Mittwoch, 14. Oktober 2015

Schon wieder ein plötzlicher Journalisten-Rauswurf im Vatikan - War Priester Nicholas Gregoris zu kritisch?

In manchen Dingen versteht man im Vatikan keinen Spaß. Da wird nicht barmherzig verwarnt, sondern da wirft man einfach raus.
Ob das aber auch immer angebracht ist, darüber können Zweifel aufkom-
men. "Vatikan wie Gestapo?" fragt eine umstrittene Internetseite in einem Artikel über die neueste Aktion gegen einen missliebigen Journalisten.
Der Priester Nicholas Gregoris
ist seit vielen Jahren als Journalist
im Vatikan akkreditiert. Als er am
7. Oktober wie gewohnt zum vatika-
nischen Pressesaal ging, wurde er von zwei Bediensteten gestoppt, heißt es. Er musste seinen Presseausweis abgeben, ohne dass ihm irgendwelche Gründe genannt wurden. Er sei hier nicht mehr erwünscht, wurde ihm gesagt, und das war's dann auch schon.
Es hat deswegen in katholischen Medien einigen Wirbel gegeben; man lese z.B. mal ---> HIER und HIER und HIER und HIER !
Da es keinerlei Erklärung dafür gibt, kann man nur Vermutungen anstel-
len; ein Zustand, finde ich, der der Kirche nicht würdig ist.
Da der Priester sich kürzlich kritisch gegenüber dem kanadischen Erz-
bischof Durocher geäußert hatte ( ---> HIER ! ), könnte das der Auslöser gewesen sein. Ein guter, fairer Stil des Vatikans im Umgang miteinander müsste meiner Meinung nach allerdings anders aussehen, von christlichem Verhalten ganz zu schweigen.
Der Vatikan ist hier nicht zu ersten Mal auffällig geworden, Entscheidun-
gen zu treffen, die befremdlich wirken. Dass man Sandro Magister nach seinem "Verrat" der Umweltenzyklika rauswarf, kann man ja noch nach-
vollziehen. ---> HIER !
Doch schon da wiegen die Gegenargumente schwer. ---> HIER !
Dass man dann aber wenig später auch noch einen Kollegen von ihm raus-
warf, der gar nichts damit zu tun hatte, ist einfach nur peinlich und wohl nur als Warnung an Journalisten zu verstehen, es mit der Kritik am Vati-
kan vorsichtig angehen zu lassen... ---> HIER !
Dass ausgerechnet unter Papst Franziskus solche "Säuberungsaktionen" stattfinden, bereitet mir Bauchschmerzen.

Kommentare:

  1. Der Vorfall, der offenbar zu dem Hausverbot geführt hat (ein Ausraster des Priesters im Pressesaal) ist ja auf der spanischen Plattform "Infovaticana" (oberer grüner Link) trotz der dortigen Sympathien für den konservativen Kleriker recht nüchtern geschildert, allerdings auf Spanisch.
    Die Darstellung auf Deutsch bei gloria.tv (erster gelber Link) lässt den Vorfall dagegen einfach weg. Wenn man nur diesen deutschen Text liest, erscheint die Entlassung dann natürlich willkürlich und unverständlich und der Auslöser bleibt im Dunkeln: Es geht nicht um irgendeine kritische Äußerung (etwa in einem kritischen Artikel), sondern um das direkte und erregte Angehen oder Anschreien (?) des Kardinals im Pressesaal.

    Ob das Hausverbot gerechtfertigt ist, weiß ich nicht, da die Schilderung bei infovaticana doch sehr dünn und unkonkret bleibt. Wäre interessant, mal einen Augenzeugen zu hören....

    "Säuberungsaktion" ist aber nat. ein reines Propagandawort der Rechten. Es gab ja ganz offensichtlich einen sehr konkreten Anlass für die Reaktion.

    Vermutlich möchte das Presseamt aber tats. Zustände wie im verg. Jahr verhindern, als der Pressesaal von papstkritischen Agitatoren wimmelte und komische Spannungen im "Publikum" herrschten, wenn jemand etwas sagte, was denen nicht gefiel.

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    1. Niemand von uns war dabei.
      Alle Quellen berichten aber, wie entsetzt Journalistenkollegen
      wegen des Rauswurfs reagiert haben.
      Das heißt: Es war ein lautstarker und kurzer Wortwechsel,
      aber mehr nicht.
      Wenn das ein Grund für einen Rauswurf sein soll,
      dann säße in unseren bischöflichen Ordinariaten kein Mensch mehr.

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  2. Ob da ein paar laute Worte gefallen sind oder nicht,
    ist nicht erheblich. Der Entzug der Presse-Akkreditierung ist eine
    existenzgefährdende Maßnahme, die zudem noch den Beigeschmack
    von reiner Schikane hat.
    Eine Verwarnung wäre eventuell (!) angebracht gewesen, aber der Rauswurf
    ist schlicht unverschämt und dient der Einschüchterung.
    Kein Wunder also, dass die Medienberichte über die Synode fast alle so
    butterweich ausfallen. Niemand traut sich...

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  3. Die Stimmung bei diesen Pressesaalverantwortlichen ist manchmal etwas überspannt.

    Ich erinnere mich gut an die entsetzten Gesichter der Aufpasser und die bösen Beschwerden beim ZDF nach Carolin Kebekus' "Bewerbungsfrage" an Kard. Meisner im Februar 2013.
    http://www.derwesten.de/kultur/fernsehen/kardinal-meisner-laesst-kebekus-mit-bewerbung-als-paepstin-auflaufen-id7654167.html
    Dabei war die Situation eigentlich total unproblematisch und Meisners Reaktion war ebenso souverän, schlagfertig und witzig wie Carolins Auftritt (beide haben sich später gegenseitig dafür gelobt). Nur die Kölner Pressebeauftragten waren entsetzt und verhängten scharfe Sanktionen.

    Was die Kollegen von Gregoris sagen, ist vermutl. lagerabhängig. Die Rechten empören sich natürlich über die rücksichtslose Maßnahme des Vatikans.

    Wie unangenehm es aber voriges Jahr im Pressesaal zuging, hat Michael Voris damals selbst (genüsslich und mit sichtlicher Freude) verbreitet.
    Möglicherweise ist Gregoris jetzt Opfer einer etwas überzogen restriktiven Politik der vat. Pressesaal-Verantwortlichen geworden, die eine Situation wie im verg. Jahr um jeden Preis verhindern wollen.

    Den Tonfall der Auseinandersetzung kann man als Nicht-Augenzeuge nicht beurteilen, aber schon inhaltlich war eine Diskussion, wie Gregoris sie selber schildert, für einen Pressevertreter völlig daneben.
    Als Pressemensch ist es doch nicht deine Aufgabe, dem Synodenvater im Pressesaal irgendwelche Vorhaltungen zu machen oder ihn beim Herausgehen in inhaltliche Diskussionen zu verwickeln, die gar nichts zur Sache tun.

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  4. Wenn es zutrifft, dass dieser Herr lauthals im Pressesaal rumgepöbelt und Andersdenkende angebrüllt hat, ist es nur recht und billlig, ihm die Akkreditierung zu entziehen. Wäre in jedem nichtkirchlichen Kontext selbstverständlich.

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    1. Herr Hammer,
      meinen Sie jetzt den Erzbischof oder den Priester?

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    2. Dem [irischen] Priester Nicholas Gregoris, der seit 15 Jahren als Vatikankorrespondent tätig ist, wurde wegen seiner Worte an einen Erzbischof bei der Pressekonferenz der Synode [vom 6. Okt.], als er sich dem Bischof "sichtlich erregt" genähert hatte, der Presseausweis entzogen.

      [Der Erzbischof hatte nach Ende des Briefings noch eine Frage beantwortet und dabei gesagt, es bleibe in den Kleingruppen zu klären, ob es sich bei der Wiederverheiratetenkommunion um eine disziplinäre oder eine dogmatische Frage handelt.]

      Nach diesen Worten ging der Priester Nicholas Gregoris zu ihm hin und erklärte, es sei "sehr gefährlich zu behaupten, die Kirche könne ihre Lehren zur Scheidung und Kommunion ändern", und: "Konziliarismus ist eine Häresie!" [Hier folgt eine kurze Erläuterung der Redaktion, was mit "Konziliarismus" gemeint ist.]

      Der Erzbischof habe nur ganz kurz geantwortet und sei dann gegangen. "Er hat mich praktisch ignoriert und einfach stehen lassen", sagte Gregoris. "Es ist beschämend und lachhaft, von den Bischöfe müssten wir die Wahrheiit hören", sagte der Priester, und meinte abschließend: "Leidenschaftlich zu reden ist kein Verbrechen!"

      [Die in eckigen Klammern gesetzten Passagen sind von mir ergänzt, zusammengefasst oder weggekürzt; der kursiv gesetzte Rest ist die Übersetzung der Infovaticana-Notiz.]

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