Donnerstag, 31. März 2016

Heftige Beerdigung? - Angehörige schalten Zeitungsanzeige wegen "vom Pfarrer fürchterlich abgehaltener Messe"!

Dinge gibt's, da denkt man, die gibt's gar nicht: In zwei Zeitungen fand ich gestern Abend den Hinweis auf eine kurios an-
mutende Zeitungsanzeige:
Darin geht es um "die vom Pfarrer fürch-
terlich abgehaltene Messe"
anlässlich der Beerdigung eines Familienmitgliedes.
Ohne den Namen des Geistlichen zu ver-
raten und ohne auch nur ansatzweise zu schildern, was denn da eigentlich im Gottesdienst so "fürchterlich" war, entschuldigen sich die trauernden Ange-
hörigen bei den Gottesdienst-Teilneh-
mern für das Auftreten des Priesters bei der Heiligen Messe am 12. Februar, als der Vater der jetzigen Anzeigen-Auftraggeber beerdigt worden war. ---> HIER und HIER !
Nun kann Deutschland mal rätseln, was der gute Pfarrer wohl angestellt haben mag: Hat er etwa versehentlich die Texte eines Erstkommunion-Gottesdienstes verwendet? Hat er den Namen des Verstorbenen falsch ausgesprochen? Oder hat er etwas weniger Erfreuliches über den Toten ausgeplaudert?

Wir werden es möglicherweise nicht mehr erfahren. Sollte allerdings diese Art von Anzeigen Schule machen, sehe ich da eine Lawine von Schmutz auf uns zu kommen. Man stelle sich nur vor, da würden sich Leser der Zeitung XY mit einer Annonce dafür entschuldigen, dass ein nicht genannter Jour-
nalist angeblich einen fürchterlichen Artikel geschrieben hat.
Oder ein Kunde eines Friseurs gibt eine Annonce auf, ihm seien die Haare ganz fürchterlich geschnitten worden; man möge das doch bitte bei seinem Anblick entschuldigen...

Um meinen Kritikern diese Chance zu rauben, entschuldige ich mich hier-
mit schon mal vorab in aller Form für meinen fürchterlichen Artikel!
 

Kommentare:

  1. Ist sicher schwierig zu beurteilen,
    was da schief gelaufen sein könnte.
    Oft ist es allerdings so, dass die Angehörigen
    völlig überhöhte Erwartungen haben, nach denen+
    der Priester in der Beerdigungsmesse wer weiß was
    für tolle und ausführliche Gedanken über sämtliche
    Stationen des Lebens vortragen sollte, die der
    Verstorbene erlebt hat.
    Wenn der sich dann auch noch nur alle Jubeljahre mal
    in der Kirche hat blicken lassen, ist die Überforderung
    des Pfarrers leicht einzusehen!

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  2. Ein Münchner auf Erden31. März 2016 um 08:18

    Ich habe auch schon mal solch eine
    grottenschlechte Ansprache miterlebt -
    allerdings bei einem evangelischen Pfarrer,
    der nicht zu Ende kommen wollte und fast
    30 MInuten über den Verstorbenen predigte.
    Man konnte zum Schluß den Eindruck haben,
    es habe sich um einen heiligmäßigen Menschen
    gehandelt, so triefte es.
    Viele der Anwesenden wussten es aber besser,
    da er ein Schlitzohr und Saisonchrist war,
    der es immer verstanden hatte, seien Vorteil
    aus allem zu schlagen.
    Nicht nur die Jäger übertreiben manchmal maßlos...

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  3. Manche glauben,
    wegen der gezahlten Kirchensteuer
    und ansonsten stetiger Abwesenheit hätten
    sie einen Rechtsanspruch auf eine perfekte
    Gestaltung einer Trauerfeier.
    Wenn man sich vorher mit dem Priester
    zusammensetzt und alles in Ruhe bespricht,
    passiert sowas eher selten!

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    1. Tja, wenn man sich in Ruhe mit dem Pfarrer zusammensetzen kann...
      Die Realität aber ist, dass immer mehr Pfarrer Beerdigungen abhalten, ohne vorher den pastoral fälligen Besuch im Trauerhaus bei den Angehörigen gemacht und mit ihnen in Ruhe gesprochen zu haben. Ich habe schon mehrfach von unserem Pfarrer gehört, so etwas sei "heute nicht mehr zumutbar" (sic!).

      Natürlich haben die Pfarrer viel zu tun, aber es gibt nicht wenige, die sich hinter diesem Argument auch verstecken und ein recht beschauliches Arbeitsleben führen, mit zwei Viertele schon zum Mittagessen etc.
      Dass die Beerdigungen dann dementsprechend ausfallen, sollte keinen verwundern.

      Das hat auch damit zu tun, wie mir ein Priester mal in entwaffnender Offenheit sagte, dass Beerdigungen ja kein Sakrament sind, sie also grundsätzlich auch Nicht-Priester machen können (und vielfach auch machen), und dass die Priester das deshalb nicht so wichtig nehmen.

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    2. Zu den "zwei Viertele": da sprechen Sie en passant ein wirklich ernstes Problem an, das, anders als inzwischen die Missbrauchsproblematik, immer noch auf breiter Front beschwiegen und verdrängt wird: Die Priester und der Alkohol.
      In unserer Heimatpfarrei gab es in den letzten 35 Jahren vier Pfarrer, und drei von ihnen sind irgendwann gegangen (worden), weil sie ein mehr oder weniger massives Alkoholproblem hatten. Einer von ihnen hat selbst gar kein Hehl draus gemacht und begründete seine Trinkerei mit dem Klassiker aller klerikalen Rechtfertigungen, dem "Alleinsein".
      Für mich eine reine Schutzbehauptung. Man kann sehr vieles gegen das Alleinsein unternehmen, auch als Priester, ohne zur Flasche zu greifen.

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    3. Ich denke, der Zeitpunkt ist demnächst überall gekommen, wo jeder Durchschnittskatholik von einem beauftragten Laien verscharrt wird. Selbst Gemeindereferenten(innen) sind sich dazu zu schade. Priester sind für Vermögens- und Immobilienverwaltung unentbehrlich.

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    4. Der Tag ist nicht mehr fern und in einigen Gemeinden schon gekommen, wo "Beauftragte Laien" diese Aufgabe übernehmen. Kürzlich wurde in einem Paderborner Pastoralen Raum mit 16 ansässigen Klerikern ein Laie zum Beerdigen beauftragt. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

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    5. Manchmal wird man das ungute Gefühl nicht mehr los, dass etliche unserer Pfarrer schlicht - faul sind. Das zeigt sich ja nicht nur bei Beerdigungen. Wenn ich nur daran denke, dass es kaum noch Pfarrer gibt, die den so wichtigen, weichenstellenden Kommunions-Unterricht noch machen. Das wird völig selbstverständlich den zumeist total überforderten "Kommunionsmüttern" zugeschanzt, die das dann mehr oder weniger lustlos hinter sich bringen. Das "Ergebnis" ist entsprechend: die Kinder werden eher aus der Kirche raus-, statt in sie hinein "kommuniziert".

      Und dann schwadronieren dieselben Pfarrer davon, dass die Eucharistie die Quelle und Höhepunkt der Kirche sei. Stimmt ja, aber dann, liebe Hochwürdigen Herren, muss die Hinführung dazu Eure erste und vornehmste Pflicht sein!

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  4. Ich denke, es gibt beides -
    "unmögliche" Angehörige und ebensolche Pfarrer.
    Und es gibt auch die 98 %, wo es zur Zufriedenheit
    aller Beteiligten abläuft.
    Manchem Katholiken ist das vielleicht nicht
    bewusst - ich will da auch kein "Mitleid" - ,
    aber so mancher Pfarrer hat in der Woche drei oder
    vier Beerdigungen zu halten; da ist es leider nicht
    möglich, für jeden Trauerfall mehrere Stunden für
    die Gottesdienstvorbereitung zu investieren. Es muss
    auch schon mal zügig gehen. So ist die Realität.

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