Samstag, 30. Januar 2016

Weil eine evangelische Kindertagesstätte einen jungen Syrer nicht als Hilfskraft einstellte, gibt's jetzt Aufregung in den Medien...

Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass die Realität kom-
plizierter ist als die verbalen Schnellschüsse in manchen Medien und im Internet. Gerade ist eine evangelische Kindertagesstätte mächtig unter Druck geraten, weil sie einen jungen Syrer, der dort als Hilfskraft arbeiten wollte, nach einigem Hin und Her doch nicht eingestellt hat.
Dabei hat man sich vor Ort allerdings auch nicht übermäßig klug ange-
stellt; das muss man einräumen. Da wundert es auch nicht, wenn nun so-
gar die vorgesetzten evangelischen Stellen "empört" sind, wie sie eilends verlauten ließen.

Ob die Leiterin einer KITA vorher die nötigen Rücksprachen mit Träger und Kirchenleitung detailliert genug geführt hat, scheint mir fraglich, aber es ist halt passiert: Sie hat es gut gemeint und wollte einen jungen syri-
schen Flüchtling als 1-Euro-Jobber einstellen. Da gibt es bestimmt im-
mer einiges zu tun, z.B. im Außenspielbereich, bei Aufräumarbeiten, als Küchenhilfe usw. - Das wurde bekannt, und es gab offenbar rasch einige besorgte Eltern, bei denen das Stichwort "Flüchtling" Besorgnis auslöste. Dies gaben sie der Leiterin deutlich zu verstehen, und die wiederum er-
kannte jetzt, dass es da ein Fettnäpfchen gab. Schnell zog sie ihr Angebot an den Syrer zurück und machte einen verhängnisvollen Aushang, um die Gemüter zu beruhigen: Der Mann werde
"aufgrund der nachvollziehbaren Sorge einiger Eltern, einen männlichen Syrer bei uns zu beschäftigen", jetzt doch nicht eingestellt.
Den Aushang fotografierte man ab und sorgte per "Facebook" für weite Verbreitung - und natürlich weite Empörung ebenso wie Zustimmung.
Die Kirchenleitung stellt klar, der Aushang sei ohne Absprache geschehen, und man distanziere sich ausdrücklich davon. 

Der Clou bei der ganzen Aufregung: Der Syrer hätte ohnehin dort nicht arbeiten dürfen, denn er hatte nicht die in Deutschland erforderlichen Bescheinigungen...
Die Behauptung, der junge Mann wäre ohnehin nicht direkt mit den Kin-
dern in Kontakt gekommen, lässt mich doch etwas schmunzeln. Ich komme ja aus der Branche (Grundschullehrer) und hatte viel Kontakt zu KITAS. Das ist organisatorisch kaum möglich, einen Mitarbeiter von den Kindern fernzuhalten, etwa aus dem Grunde, weil er kein Gesundheitszeugnis hat. Was ich gerne wissen würde: Hätte man bei der Ablehnung eines deut-
schen 1-Euro-Jobbers auch solch einen Wirbel gemacht?

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