Sonntag, 25. Oktober 2015

Synodenergebnis schön geredet: Hurra, das ist ja gerade noch mal gut gegangen...!

Gestern Abend gab's in meinem Blog eine erste Stellungnahme, einen Schnellschuss gewisser-
maßen. Auch das hier wird sicher keine ab-
schließende Einschätzung, da bislang nur we-
nig wirklich Ergiebiges im Internet zu lesen ist; die Journalisten schlafen halt gerne lange...
Klar ist: Nachdem es endlich vorbei ist, steht jetzt die wichtige Phase des Kampfes um
die Deutungshoheit
an.
Alle Seiten reklamieren für sich, dass es in ihrem Sinne gut gelaufen ist. Für die einen (Kardinal Marx in seiner Erklärung) ist die
Tür halb auf, für andere ist sie gottlob min-
destens noch halb zu. Kardinal Schönborn verkündete denn auch ganz passend: "Viele Journalisten werden Schwie-
rigkeiten haben herauszufinden, was die Botschaft der Synode ist und was ihre positiven Elemente waren"
, so zitiert ihn z.B. der "Tagesspiegel"         ---> HIER !
Nicht verwunderlich, dass "DER SPIEGEL" zwar viel Streit, aber "wenig Fortschritt" sieht. Und er erinnert daran, dass eigentlich bereits vor 34 Jah-
ren, im Jahre 1981, von Papst Johannes Paul II. in seinem Lehrschreiben "Familiaris consortio" nichts wesentlich anderes über die Familie und das Problem der Notwendigkeit der Unterscheidung (sogenannte "Einzel-
fälle") zu lesen ist als im gestrigen Abschlussdokument der Synode 2015. Um süffisant hinzuzufügen, dass der Papst damals schon gefordert habe, das Problem müsse "unverzüglich" aufgegriffen werden... ---> HIER !
Die deutschsprachigen Synodenvertreter beeilten sich zwar gestern noch um 21 Uhr mit einer Pressekonferenz, zum Deutungstrendsetter zu werden mit dem Hinweis, man sei "einen großen Schritt" weiter gekommen, doch die Gesichter signalisierten für mich eher etwas anderes... ---> HIER !
Die Homosexuellen zeigen sich bitter enttäuscht darüber, dass trotz aller Bemühungen so gut wie nichts für sie herausgekommen ist. ---> HIER !
Am interessantesten war für mich mal wieder der spontane Kommentar des Rom-Korrespondenten des ZDF, Jürgen Erbacher.
Er ist bescheiden geworden und sieht es schon als großen Erfolg der Syno-
de an, dass es nicht "zu einem größeren Ekklat" gekommen ist. In der Tat: Obwohl der Text sehr offen (um nicht zu sagen: schwammig) formuliert ist und man den Begriff "Kommunion" oder "Zulassung" wohlweislich ausge-
lassen hat, weil man den Abschnitt unbedingt durchbekommen wollte, reichte es "beim entscheidenden Abschnitt über die wiederverheiratet Ge-
schiedenen"
gerade mal zu einer Stimme mehr als unbedingt notwendig. ---> HIER !
Die "historische Synode" (Kardinal Marx) ist also eher mickrig ausgefallen. Historisch kann sie aber noch werden, denn Papst Franziskus kann alle Hebel und Spielräume nutzen (das hätte er freilich auch ohne Synode ge-
konnt). Jürgen Erbacher deutet es meines Erachtens richtig an: Die immer wieder aufgetauchte Idee des Papstes, die Kirche weiter zu dezentrali-
sieren
, wird an Fahrt gewinnen, mit allen Vor- und Nachteilen, die damit verbunden sind.

Ich wünsche allen Lesern (dennoch) einen schönen, gesegneten Sonntag!      Ihr Kreuzknappe.

Das Schlussdokument (italienisch) ---> HIER !
Kleiner Auszug (deutsch) ---> HIER

Kommentare:

  1. Kann mir jemand mal erklären,
    was die Synode für die Seelsorgepraxis gebracht hat?
    Einzelfallregelungen gab es in einigen Gebieten früher schon.

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  2. Kardinal Marx sieht alles rosarot:
    "Es ist sehr wichtig für mich, dass wir am Ende sagen können:
    wir haben diskutiert, wir waren uns nicht immer einig, wie haben versucht, Kompromissformeln zu finden. Aber insgesamt kann man sagen ist der Weg
    des Papstes gestützt worden, und er sieht das auch so, und er fühlt sich
    ermutigt.
    http://www.br.de/nachrichten/vatikan-bischofssynode-synode-100.html

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  3. Nichts ist gerade noch mal gut gegangen!
    Wenn ausgerechnet vom ZdK ein hohes Lob für die Synode
    heute an die Medien gegeben wird, dann kann man sicher sein,
    dass da was faul ist am Ergebnis.
    ZdK-Chef Alois Glück gerät geradezu ins Schwärmen in der
    Pressemitteilung und kommt auch direkt zum Punkt,
    nämlich zur in den Medien etwas untergegangenen Abschluss-
    rede des Papstes, die zu schlimmsten Befürchtungen Anlass gibt.
    Wörtlich Papst Franziskus:
    dass die Synode gezeigt habe, „dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht jene sind, die den Buchstaben verteidigen, sondern den Geist; nicht die Idee, sondern den Menschen; nicht die Formeln, sondern die unentgeltliche Liebe Gottes und seiner Vergebung“.
    Wer also die Bibel verteidigt und den Katechismus, der ist nach
    Auffassung dieses Papstes ein böser Tradi.

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    1. Ich konnte das gar nicht glauben, was "Studiosus"
      da vom papst zitiert. Aber nach halber Stunde suchen
      muss ich tief betrübt feststellen: Er hat das wirklich so
      schrecklich gesagt!
      Jesus hat das Gesetz mit jedem Buchstaben verteidigt,
      aber es mit Liebe erfüllt. Wenn der Papst jetzt so tut,
      als seien Wort Gottes und Katechismus falsch,
      aber der Mensch alles, so schafft er einen künstlichen
      und völlig falschen Gegensatz.
      jesus hat nicht gesagt, dass allein der Wille und das
      körperliche Wohlergehen der Menschen im Mittelpunkt steht.
      Im Gegenteil: Der Wille Gottes (!) soll erfüllt werden.
      Ich begreife diesen papst nicht mehr.
      Immer häufiger ertappe ich mich bei dem Gedanken,
      aus dieser modernen Kirche auszutreten!

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    2. Sorry, aber was der Papst da gesagt hat, ist nichts anderes, als was Paulus im Römerbrief an meheren Stellen auch sagt über Geist und Buchstaben.
      Müsst Ihr Tradis eigentlich bei allem und jedem immer nur das Schlechte, Böse, Schreckliche sehen? Wer hat euch dieses miesepetrige Kirchen-, Welt- und Menschenbild eigentlich eingetrichtert? Es gibt auch halbvolle Gläser, nicht immer nur halbleere!

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    3. Richtig, Studiosus sollte die Bibel einmal als das lesen, was sie im NT überwiegend ist.... KEIN GESETZBUCH! Das Gesetz rettet nicht, sagt Paulus, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Franziskus ist voll auf der Linie des NT... auf welcher ist Studiosus?????

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    4. Studiosus ist natürlich stetsaiuf der Linie "der Tradition", wie er sicherlich selber sagen würde. "Die Tradition" ist den Tradis immer näher als die Bibel, mit der sie es weniger haben, das hat ja den Geruch von Protestantismus... :-)

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