Montag, 23. Mai 2016

Kritisches zur "katholisch.de"-Buchvorstellung "Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt" von Erik Flügge...

Erik Flügge? - Kenne ich
den nicht irgendwo her? - Wenn Leser sich das fragen, dann haben diese vielleicht meinen früheren Artikel gelesen, in dem zitiert wird,
wie wichtig Erik Flügge ist:    
"Ich bin nicht irgendjemand, der über die Katholische Kirche schimpft.
Ich bin ein Mitglied und um ehrlich zu sein, kein unbe-
kanntes. In den meisten Diö-
zesen Deutschlands gibt es Katholiken, die mich kennen... Auch bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) bin ich kein unbeschriebenes Blatt. Ich gehöre zu den jüngsten Menschen, die in den letzten 200 Jahren in der Konferenz gesprochen haben. Ich zähle zu denen, denen dort am längsten zugehört wurde..."

Da erfuhren wir denn auch aus seinem Munde, dass "es nicht darum geht, alle jeden Sonntag in die Kirche zu bringen", ein Satz, der nicht vergessen werden sollte... ---> HIER !
Unter mangelndem Selbstbewusstsein leidet er jedenfalls nicht, der Herr Flügge; ein Bloggerkollege formulierte das ein wenig schärfer ---> HIER !
Als Juso in der SPD gehörte er zu den Erfindern des "Currywurst"-Wahl-
kampfplakates  ( ---> HIER !), und mit seiner Beratungsfirma ist er bun-
desweit unterwegs, z.B. als Moderator bei einer Veranstaltung für eine Freizeitanlage. ---> HIER !


Heute wird bei "katholisch.de" sein Buch vorgestellt, das ab morgen auf dem Buchmarkt zu haben ist; man könnte also fast von einer Art Werbemaßnahme sprechen ---> HIER !
Sein Buch "Der Jargon der Betroffenheit: Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt" geht davon aus, dass die typische Sprache in unseren Gottesdiensten eine Hauptursache dafür ist, dass Menschen nicht mehr in die Kirche gehen oder sogar aus ihr austreten - eine kühne Annahme, die er schon ein Jahr zuvor in einem Blogeintrag äußerte, der einigen medialen Wirbel pro und contra auslöste ---> HIER !

Presseartikel dazu ---> HIER !

Solche Vermutungen, wie Flügge sie äußert, sind übrigens weder neu noch originell, da gibt es aus den Jahren zuvor eine ganze Reihe von ähnlichen Artikeln, z.B. 2014 beim "sinnstiftermag" ---> HIER !
Ging Flügge vorher noch davon aus, dass es gar nicht darum geht (siehe oben), alle sonntags in die Kirche zu bringen, soll jetzt also die typische Kirchensprache die Leute abschrecken, den Gottesdienst zu besuchen.

Ob das aber auch stimmt?                                                                            Es gibt auch ganz gegenteilige Überlegungen, und zwar auch aus der Berater-Branche. Es gibt Aufsätze, die davon ausgehen, dass es gerade die heute so gerne angewendete nichtssagende Zeitgeist-Biertisch-Sprache ist, die die Menschen abstößt, denn wenn sie was über Politik oder Umwelt-
schutz wissen wollen, brauchen sie dazu nicht unbedingt eine Predigt am Sonntag. Gerade dieses Ausweichen auf Nebenthemen und eine butter-
weiche Formulierung lässt viele die Flucht aus der Kirche ergreifen, heißt es ---> HIER !

Ähnlich argumentiert auch ein Marketing-Experte: Die Kirche hat eine Menge zu bieten, aber nur, wenn sie sich auf ihren "Markenkern" besinnt... ---> HIER !
Mit anderen Worten: Man kann das Buch von Erik Flügge lesen, man muss es aber nicht...


Kommentare:

  1. Vielleicht hätte Herr Flügge mal einen kleinen Blick
    in die Bibel werfen sollen, was da erst für eine
    verzwickte Sprache verwendet wird...
    Es ist schon verrückt: Ständig haben irgendwelche Leute
    irgendwelche Thesen, warum weniger Leute in die Kirche
    gehen. Jetzt liegt's also an der Sprache.
    Ich will Ihnen mal was sagen:
    Es liegt nicht an der Sprache, es liegt an der
    Faulheit der Leute!

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  2. Für meine Begriffe ist das, was katholisch.de
    da anbietet, nur Sprücheklopferei.
    Genauso gut könnte man behaupten, die Leute gingen
    nicht ins Fußballstadion, weil ihnen die Fachsprache
    dort missfällt.
    Ich wäre ja mal echt neugierig, wie der schlaue
    Buchautor Flügge z.B. das wunderschöne Lied
    "Großer Gott, wir loben dich"
    umtexten würde -
    denn die Lieder sind dann ja auch nicht mehr zeit-
    gemäß und biertisch-tauglich.
    Statt "Großer Gott wir loben dich"
    würde die erste Zeile dann vielleicht lauten:
    Alter da irgendwo, du bist cool, läuft bei dir?!

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  3. Dann muss Herr Flügge aber die Bibel in den Ursprachen lesen, was kaum ein Priester mehr beherrscht. Denn die Übersetzungen wurden natürlich stets der Sprachentwicklung angepasst.

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  4. Diözesaner Bürohengst23. Mai 2016 um 10:34

    Die These ist schlicht Unsinn.
    Die typischen Kirchenaustrittsgründe sind mehrfach
    von Meinungsforschungsinstituten und Hochschulen
    untersucht worden; die Sprache zählt nirgendwo zu
    den Hauptgründen.
    Ein Beispiel:
    http://fowid.de/fileadmin/datenarchiv/Kirchenein_austritte/Kirchenaustrittsgruende.pdf

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  5. Vielleicht schläft der Autor nächstes Mal
    erst mal eine Nacht darüber, bevor er solch einen
    Text bei "katholisch.de" veröffentlicht.
    Ich frage mich z.B., was denn eine Predigt in Zivil-
    kleidung am sprachlichen Verständnis verbessern soll?!
    In Priesterkleidung wird jedem klar, dass der Mann
    da vorne am Ambo nicht zu seinem Privatvergnügen
    da steht!

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  6. Es ist immer wieder interessant,
    wie sehr im Facebook-Auftritt von
    "katholisch.de" die überwiegende Zahl der
    Leseräußerungen sich von der Haltung der
    Redaktion unterscheidet.
    Das Grauen moderner Gestaltung bringt eine
    Leserin mit zwei Video-Beispielen auf
    den Punkt:

    https://www.youtube.com/watch?v=ki3iWw7Lxuo

    https://www.youtube.com/watch?v=ciwA3Mi7btA

    Mein guter Rat:
    Lasst uns unsere Gottesdienste, die wir zu Ehren
    Gottes feiern - und nicht zu Ehren irgendwelcher
    mehr oder weniger wichtigen Germanistik-Berater!

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  7. Einzelne Formulierung im "katholisch.de"-Artikel
    sind so haarsträubend unsinnig, dass man nur
    noch staunt.
    Ein Beispiel: "Wir leben in einer Zeit, in der Sprechen
    in Bildern und Analogien nicht mehr zum gewohnten
    Sprachgebrauch gehört. Menschen sprechen heute exakt
    das aus, was sie auch meinen".
    Der Autor hat offenbar noch nie eine Liebeserklärung
    gemacht oder erhalten, er hat noch nie jemandem
    gratuliert und noch nie eine Rede zu einem Festtag
    gehalten.
    Und Kunst von der bildenden Kunst bis zur Oper ist
    ihm offenbar auch völlig fremd - oder will er
    behaupten, Gemälde bildeten nur "exakt" die Wirklich-
    keit ab?!
    Ein bedauerlicher Artikel, auch deshalb, weil er
    einen Tag vor der Veröffentlichung des Buches erscheint
    und in der Tat dadurch wie eine freundliche Gefälligkeit
    und Werbemaßnahmen erscheinen kann...

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  8. Nun, ich möchte dem flüggen jungen Herrn in einem Punkt recht geben: Die der Liturgie inadäquate Sprache. Wenn ich die sachlich-nüchterne und dabei formvollendet schöne Sprache der liturgischen Bücher und ihre Übersetzungen bis 1962 betrachte, so ist der heutzutage gepflegte Alltags-. oder Verkumpelungsduktus nur als unerträgliche Verflachung zu betrachten. Ansonsten ich ihm nicht folgen, verständlicherweise.

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