Sonntag, 11. Oktober 2015

Merkwürdige Andeutung von P. Lombardi: Weiß Papst Franziskus überhaupt, was er eigentlich will...?

Eigentlich geht man als Normalsterblicher und Katholik davon aus, dass im Vatikan ein gut geölter Appa-
rat rund um Papst Franziskus dafür sorgt, dass alles ei-
nigermaßen rund läuft. Es gibt Kommissionen, jede Menge Berater, eine frisch runderneuerte Medienarbeit -- und den Papst.
Und da liegt allerdings manchmal auch ein Teil der Probleme, wenn man ab und zu auf Andeutungen von Pressesprecher Pater Lombardi achtet. Aktuell ist mal wieder so ein denkwürdiger Moment, der einen an der guten Zusammenarbeit des Papstes mit seiner engsten Umgebung etwas zweifeln lässt: Da macht man sich in den diversen Diskussionsgruppen der Synode intensive Gedanken über Formulierungen, da wird ausgeplaudert, dass es schon eine interne Redaktionsgruppe gibt, die jetzt schon Textbausteine
für das mehrfach angekündigte Schlussdokument erarbeitet -- und dann liest man, wie beim obigen "screenshot" einer Agenturmeldung, dass man von Papst Franziskus immer noch keine definitive Äußerung bekommen hat, wie er das überhaupt handhaben will.
Pardon, aber unter einer guten Kommunikationskultur und Mitarbeiter-
führung stelle ich mir etwas anderes vor...

Kommentare:

  1. Hatten wir nicht schon öfter den Eindruck,
    dass Papst Franziskus macht, was ihm gerade in den
    Sinn kommt...?

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    1. Dass Papst Franziskus einen schlechten Führungsstil zeigt,
      ist in der Szene weithin bekannt. Seine Spontaneität hat
      ihren Preis.
      Es wäre allerdings ein Irrtum, aus solchen Unzulänglichkeiten
      abzuleiten, er wisse nicht, was er wolle.
      Das weiß er durchaus. Zur Zeit, so höre ich von Kollegen vor
      Ort, führt der Papst viele Einzelgespräche mit wichtigen
      Synodenteilnehmern. Warum wohl...?!!!

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  2. Erbacher hatte das ja gestern schonmal kommentiert. Es sieht so aus, als könnte der Papst auf ein nachsynodales Schreiben (also das traditionelle "letzte Wort" des Papstes) evtl. ganz verzichten und das Schlussdokument der Synode gleich als Abschlusstext für die ganze Angelegenheit gelten lassen. Das würde dann auch die jesuitische Vorbereitungskommission erklären, die von den Synodengegnern als parallele "Geheimsynode" verdächtigt wurde.

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    1. Tja, er äußert sich halt noch nicht dazu.
      Es gilt: kann sein, kann nicht sein.

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  3. Grundsätzlich ist der eigenwillige Führungsstil des Papstes in der aktuellen kirchlichen Verfassung wohl eher kein Bug, sondern ein Feature.

    Nur *gegen* den Apparat lassen sich Dinge erreichen, die das "normale" Kirchenvolk (also alle außer den Tradis) längst akzeptiert hat und richtig findet, die aber mit der in den letzten 40 Jahren von sehr konservativen Kräften völlig auf Linie gebrachten und zudem überaus intriganten und machtbesessenen Kurienapparat nicht zu machen sind.

    Statt wie Benedikt in die Falle zu tappen und sich von den gewieftesten Kurienakteuren gefangen nehmen zu lassen, will der jetzige Papst den Einfluss der Kurie marginalisieren. Seine chaotische und unberechenbare Art kommt ihm dabei zu Hilfe; damit verhindert er, dass ihn die kurialen Kräfte effektiv manipulieren und beherrschen können.

    Im analogen Sinn gilt das zum Teil auch für seinen Umgang mit dem ebenfalls in der Vergangenheit stark nach rechts getrimmten oder auch einfach überalterten Bischofskollegium.

    Ganz grundsätzlich versucht der Papst, den offenkundigen Graben zwischen der weltfremden Kirchenspitze und dem immer kirchenferneren Gottesvolk dadurch zu überbrücken, dass er *gegen* die Spitze im Sinne des Gottesvolkes agiert. Das wirkt dann etwas "diktatorisch" (vor allem aus Sicht der "Mitarbeiter"), ist aber einfach populistisch.
    Die "Mitarbeiter" (also der Apparat und der Klerus) sollen begreifen, dass es nicht um sie geht, sondern um das Volk.

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    1. Wenn man den Papst als peronistisch geprägten Populisten begreift, passt diese Strategie auch ausgezeichnet zu ihm.

      Es ist wohl auch eine Methode, um die immer stärker werdenden radikalreligiösen Außenseiter (Tradis, Familialisten usw.) in die Schranken zu weisen.
      In der Vergangenheit nahm das Gewicht extremreligiöser Kräfte, die natürlich meist eher auf der Seite des traditionellen "Apparates" stehen, ja gerade deswegen immer mehr zu, weil die normaleren, moderateren Katholiken sich stetig von der Kirche abwenden und damit verstummen.
      Die hyperfromme Minderheit wurde immer lauter und begann sich zunehmend selbst als "das Volk" zu begreifen und andere Gläubige ("Scheinchristen", "Taufscheinkatholiken" etc.) aus der Kirche zu drängen, von konservativen Kirchenfürsten ermutigt und unterstützt.

      Dadurch droht uns eine ähnliche Entwicklung wie im Islam, der ja auch deswegen zerbricht, weil radikale Kräfte immer stärker die Kontrolle und die Deutungshoheit gewinnen und die moderateren an den Rand drängen. Das versucht der Papst aufzuhalten.
      Als Populist hält er gerade die "Armen" (also auch "Scheinchristen", "Taufscheinkatholiken" etc.) für das eigentliche Gottesvolk und die Eliten (Tradis, Klerus usw.) tendenziell eher für Heuchler.

      Das ist übrigens ein ähnlicher Ansatz, wie ihn auch Jesus in Israel verfolgte, indem er Elitegläubige (Pharisäer) und Funktionäre (Priesterschaft) kritisierte und dem einfachen Volk aus der Seele sprach.

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    2. Wow! Selten eine bessere, luzidere Kritik des Traditionalismus, der sich selbst für "normal katholisch" verkauft, gelesen. Chapeau!
      Jetzt versteht man doppelt, weshalb Kardinal Marx sich katholische Blogs, die auf dieser Linie unterwegs sind, nicht antut.

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    3. Diözesaner Bürohengst11. Oktober 2015 um 12:29

      Klingt im ersten Moment fast plausbiel,
      was "Jorge" da schreibt.
      Es hat nur einen Fehler: Es stimmt so nicht.
      Dieses typische Schwarz-weiß-Denken, wie Jorge es an den
      Tag legt, findet man normalerweise eher bei extremen Tradis
      oder extremen Linkskatholiken.
      Da ist auf der einen Seite der böse, böse "Apparat" - wer ist
      das denn bitte? - , auf der anderen Seite der gute Papst,
      und dann auch noch die Kirchenfernen, die es toll finden, wen
      er ein Kind streichelt, aber sich einen Scheißdreck daran stören,
      wenn er zur Beichte aufruft oder gegen Abtreibung wettert.
      Ich fürchte, Papst Franziskus fährt den Karren erst recht in den
      Dreck, wenn er auch noch die so gerne verachteten treuen
      Katholiken vergrault.

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    4. Nein, Schwarz-Weiß-Denken ist mir fremd, von gut und böse rede ich nicht. Die Kurie hat (wie jeder "Apparat") ihre Eigendynamik, das "freihändige" Regime des Papstes natürlich ebenfalls. Das ist nicht "böse", sondern ganz normal.
      Die Eigendynamik der Kurie hat u.a. den Rücktritt Papst Benedikts beschleunigt und damit die gesamte "Reform der Reform", der sie eigentlich dienen sollte, praktisch zum Erliegen gebracht. Die Konservativen müssten sich also eigentlich als Erste über die kontraproduktiven Wirkungen des Kurienapparates beklagen, statt ihn zu verteidigen.

      Ich bin kein Peronist und betrachte den Populismus des Papstes keineswegs unkritisch. Aber man muss Bergoglio als peronistisch geprägten Charismatiker erkennen, um zu verstehen, wie er tickt.

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    5. Schon bei Cicero wurde mir letztens "Lagerdenken" vorgeworfen. Das ist aber ein Missverständnis, denke völlig lagerfrei.
      Das Missverständnis besteht offenbar darin, dass man meint, um lagerübergreifende Friedensarbeit zu leisten, müsste man verleugnen, dass es überhaupt Lager gibt. Also so tun, als wäre alles harmonisch und spannungsfrei (das erinnert an Kdl. Marx letztes Statement, wonach die Spannungen im Weltepiskopat eine Erfindung der Medien seien). Das ist natürlich Quatsch.

      Man muss möglichst nüchtern verstehen, wie die Lager denken und was sie mit ihren Aktionen bezwecken. Dann kann man schauen, was dabei herauskommt und wie der Hl. Geist das alles managt.

      Bitte also auch nicht einfach "Kritik des Traditionalismus" hier herauslesen. Ich mag die Tradis total, lerne seit Jahren sehr viel von ihnen, nur ändert das nichts daran, dass ich ihre teilweise sehr lustigen Denkfehler schonungslos analysiere. Die Tradis sind *eine* Gruppe, auf die ich nicht mehr verzichten möchte in der Kirche. Das Problem ist ihre Tendenz zu glauben, es dürfte außer ihnen nichts anderes geben.

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  4. Kehren wir einfach mal zum Thema zurück.
    Papst Franziskus lässt seine engsten Mitarbeiter im unklaren darüber,
    wohin die Reise eigentlich gehen soll.
    Ein Wirtschaftsunternehmen, dass so geführt wird, wäre längst bankrott.

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    1. Die Kirche soll sich aber nicht der Welt anpassen und deshalb ganz sicher nicht mit einem Wirtschaftsunternehmen verglichen werden.

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    2. Wie schon gesagt, der Papst betrachtet das wohl nicht als Katastrophe. Er weiß natürlich auch, dass die Kirche anders als ein Wirtschaftsunternehmen nicht bankrott gehen kann (Beistand des Hl. Geistes und so).

      Bergoglio hat die Kurie schon immer für einen "Moloch" gehalten. Dass deren Mitarbeiter unzufrieden sind, macht ihm nicht viel aus. Sie sind ja vom Grundprinzip her sowieso nur für ihn da und haben sonst keinerlei Daseinsberechtigung. Das ist bei den Bischöfen und dem Kirchenvolk anders; deshalb achtet er mehr auf die und ignoriert die Verwaltungsfunktionäre.

      Auf unternehmenspsychologische Argumente braucht er darum nicht groß zu achten, auf massenpsychologische Aspekte umso mehr.
      Dem Populisten ist der von Johannes Paul II. zur Schaltzentrale der Kirche ausgebaute kuriale Apparat nicht so wichtig, weil es ihm stärker auf Massenwirksamkeit als auf zentrale bürokratische Lenkung ankommt.

      Letztlich korrespondiert das mit seinem Kirchenverständnis. Der Papst will die Masse der Gläubigen überzeugen, nicht die kirchliche Organisation kontrollieren.

      Außerdem hat der Papst natürlich seinen eigenen, informellen Mitarbeiterstab gebildet, eine Art Schattenkurie sozusagen.

      In einem demokratischen System wäre so ein Schattenkabinett anstößig (erinnert ja an das Zivilkabinett eines Fürsten, das an Parlament und Regierung vorbei regiert). Aber in der Kirche ist das anders, denn die Kurie ist ja genauso wenig demokratisch legitimiert wie das Schattenkabinett. Letztlich geht es da nur um Kompetenz. Und die ist bei den Jesuiten, auf die sich Bergoglio stützt, durchaus vorhanden.

      Es kommt da aber auch zu Pannen, ein schönes Bsp. ist das ganz unausgereifte und kanonistisch dilettantisch konzipierte Eilverfahren im neuen Ehenichtigkeitsprozessrecht. Das hätten die weltweit vernetzten Rechtsexperten der Kurie besser gekonnt als die argentinischen Winkeljuristen, die der Papst mehr oder weniger machen ließ, was sie wollten. Soll keiner sagen, ich würde hier einseitig die Schwächen dieses Papstregimes übersehen.

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