Samstag, 24. Oktober 2015

Familiensynode: Wer wird gewinnen? - oder: Außer Spesen nichts gewesen?

Die Spannung steigt.
Heute wird also in der Synode Punkt für Punkt über das Schlussdokument "Relatio finalis" abgestimmt.
Krass formuliert:
Nicht die langen Diskussionen der letzten drei Wochen zählen, sondern ausschlaggebend ist die heutige Statistik pro und contra für den vorgeschlagenen Text. Wie werden die vielen Bischöfe abstimmen, die nicht zu den Stars der Medien gehören?
Die deutschsprachigen Bischöfe haben schon mal zum Presse-Gespräch eingeladen: Heute um 21 Uhr werden sie der Weltöffentlichkeit ihre Einschätzung des Synoden-Ergebnisses präsentieren. (Offiziell endet die Synode erst mit einer Eucharistiefeier am Sonntag.)
In den Medien herrscht eher noch Verwirrung. Gefragt wird z.B., warum es so auffallend ruhig um Kardinal Kasper geworden ist. Ist er in der Gunst des Papstes nach unten gerutscht?
Guido Horst formuliert in der "Tagespost" schon mal die Schlagzeile: "Der Vorhang zu - und alle Fragen offen". - Er verweist auf die Ankündi-
gung aus der Redaktionskommission der Synode, diese gebe "die generelle Richtung vor", mehr nicht. Die Entscheidung liege beim Papst, und von ihm erwarte man dann "Leitlinien".
Diese Erkenntnis ist freilich nicht neu. Das war von Anfang an klar: Die Sy-
node kann formulieren, was sie will. Der Papst hat das letzte Wort; er kann mit dem Schlussdokument nach eigenem Belieben verfahren. Dass er sich diesbezüglich immer noch in Schweigen hüllt, macht es unkalkulierbar. 

Artikel in der "Tagespost" ---> HIER !
Noch drastischer formuliert Rom-Korrespondent Julius Müller-Meiningen. "Viel Lärm um nichts bei der Bischofssynode" kann man da als Schlagzeile lesen. Die Reformer und der Papst seien vorerst gescheitert, glaubt er auf-
grund der Wortmeldungen zu wissen: "Die Bewahrer haben sich durchge-
setzt"
. - In den strittigen Fragen sei man nach wie vor konträrer Meinung, doch der Papst habe eine Art Geheimwaffe in der Hand namens "Dezentra-
lisierung"
. Über den Weg dieser Umleitung könne er durchsetzen, was er sich vorgenommen habe.
So wäre zukünftig also denkbar, dass in verschiedenen Teilen der Erde in der Kirche ganz verschieden über Fragen wie den pastoralen Umgang mit Homosexuellen oder wiederverheiratet Geschiedene entschieden werde, ganz nach Einschätzung des jeweiligen Ortsbischofs. ---> HIER !

Es gehört nicht allzuviel Phantasie dazu, welche Konsequenzen das haben kann...

Kommentare:

  1. Leider wird in den Medien vielfach der Eindruck vermittelt,
    die Synode könne wie ein Parlament bestimmen.
    In Wahrheit ist es nur ein Beratungsorgan, aber auch dessen
    Bedeutung sollte fairerweise nicht unterschätzt werden.
    Kein Papst wird völlig entgegen der Richtung einer Synoden-
    entscheidung handeln.

    AntwortenLöschen
  2. Die Dezentralisierung und Föderalisierung der Kirche wird keineswegs die schlimmen schlimmen Konsequenzen haben, die die Tradis seit einer Woche an die Wand malen. Der Mensch ist nicht zur bedingungslosen Subordination unter eine zentralistische Instanz geschaffen. Die Weltgeschichte, insbesondere ein Blick auf das totale Scheitern des kommunistischen Systems, das fast so zentralistisch war wie (bisher) die kath. Kirche, zeigt, wo der Zentralismus endet... Föderalismus tut Staaten und gesellschaften gut, also kann er auc der Kirche nicht schaden. Zumal das durch und durch anti-zentralistische Subsidiaritätsprinzip ja eine katholische Erfindung ist.

    AntwortenLöschen

Bitte beachten: DERZEIT versuchsweise wieder Leserkommentare möglich. Anonyme oder beleidigende Zuschriften haben keine Chance! Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bis zur Freischaltung Ihres Leserbeitrages kann es einige Stunden dauern!
=================================================================================