Dienstag, 29. September 2015

Interpretations-Akrobatik: Papst Franziskus stellt sich hinter US-Standesbeamtin Kim Davis

Mit Papst-Interviews ist das immer so eine Sache. Aus ungenauen, unvollständigen Formulierungen kann man manches herauslesen und -deuten. So auch die fliegende Pressekonferenz auf dem Rückflug aus den USA nach Rom.
Einige Medien wissen es ganz genau: Papst Franziskus stellt sich hinter Kim Davis! - Für weniger Infor-
mierte finden Sie meine früheren Artikel und interessante Leserzuschriften über die Standes-
beamtin ---> HIER und HIER !
Nun wurde der Papst auch von einem Journalisten gefragt, ob er "diese Art" von Ansprüchen der Gewissensfreiheit unterstütze. Gestern verwies ich schon auf "kathpress", wo man die Zusammenfassung nachlesen kann. ---> HIER !
Schaut man dagegen auf die englische wörtliche Zusammenfassung, wird schnell klar, dass die päpstliche Rückendeckung für Kim Davis nicht so weitreichend ist, wie man das gerne ausdeutet.

Terry Moran von "ABC News" hatte den Papst auf den Fall angespro-
chen und wollte wissen, ob der Papst auch Regierungsbeamten so viel Ge-
wissensfreiheit zubillige, keine Heiratsurkunden an gleichgeschlechtliche Paare auszustellen.
Der Papst antwortete zuerst ausholend und ausweichend und verwies auf die Gewissensentscheidung zur Kriegsdienstverweigerung; das sei ein Menschenrecht. Die Gewissensentscheidung sei zu achten, von jedem Ge-
richt anzuerkennen.
Der Journalist ließ nicht locker und hakte nach, ob das also auch auf Regierungsbeamte zuträfe. Der Papst kurz und knapp: "Es ist ein Men-
schenrecht, und wenn ein Regierungsbeamter ein Mensch ist, dann hat auch er dieses Menschenrecht"
.  

Das war's auch schon! - Also kein Eingehen des Papstes auf die Fein-
heiten dieses Falles, sondern nur die prinzipielle Aussage: Ja, auch einem Reigerungsbeamten muss man das Recht auf eine Gewissensentscheidung zubilligen!
Die Aussage des Papstes ist also klar überinterpretiert, wenn man ihm damit quasi unterstellt, er würde beispielsweise etwa die Anweisungen von Kim Davis an ihre Mitarbeiter gutheißen, die Ausstellung der Urkunden weiter mehr oder weniger zu sabotieren.

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