katholisches.info".
Hier macht man sich (für mich erstaunlicherweise) die Mühe, den voll-
ständigen Wortlaut der Erklärung des Vize-Direktors des vatikanischen Presseamtes wiederzugeben. Das allein ist schon klärend.
Vertiefend wird dann z.B. darauf hingewiesen, dass jener gescholtene Assessor jährlich Zehntausende von Schreiben solcher Art verschickt.
Es war im Grunde eine Ungeschicklichkeit, nicht mehr.

"katholisches.info" als Quasi-Verteidiger des Vatikans. Auch nicht schlecht... ---> HIER !
Artikel über den "Family Day" ---> HIER !

Kommentare:

  1. Wer den Blog "Conservo" öfter liest, wundert sich
    eher wenig. Aufschlussreich, dass der Blogger gemeinsam
    mit dem Civitas-Institut solche Erklärungen, die ihnen nicht
    passen, gleich in die Nähe von Schizophrenie rücken.
    Erschreckend auch, dass man den Rausschmiss des
    vatikanischen Briefeschreibers erwartet.
    Ist das nicht die Methode, die man den Linken so gerne
    vorwirft: Wer nicht meiner Meinung ist, wird kaltgestellt...?!

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  2. Enttäuschter Leser30. August 2015 um 19:39

    Was ist los mit Ihnen, Kreuzknappe?
    Erst der Angriff auf den Penseur, kurz danach nun diese
    Attacke auf Conservo.
    Darf man mal vorsichtig fragen, ob Sie zu den Linksgrünen
    desertiert sind?
    Ich überlege ernsthaft, ob ich mir Ihren Blog noch länger
    antun soll!

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    1. Ich bedaure, wenn Sie enttäuscht sind.
      Darf ich Sie einladen, sich einmal die Mühe zu machen,
      z.B. die letzten 30 Artikel in meinem Blog durchzusehen?
      Sie werden dann feststellen, dass ich Kritik übe,
      wo ich diese für angebracht halte.
      Das kann auch schon mal ein Tradi-Blogger sein.
      Andernfalls hätte man mir vielleicht vorgeworfen, ich sei
      auf einem Auge blind...
      Aber danke für Ihre ehrliche Meinung.

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    2. Ach ja – das CIVITAS-Institut und seine Zeitschrift. In der hat mal Pater Schmidberger von den Piusbruderschaft (ist oder war zumindest „geistlicher Berater“ von CIVITAS) seine Vorstellungen von einer „christliche Gesellschaftsordnung in heutiger Zeit“ dargelegt. Da ist wirklich alles drin, was ein Christenherz nur so begehren kann, von Männerherrschaft, sittlich gereiften Christenmännern statt Parteiendemokraten, Erbmonarchie über Todesstrafe und Freimaurerverbot bis hin zum Verbot der zivilen Ehescheidung sowie „falscher Kulte“ und dem Wunsch nach Unternehmern, die mit ihren Untergebenen allmorgendlich Herz-Jesu-Andachten veranstalten. Ein paar Zitate:


      „Die Gewalt in Staat und Gesellschaft geht nicht vom Volk, von der Basis aus sondern von Gott … folglich bezeichnet das Volk in Wahlen allein diejenigen, die es regieren sollen, verleiht ihnen aber nicht die Autorität;

      Entspricht der heutige Grundsatz „jeder Wahlberechtigte hat ein
      und dieselbe Stimme“ (one man one vote) wirklich der Naturordnung?
      Ein Familienvater hat mehr Verantwortung und normalerweise
      auch eine tiefere Einsicht in das Wohl der Gesellschaft als
      sein eben volljährig gewordener Sohn … Würde nicht ein wesentlich auf die Familienoberhäupter abgestütztes Wahlrecht der Familie als Zelle der Gesellschaft eine ganz andere Stellung verleihen?

      Darüber hinaus kann man sich fragen, ob die Parteien wirklich
      zum Wohl eines Volkes seien oder nicht vielmehr zu dessen Spaltung
      beitragen. Könnten nicht an ihre Stelle jene christlichen Männer
      treten, die sich durch sittliche Reife und Lebenserfahrung, durch
      Gerechtigkeitssinn und Sorge um das Gemeinwohl auszeichneten?

      Eine christliche Gesellschaftsordnung anerkennt auf zivilem Gebiet
      selbstverständlich die Eheschließung vor der Kirche, sie kennt
      insbesondere keine zivile Ehescheidung. Folglich sagt sie dem Konkubinat wie auch den vorehelichen und außerehelichen Beziehungen den Kampf an. Sie unterbindet den Vertrieb von empfängnisverhütenden Mitteln.
      Ebenso verbannt sie Gotteslästerung, Homosexualität und Pornographie
      aus dem öffentlichen Leben; sie bestraft die Abtreibung und verwirft die Euthanasie wie die Drogen. Auch schließt sie Freimaurerlogen
      und verbietet Geheimgesellschaften.

      Da es nur eine wahre, von Gott gestiftete Religion gibt, verbietet
      sie falsche Religionen und Kulte oder duldet diese allenfalls nach
      den Grundsätzen der Klugheit, ohne ihnen jemals ein Naturrecht auf
      Existenz zuzugestehen.

      Der christliche Staat schützt und fördert die Familie, insbesondere
      die kinderreiche; er unterstützt das Schul- und Erziehungswesen,
      das primär in der Hand der Eltern und der Kirche liegt.

      Die Strafe hat zunächst einen vindikativen (rächenden) Charakter … Die Todesstrafe für Schwerverbrecher (Mord, Drogenhandel)
      trägt diesen rächenden Charakter in sich und führt viele Schuldige
      nach dem Zeugnis von Gefängnisseelsorgern zur Bekehrung. Sie ist
      darüber hinaus ein wichtiges Mittel der Abschreckung.

      Die Unternehmer sind allemal Väter Ihrer Arbeiter. Sie haben
      diesen nicht nur den gerechten Lohn zu bezahlen, sondern sind auch
      geistig, ja sogar geistlich mitverantwortlich für diese. Sie haben also
      mit Sorge zu tragen für deren Familien und ihnen bezüglich Meßbesuch
      und Sakramentenempfang das gute Beispiel zu geben. Wäre es
      darüber hinaus nicht sinnvoll, wenn ein christlicher Unternehmer
      sich am Morgen zu Arbeitsbeginn mit seinen Angestellten vor dem
      Bildnis des gekreuzigten Herrn oder des heiligsten Herzens Jesu
      versammelte, um Arbeit und Mühe des Tages Gott aufzuopfern und
      Seinen Segen auf das Werk herabzurufen?

      Die Landflucht und das Gedränge in den Großstädten mit ihren Wohnsilos ohne Kinderspielplätze und ohne Kontakt zur Schöpfung des lieben Gottes sind nicht ein Segen, sondern ein Fluch.“

      http://www.civitas-institut.de/index.php?option=com_rokdownloads&view=file&task=download&id=5:civitas-heft-1-2007

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  3. Bei Peter Helmes´ Ausführungen weiß man nicht, ob man lachen oder sich gruseln soll.
    Vor der hemmungslosen Selbstgerechtigkeit, Verdrehtheit und Bigotterie prallt man zurück.

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  4. Naja, immerhin mal ein kritischer Beitrag zu Conservo und Konsorten...

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