Sonntag, 22. Mai 2016

Nicht besonders gut bezahlte Angestellte im Vatikan: Papst Franziskus, der Ausbeuter...?

Erst vor wenigen Tagen sprach Papst Franziskus zu Recht anklagend über Lohndumping und andere Formen der Ausbeutung mensch-
licher Arbeitskraft; das sei eine Tod-
sünde... ---> HIER !
Andererseits gibt es die Redewendung, man solle erst einmal vor der eigenen Türe kehren, und die gibt's auch im Vatikan. Bereits 2014 berichtete ich über Unzufriedenheit von Angestellten, die von den Sparmaßnahmen im Vatikan betroffen sind... ---> HIER !

Ein deutscher Vatikan-Korrespondent bestätigt dies in einem Interview mit "katholisch.de" am 3.9.2014:  "Die vatikanischen Mitarbeiter haben un-
ter Franziskus Schwierigkeiten, die gleiche Motivation zu entwickeln wie unter Benedikt XVI. Die kleinen Angestellten haben den Eindruck, dass durch ... eine Abschaffung der Altersvorsorge an ihnen das Beispiel der Kirche der Armen statuiert werden soll." ---> HIER !


Gestern erschien im katholischen Portal "CRUX" ein Artikel, der das Thema aktualisiert aufgreift: Man habe von Mitarbeitern im Vatikan von Unzufriedenheit gehört, aber keiner wolle öffentlich genannt werden. "Wenn es nach Franziskus ginge", wird ein Vatikan-Angestellter zitiert, "dann würden wir alle kostenlos arbeiten".
Man wolle ja nicht Millionär werden, aber das Gehalt sei einfach zu knapp, während dagegen die Kardinäle außer einem guten Gehalt auch noch et-
liche zusätzliche Vergünstigungen bekämen bis hin zu verbilligten Ziga-
retten. Der Durchschnittsverdienst der Angestellten betrage dagegen weniger als 20.000 Euro im Jahr.
Außerdem gebe es mittlerweile auch im Vatikan die vom Papst kürzlich
erst öffentlich kritisierten Zeitverträge. Dadurch herrsche ein allge-
meines Gefühl der Angst, dass Verträge vielleicht nicht erneuert würden... ---> HIER !
Was an den neuerlichen Vorwürfen im Detail dran ist, kann ich nicht überprüfen, aber nach der bekannten Vorgeschichte scheint mir das nicht aus den Fingern gesogen zu sein. Der Vatikan als Ausbeuter?

Kommentare:

  1. Kardinäle bekommen verbilligte Zigaretten?
    Hört sich ja irre an.

    Im CRUX-Artikel steht allerdings, dass *alle* Vatikanbeschäftigten diese Vorteile erhalten (steuerfreies Einkommen, freies Einkaufen in Dutyfree-Shops, 1800 Liter Benzin jährlich als Deputat, verbilligte Zigaretten), also auch die unterbezahlten Zeitarbeiter.

    Warum ausgerechnet ein Kulturkampfverein wie die Kolumbusritter das Thema jetzt anpacken, nachdem der Papst gerade über Arbeitsausbeutung gesprochen hat? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber journalistisch ausgezeichnet gemacht, danke lieber Kreuzknappe, sehr aufschlussreicher Artikel, das ist Journalismus vom Feinsten (himmelweiter Unterschied zu CNA).

    Die Geschichte mit den eigtl. für Ordensangehörige gedachten sozialleistungsfreien Religiosenverträgen über "freiwillige Mitarbeit", die aufgrund des Einstellungsstopps zunehmend als Beschäftigungsbasis für neue Mitarbeiter missbraucht werden, klingt nach einem klass. Ausbeutungsmodell.

    Dass man Beschwerdebriefe an den Papst nicht zukleben darf, damit die vatikanische Zensur vorher nachschauen kann, ob die Beschwerde dem Papst auch zuzumuten ist, klingt auch schauerlich.

    Der letzte Satz des Artikels scheint den Papst dann wieder etwas in Schutz zu nehmen. Insgesamt will er den 'Moloch' Vatikan sicherlich auf sämtlichen Ebenen schwächen. In dem Punkt ist Bergoglio wohl ein Anhänger Dantes und nimmt da auch nicht viele Rücksichten.

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    1. Für den Außenstehenden bleibt das alles etwas undurchsichtig. Man muss da vermutlich auch unterscheiden,
      wer wieviel verbilligt bekommt.
      Klar können alle Vatikan-Angestellten steuerbegünstigt
      im Vatikan-Supermarkt einkaufen, das ist sicher ein
      nicht zu unterschätzendeer Punkt, eine "geldwerte" Leistung.
      Für die Kardinäle & Co. scheint es aber noch zusätzliche Extras zu geben, wie z.B. "La Repubblica"
      im Oktober 2014 schrieb:
      http://www.repubblica.it/cronaca/2014/10/09/news/sigarette_scontate_per_i_cardinali_ecco_i_benefit_del_vaticano-97680174/?rss

      In dem der Zeitung zugespielten Papier vom 26. März 2014 sind die Vorteile aufgelistet, die (angeblich) speziell
      den Kardinälen beim Einkauf im Vatikanstaat zustehen. Trotz meiner jahr-
      zehntelang mühsam erarbeiteten Abhärtung in Sachen Vatikan staune ich beim Lesen nicht schlecht: Für die hohen Oberhirten gibt's beispielsweise 20 % Rabatt auf den Listenpreis von bis zu 200 Packungen Zigaretten - pro Monat, wohlgemerkt. Benzin und andere Waren sind ebenfalls deut-
      lich rabattiert.
      Die Zeitung nimmt nicht an, dass jeder Kardinal (heimlicher) Raucher ist. Dennoch, so glaubt man zu wissen, würden auf den Ausweis etlicher Kardi-
      näle z.B. viele Zigaretten gekauft, die man dann beispielsweise als beliebte Geschenke verwende. Böswillige behaupten gar, beim online-Auktionshaus "ebay" seien auch schon solche Zigaretten versteigert worden.

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    2. ... und dann gibt es noch, nicht an die große
      Glocke gehängt, das "maggazino",
      ein Kaufhaus, in dem es feine Dinge zu kaufen gibt:

      http://kreuzknappe.blogspot.de/2014/06/edle-uhren-dessous-aus-seide-nobel-mode.html

      Gedacht ist der katholische Konsum-
      tempel für Mitarbeiter des Vatikans, für die Angehörigen der Kurie und der zahlreichen beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaften.
      In der Praxis dürfte jedoch nach meiner Schätzung der Anteil der einfachen Vatikan-Angestellten, die sich etwa eine Uhr für 3.500 Euro leisten kön-
      nen, eher gering ausfallen. Die besser verdienende Kundschaft lockt es wohl gerade deshalb dorthin, weil die Waren wie in "duty-free-shops" im Schnitt etwa 20 % billiger zu haben sind als draußen vor der Vatikanmauer, in Italien. Und das läppert sich dann ganz schön, weswegen clevere Leute mit dem bekannten "Vitamin B" gerne auch mal einen Besitzer der notwen-
      digen Einkaufsberechtigung begleiten, um diesen dann zu instruieren, was der (selbstverständlich für sich selbst) kaufen soll.

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  2. Das Luxus-Kaufhaus im Vatikanstaat ist ein
    interessanterweise auch in den kritischen Medien
    nur selten aufgegriffenes Thema.
    Die Verteidiger argumentieren dann gerne, der Einkauf
    dort stünde schließlich jedem Vatikanbürger und jedem
    Vatikanangestellten frei.
    Das ist bei Lichte betrachtet allerdings nur eine
    Alibi-Aussage, denn es werden in der Tat auffallend
    viele Luxusgüter wie teure Uhren, Parfums etc angeboten,
    für die ein normaler Angestellter wohl kaum z.B.
    1.000 oder 2.000 Euro ausgeben könnte.
    Der Einkauf dort ist wegen der Steuerbefreiung eine Art
    Geheimtipp, und viele Diplomaten in Rom kaufen dort auch
    ein, und mancher Besserverdiener in Rom kennt jemanden
    im Vatikan, der einen Einkaufsschein hat und ihm den
    kleinen Gefallen tut, z.B. ein in Italien 200 Euro
    kostendes Parfum für 160 Euro zu besorgen...

    http://www.thetimes.co.uk/tto/news/world/europe/article4028038.ece

    Dass Papst Franziskus da noch nicht eingegriffen hat,
    ist in der Tat erstaunlich.

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  3. Möglicherweise gehört auch sein Pressechef zu den unterbezahlten Mitarbeitern. Ich denke hier nur an das LaCroix-Interview, das selbst ein Praktikant so nie freigegeben hätte.

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  4. Ein Bonzen-Einkaufsparadies, wie einstmals in Wandlitz, mitten im Vatikan. Prunk- und Protzkirche eben.

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  5. Bevor die Tradis jetzt wieder genüsslich
    über Papst Franziskus herfallen, mache ich vorsorglich
    darauf aufmerksam, dass dieses Luxus-Kaufhaus
    v o r seiner Zeit entstanden ist -
    schönen Luxus-Gruß an Papst Benedikt...!

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    1. Klar, Bene war zwar nicht als Theologe, aber vom Habituellen ein Prunkpapst. S. seine roten Schühchen, die die Tradis so geliebt haben.

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