Freitag, 13. Mai 2016

Papst will Diakoninnen? - Gerade läuft mal wieder der Kampf um die Deutungshoheit. Vatikan hält sich auffallend bedeckt...

Eine spontane Äußerung des Papstes - ich schrieb gestern schon darüber. Nun ist der Kampf um die Deutungshoheit bei den Katholiken voll ent-
brannt, während die meisten Medien fast wie gleichge-
schaltet Standard-Formulie-
rungen nutzen wie "Papst erwägt Diakoninnen-Amt
für Frauen"
, zumeist ohne die wenigen von den Agenturen gelieferten
Infos zu hinterfragen.
Und der Vatikan gibt sich unterdessen auffallend zugeknöpft. Offiziell gab es auch nach etlichen Stunden immer noch keine autorisierte Fassung der Papst-Aussagen bei einer Fragerunde der Ordensoberinnen.
Das große Rätselraten - was hat er eigentlich genau gesagt?
Und: Was hat er damit gemeint?

ZDF-Rom-Korrespondent Jürgen Erbacher macht sich in seinem Blog "Papstgeflüster" auch so seine Gedanken. Eigentlich ist alles offen, findet er. "Es würde der Kirche gut tun, diesen Punkt zu klären", habe der Papst wörtlich gesagt. Und Erbacher weist darauf hin, dass es Diakoninnen in der Kirche lange Zeit zumindest vereinzelt gab. Der Streit geht seit Jahrzehnten in der Fachwelt allerdings darüber, was deren Aufgaben waren - und was nicht. Und dann erinnert Erbacher daran, dass der Papst erst kürzlich dem Predigtdienst von Laien in der Heiligen Messe eine erneute klare Absage erteilt habe... ---> HIER !
Interessant auch einige Details, die man bei "katholisches.info" nachlesen kann... ---> HIER !
Im Internet wird an verschiedenen Stellen daran erinnert, dass es dann, wenn das Diakonat für Frauen denn käme, eine Spezialkonstruktion geben müsste, gewissermaßen ein Diakonat "light", denn eigentlich sei das Weiheamt dreistufig angelegt... ---> HIER !
Selbst Vordenker Kardinal Kasper drückte sich bei seinem Vortrag 2013 vor der Deutschen Bischofskonferenz relativ vorsichtig aus. ---> HIER !
Auch vor der Presse erklärte Kasper damals, die vereinzelten Diakoninnen im Westen seien "kein Pendant" zum männlichen Diakon gewesen; im Vi-
deo
etwa bei Minute 0:54 zu hören... ---> HIER !

Mit anderen Worten:   Mit der gestrigen Papst-Bemerkung ist die Diskussion wieder neu angeschoben worden. Die Zurückhaltung des Vati-
kans zeigt, dass man nicht daran interessiert ist, sich daran zu beteiligen, die nächste mediale Sau durchs Dorf zu treiben. Eine Kommission wird wohl gebildet. Und dann sieht man weiter...

Kommentare:

  1. VIEL HEISSE LUFT !!!

    Papst Franziskus sagte wortwörtlich in spanischer Sprache: „Wenn man von Frauen als Diakoninnen in den ersten Jahrhunderten der Kirche spricht, dann ist nicht wirklich bekannt, welche Rolle sie damals innehatten. Ob man eine offizielle Kommission einsetzen soll, die diese Frage vertieft? Einverstanden. Ich werde das ansprechen, damit so etwas umgesetzt werden kann – eine Studienkommission einrichten –, diesen Vorschlag nehme ich an.“

    http://www.kath.net/news/55175

    Klar ist damit eines: Der Papst hat weder davon gesprochen, ein Diakonat für Frauen einrichten zu wollen, noch dass er damit einverstanden sei. Es ging ihm einzig darum, die Rolle von Frauen als Diakoninnen in den Anfängen der Kirche wissenschaftlich zu vertiefen.

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  2. Der Thuriferar13. Mai 2016 um 07:28

    Das übliche Chaos,
    wie wir es unter Papst Franziskus gewohnt sind.
    Hinter den Kulissen wird im Vatikan jetzt bestimmt
    unter Hochdruck daran gearbeitet, die Kuh wieder vom
    Eis zu kriegen.

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  3. Der Vatikan schweigt und schweigt und schweigt.
    Was ist der mieseste Job der Welt in dieser Zeit?
    Klar, Vatikansprecher unter Papst Franziskus!

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  4. Es wird sich auch da ähnlich entwickeln wie bei den WvG. Die offizielle Lehre bleibt abstrakt unangetastet, aber durch die jesuitische Situationsethik, die sich nicht sklavisch an ein abstraktes "Naturgesetz" bindet, werden Spielräume entstehen, in denen Formen des Frauendiakonats geschaffen werden.

    Was angeichts dessen, dass kirchliches Leben viel stärker von Frauen als von Männern bestimmt wird, auch nur logisch ist.

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  5. Diözesaner Bürohengst13. Mai 2016 um 09:54

    Es spricht nichts gegen einen Frauen-Diakonat,
    wie er in der Urkirche üblich war: Als hilfreiche
    Assistentin, als Frauen-Katechetin, als Kranken-
    besucherin usw.
    Es ist gut, wenn das jetzt angepackt werden würde.
    Nur eines will der Papst offenbar nicht, weil er
    in seiner Antwort an die Ordensoberinnen ausdrücklich
    vor einer "Klerikalisierung" der Fragehaltung gewarnt
    hat:
    Zur Enttäuschung mancher Frauen wird es zum geringsten
    Teil um einen neuen Altardienst gehen, sondern es
    geht um praktische Diakonie.
    Da werden noch einige Tränen rollen bei denen,
    die sich schon am Ziel wähnten, die Priesterin spielen
    zu dürfen.

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    1. Der Hauptunterschied besteht aber natürlich darin, dass es sich um ein Weiheamt handelt (egal ob mit oder ohne Altardienst). Die frühchristlichen Diakone waren ja in erster Linie Bischofsvertreter, also Diözesanbezirksleiter, Oberkatecheten, Personalchefs, Caritasdirektoren und Finanzverwalter, also keineswegs irgendein untergeordnetes Hilfs-Amt, sondern ausgesprochen hochrangig. Bei Frauen mag das teilweise anders ausgesehen haben, aber jedenfalls waren solche Ämter sehr prestigeträchtig in der spätantiken Stadt.

      "Klerikalisierung" als Gefahr für die Kirche sieht der Papst ja vor allem darin, dass die Priester ihre Wichtigkeit überschätzen und ehrgeizige Frauen ihnen nacheifern. Das betrifft also Mann und Frau gleichermaßen.

      Insofern wäre es vllt. schon im Sinne einer "Entklerikalisierung" sinnvoll, wenn Frauen ein eigenes *Weiheamt* bekommen, selbst wenn da kein "Altardienst" zugehören sollte (was bei den frühchristlichen Diakonen und Diakoninnen auch nicht hundertprozentig klar ist), was aber vom Prestige her dem Priester in nichts nachsteht.
      Weil so eben die allzu scharfe Unterscheidung zwischen "Laien" und "Geweihten" untergraben würde und man bei "Geweihten" eben auch nicht mehr nur an Männer denken müsste. Der "Entklerikalisierung" der Kirche könnte das eigtl. nur guttun.

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  6. Bei katholisch.de
    las ich gerade eine kurze Stellungnahme einer
    Teilnehmerin an jenem Treffen.
    Es ging wirklich nur um die Einrichtung einer Kommission,
    mehr nicht. Sie berichtet, dass es Beifall für den
    Papst gegeben habe, aber auch Kopfschütteln deswegen !!!

    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/diskussionen-um-papst-worte-zum-diakonat

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