Sonntag, 25. Oktober 2015

Synode: Priester sollen sich um Einzelfälle kümmern und "Seelen führen" -- aber wie???

Wenn pädagogisch geschickte Leute einen Tadel vorsichtig verpacken, dann sagen sie zum Beispiel: "Das hast Du wirklich ganz lieb gemeint, aber..."                                                  Daran erinnert mich zumindest nach derzei-
tigem Kenntnisstand die Idee im Abschluss-

dokument der Synode, die Einzelfälle mehr in den Blick zu nehmen.
Gerade bezüglich des in den Mittelpunkt gespielten Problems der wiederverheira-
tet Geschiedenen
erklärt die Synode in Artikel Nr. 85 (Link dazu in meinem vorigen Artikel, siehe weiter unten!), man wolle mehr als bisher jeden Einzelfall im Detail betrach-
ten, was angesichts der krassen Verschiedenheit der zerbrochenen Ehen im Grunde niemals falsch ist, gibt es doch z.B. die schuldlos verlassenen Ehe-
partner und Kinder.
Woran es da aber (noch?) hapert, ist der Realitätssinn bei den Synoden-
vätern. Klar ist es Aufgabe des zuständigen Priesters, die jeweils Betroffe-
nen in mehreren langen und detaillierten Gesprächen "auf dem Weg der Unterscheidung zu begleiten, gemäß der Lehre der Kirche..." und sie dabei zu einer kritischen Überprüfung ihrer Situation zu führen, die persönliche Schuld nicht ausklammert. Auch die Überprüfung, ob im konkreten Fall vollumfänglich "Schuldfähigkeit" vorgelegen hat beim Auseinandertriften und Zerbrechen der Ehe, ist ja absolut nicht falsch, aber ein ganz sensibles Thema und sicher auch sehr davon abhängig, was man dem betreffenden Seelsorger erzählt (und was lieber nicht)... 

Dieses schon vorher von der deutschen Sprachgruppe ins Spiel gebrachte "Forum Internum" zwischen Seelsorger und anfragendem wiederverhei-
ratet Geschiedenen wird zum (alleinigen) Dreh- und Angelpunkt für eine Wiederzulassung z.B. zur Eucharistie.
Ich will hier nichts unterstellen, aber verhebt man sich dabei in manchen Fällen nicht ganz gewaltig?
Mal ganz abgesehen davon, dass eine finale Entscheidung damit unter Umständen von der Redegewandtheit und dem persönlich gefärbt Vorge-
tragenen abhängig gemacht wird, kann das Gewissen durchaus zu recht verschiedenen Ergebnissen kommen, wie man aus Erfahrung weiß.
Die "Kunst der Seelenführung" werde gestärkt, erzählt da z.B. Kardi-
nal Schönborn
. Das sei der einzige Ausweg, meint er. ---> HIER !
Da frage ich mich aber doch, wie das gründlich genug im vom Priester-
mangel
jetzt schon arg gestressten Europa bei den angeblich so vielen anstehenden Fällen funktionieren soll.
Die Priester sollen nicht nur die Vorbereitung auf die Ehe deutlich inten-
sivieren, sagt die Synode. Sie sollen vor allem jetzt auch viele, viele Stunden lang konzentrierte Einzelberatungen durchführen, und das in den angeb-
lich so vielen Fällen. - Sorry, aber wie soll das denn konkret gehen?
Jetzt schon jammern viele Pfarrer in übergroßen Pfarreien, dass sie kaum noch wissen, wo ihnen der Kopf steht vor lauter terminlichen Belastungen. Das wird in den nächsten Jahren mit Sicherheit nicht besser.
Mit anderen Worten:  Es sind Zweifel erlaubt, wie realistisch das in so mancher Pfarrei sein wird. Das Ergebnis ist absehbar: Wo es manchmal noch nicht mal zu einem ordentlichen Brautgespräch vor der Ehe langte, wird man hier bestenfalls irgendwo mal ein halbes Stündchen Gespräch dazwischen schieben und sich als Seelsorger einzig und allein auf das ver-
lassen können, was einem da erzählt wird...
Und schon kann der Antragsteller z.B. zur Kommunion gehen. Es könnte sein, dass dies in der Pfarrei nicht jeder nachvollziehen kann.

Oder sehe ich das falsch?

Kommentare:

  1. Diözesaner Bürohengst25. Oktober 2015 um 10:17

    Aus meiner Erfahrung mit etlichen Priestern würde ich
    einigen schlichtweg die Kompetenz absprechen, solche aufwändigen
    und theologisch brisanten Gespräche führen zu können.
    Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

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    1. Das stimmt leider. Die Mehrzahl der Priester ist theologisch und spirituell so schwach auf der Brust (viele können noch nicht mal die biblischen Sprachen Hebräisch und Grächisch), dass sie von dieser Herausforderung komplett überfordert sind. Das gilt sogar hier in Deutschland, wo die Ausbildung noch anspruchsvoler ist als in den meisten anderen Ländern. Gegen die protestantischen Pfarrer sehen unsere Leute regelmäßig peinlich schwach aus.

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  2. Unter der Flagge der Barmherzigkeit werden im Laufe der
    nächsten Jahre aus den Einzelfällen dann Normalfälle werden.
    Man kennt das doch, und Papst Franziskus steuert zielgenau
    darauf hin (obwohl er das vielelicht gar nicht will.)

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  3. Wird die freundliche Beurteilung eines Falles in Zukunft nicht auch von der Spendenmöglichkeit oder Spendenbereitschaft eines Klienten abhängen????
    Das erinnert mich doch ein bißchen an den Ablasshandel:
    "„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“."

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  4. Die Tradis sehen mal wieder das Schlechteste zuerst. Wenn die Priester endlich mal wieder aus der Managementarbeit in die Seelsorge wechseln, dann sollte viel möglich sein! Interessant übrigens ein Beitrag von Michael Böhnke, der darauf hinweist, dass die Einheit der Kirche, für die die armen Eheleute ja herhalten müssen, von den Amtsträgern der Kirche auch nicht erreicht wird, weil die Kirche mehrfach gespalten wurde. Und das ohne Konsequenzen für den Eucharistieempfang. Zweierlei Maß...

    http://www.muenster.de/~angergun/eine-kleine-gemeinheit.pdf

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  5. Zu "Forum internum ... wird zum (alleinigen) Dreh- und Angelpunkt für eine Wiederzulassung z.B. zur Eucharistie"
    Von Zulassung und Eucharistie ist da nirgends die Rede. Es wird eigentlich eher die seelsorgerische Begleitung beschrieben, wie sie vielleicht früher im Beichtstuhl vorkam. In einfachen Worten: die Leute sollen nicht über die Kirche schimpfen, sondern mal mit ihrem (Beichtvater) seelsorgerischem Begleiter sprechen um zu erkennen, was sie vielleicht (dann doch) selbst falsch gemacht haben, damit sie schrittweise zum Verständnis der Lehre und einem Leben gemäß Gottes Willen geführt werden.
    Ich kann nicht voraussehen, wie manche Bischöfe (z.B. der von Rom in einem eventuellen postsynodalen Schreiben) den Absatz verbiegen, aber so wie er da steht, ist er ebenso gut wie selbstverständlich.

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    1. Aber, aber Friedlon,
      bitte hier keine Taschenspielertricks!
      Sie wissen doch wohl wie die meisten aufmerksamen Leser,
      dass nur deshalb von Zulassung zur Eucharistie im Gegensatz zum
      Entwurfspapier der deutschen Sprachgruppe am Ende keine Rede mehr
      war, weil man sonst null Chance gehabt hätte, den Streitpunkt über die
      Abstimmung hinüberzuretten. Selbst "ohne" gelang es nur mit einer
      einzigen Stimme mehr als nötig.
      Glauben Sie ernsthaft, die betroffenen Leute würden stundenlange und
      z.T. sehr "private" Gespräche mit einem Seelsorger führen, wenn am Ende
      nicht die Erlaubnis zur Teilnahme an der Eucharistie herauskäme???

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