Mittwoch, 30. September 2015

Kardinal Sarah vor der Synode: Kommunion für Wiederverheiratete ist Verrat am Evangelium!

Na, wie das sich derzeit entwickelt, könnte ich alle paar Stunden was bloggen über die neuesten Interviews und Er-
klärungen von Teilnehmern
der kommenden Synode, und danach dann wahrscheinlich die Deutungen von Experten dazu. Ich fürchte, ich werde mich da auf eine Auswahl be-
schränken müssen.
Jetzt ist erst mal Kardinal Sarah dran, immerhin Präfekt der vatikanischen Gottesdienstkongregation und in den letzten Monaten oft zitiert, auch we-
gen seines neuen Buches "Gott oder nichts". Immerhin wird er heute von "Radio Vatikan" eines Artikels gewürdigt, weil in der Zeitung "La Repub-
blica"
heute ein Interview mit ihm abgedruckt ist. Kernaussage: Die von Reformern irgendwie-dann-doch-Kommunion von wiederverheiratet Ge-
schiedenen verrät das Evangelium!  ---> HIER !

Erst vor einigen Wochen hatte er gewarnt, die Eucharistie sei doch "kein Essen mit Freunden", sondern "ein heiliges Mysterium". ---> HIER !
Na, wie das jetzt aussieht, ist Kardinal Kasper zwar Kardinal Burke los, doch Kardinal Sarah spielt als vollwertiger Ersatzspieler auf. Und mit
Kritik an afrikanischen Bischöfen wird Kasper sich diesmal vermutlich etwas mehr zurückhalten, nachdem das letztes Jahr medial ziemlich in
die Hose ging...

Kommentare:

  1. Nein, gerade in diesem Punkt wird überdeutlich, wie sehr man Kardinal Kasper in seiner Meinung, dass afrikanische Bischöfe nicht in europäische Problemstellungen und umgekehrt einmischen sollten. Wie weise diese Aussage doch ist. Die Afrikaner sollten ihr Polygamieproblem angehen, wir kümmern uns um homosexuelle Partnerschaften.

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    1. Mir scheint, Mike ist da nicht ganz informiert.
      Kann er uns Zahlen liefern, wie viele Katholiken in Afrika polygam leben?
      Im übrigen:
      Das Problem ist ein anderes: In einer ganzen Reihe von
      Staaten Afrikas ist Polygamie vom Gesetzgeber her erlaubt.

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    2. Nun weiß ich nicht, ob Ursula S. besser informiert ist als Mike. Zumindest aber scheint Mike auf dem selben Informationsstand zu sein wie Papst Franziskus:

      "Papst Franziskus hat die Polygamie-Kultur in Afrika kritisiert. Die Bischöfe sollten stattdessen die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau fördern und das entsprechende Modell in der Gesellschaft verankern "
      Quelle

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    3. ...und diese offizielle Erlebnis wird von der Kirche in Afrika in vielen Ländern auch im Blick auf ihre Priester augenzwinkernd toleriert. Als ich vor Jahren einmal einen afrikanischen Bischof darauf ansprach, wie viele Priester in seinem Land (Ghana) ganz offen mit mehreren Frauen leben, sagte er fast aggressiv: "Das ist unsere Kultur, da belehren Sie uns bitte nicht!"
      Das wird jetzt von den Kardinal-Sarah-begeisterten konservativen Katholiken systematisch totgeschwiegen. Statt dessen deklamieren sie pathetisch: "Afrika docet!" Wenn sie eine reale Ahnung hätten, wie das kirchliche Leben in vielen afrikanischen Ländern aussieht, dann würde ihnen dieser Spruch schnell im Hals stecken bleiben.

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    4. Die „Afrika-ist-treu“-Kampagne entfaltet glaube ich kaum noch Überzeugungskraft. Die Missstände in Afrika sind gar zu offensichtlich und haben sich mittlerweile auch bei begeisterten Sarah-Lesern herumgesprochen.
      Außerdem wussten die eigentlichen Synodenteilnehmer natürlich immer über die Verhältnisse in Afrika Bescheid (auch letztes Jahr schon bei Pentins „Rassismusinterview“ gegen Kasper, das einfach eine ziemlich schäbige Falle war), konnten das also einordnen.

      Geht da auch gar nicht nur oder vor allem um Polygamie, viel mehr sind die vielen (kirchlich) unverheiratet Zusammenlebenden und die Alleingelassenen das Problem; außerdem natürlich die Korruption in der Kirche, Zölibat usw.
      http://kreuzknappe.blogspot.de/2015/09/deutliche-worte-von-kardinal-gerhard.html
      http://elsalaska.twoday.net/stories/1022470946/

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    5. Na, da hat Klaus-Peter Kuhn
      aber einen Bluff gelandet!
      Richtig ist, dass Papst Franziskus anlässlich eines
      Besuches afrikanischer Bischöfe auch das Thema Polygamie
      ansprach. Ein Beweis, dass damit Katholiken gemeint sind,
      ist im Text aber überhaupt nicht erkennbar.
      Laut Radio Vatikan heißt es: "Papst Franziskus hat die
      Kultur der Polygamie in Afrika kritisiert. Die Bischöfe sollten
      die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau fördern..."
      Das heißt doch:
      Der Papst bittet die Bischöfe, die katholische Eheauffassung
      in der afrikanischen Gesellschaft zu verdeutlichen und
      zu fördern. Mehr nicht.
      Genauso könnte man sagen, wenn der Papst die Abtreibung
      in Europa kritisiert, was er ja oft getan hat, damit würde er
      die Katholiken in Europa angreifen.
      Das sind allgemeine Aussagen des Papstes und belegen
      gar nichts!

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  3. Ich kann Ursula S. nur zustimmen:
    Im Zweifelsfalle fühlt sich jeder deutsche Katholik als Experte,
    was Afrika betrifft. Mein Schwager war in der Entwicklungshilfe
    in Lomé/Togo eingesetzt und hatte viele Kontakte mit
    katholischen Priestern und Gemeinden.
    Dort war kein einziger Fall bekannt, wo ein Gemeindemitglied
    polygam gelebt hat.
    Ich vermute mal, dass der Fehler im Westen darin besteht,
    dass man alles in einen Topf wirft. Selbstverständlich gibt es,
    da das Gesetz es erlaubt und ein gewisser öffentlicher Druck
    besteht, auch polygame Verhältnisse. Die wenigsten davon sind
    allerdings Katholiken.
    Und dann finde ich es auch witzig, wenn man in Afrika die Katholiken
    in Sippenhaft nehmen will. Genauso könnte man sagen: Ihr Katholiken
    in Deutschland, ihr glaubt doch alle nicht an Gott!
    Umfragen zeigen bekanntlich, dass mehr als 40 % der Deutschen
    nicht mehr an Gott glauben.

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    1. Naja, die Instrumentalisierung eines unrealistisch idealisierten Afrikabildes ging ja eindeutig von den "Antikasperianern" aus. Andersrum gibt's ja keine Probleme. Niemand wirft den Afrikanern zurzeit irgendetwas vor, es geht nur darum, dass sie Ansprüche stellen, die sie selber nicht erfüllen. Das betrifft ohnehin weniger die einfachen Katholiken, betroffen sind vielmehr Klerus und Hierarchie in diesen Ländern.

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  4. Ich glaube nicht, dass die Kasperianer Kardinal Burke "los" sind. Leute wie Burke und Sarah werden vor allem *nach* der Synode gebraucht, um je nach Ausgang die anglophonen Extremisten zu besänftigen und von allzu grotesken Gegenmaßnahmen abzuhalten. Wenn man Kdl. Sarahs Twitterverkehr während der letzten Teilsynode verfolgt hat, konnte man sehen, wie er sich darum bemühte, spalterische Anti-Kasper- und Anti-Papst-Stimmen abzuwiegeln und zu mehr Toleranz und Einsichtsbereitschaft zu motivieren.

    Das Gerede von der angeblichen „kasperianischen Häresie“ ist natürlich scharfmacherischer Unsinn, dem sollte man wirklich entgegentreten. Es ist allerdings auch der momentan unhintergehbare Konsens der angelsächsischen Synodenkritiker, und selbst Kardinal Müller hat diesen Käse bei seinem Auftritt zusammen mit Sarah implizit begünstigt, also Öl ins Feuer gegossen statt (wie der Papst das versucht) zu besänftigen.
    Wer bei den radikalen Kritikern überhaupt ernst genommen werden will, muss wahrscheinlich diese abwegige These irgendwie mittragen.
    Nach der Synode kann man immer noch zurückrudern (Kdl. Müller bspw. könnte sicher auch mit einer Bode-ähnlichen Lösung leben, ohne an Häresie zu erkranken: http://kreuzknappe.blogspot.de/2015/09/familiensynode-hat-papst-franziskus-den.html).

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  5. Die Vorwürfe an Afrika in Richtung Polygamie
    schlagen dem Fass ja wohl den Boden aus!
    Gerade die Europäer sind es doch, die neben der Ehe
    noch ein Verhältnis haben und, obwohl sie kirchlich gesehen
    (noch) verheiratet sind, eine zweite Ehe eingehen.
    Wie kann man also die Tatsachen derart verdrehen, frage ich!

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  6. Diejenigen, die die Polygamie allein in Afrika
    verorten wollen, sind blind.
    Wenn in Europa solche Vorschläge aufkommen, heißt es
    stets, dass sei doch Unsinn, da die Gesetze dies gar nicht
    zulassen.
    Gesetze kann man allerdings ändern, und wie schnell das
    geht, hat man beim Thema der homosexuellen Lebens-
    partnerschaften gesehen.
    Genau so wird es bei der Polygamie auch gehen.
    So wie jetzt schon einige Reformer-Bischöfe bezüglich
    Schwulen betonen, man solle doch alle Beziehungen tolerieren,
    die "in Treue und Liebe" und in freiwilliger Übereinkunft der
    Partner geschlossen seien,
    so wird es in zehn Jahren auch beim Thema der Polygamie
    kommwen. Die Forderungen in diese Richtung werden stärker,
    wie man am Beispiel der Schweiz aufzeigen kann:

    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Die-Revolution-der-Ehe/story/27684059

    https://www.bj.admin.ch/dam/data/bj/aktuell/veranstaltungen/familienrecht/gutachten-schwenzer-d.pdf

    Aber schlaft ruhig weiter...!

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