Montag, 16. Mai 2016

Pfingstmontag: "Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt..." (Joh 3,16-21)



Der Satz, den Jesus da spricht, ist sicher einer der schönsten und anrührendsten im ganzen Neuen Testament.
Martin Luther formulierte später für seine Zuhörer ganz treffend, diese Worte wären „es wert, daß man sie mit goldenen Buchstaben ins Herz schriebe“.
Dieser Satz, den wir eben gehört haben, heißt: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“

Was für ein Satz! Was für ein Geschenk!

Wir vergessen das im Alltagsgewühl allzu schnell: Gott hat die Welt so sehr geliebt…! So kann Liebe sein, unbegreifliche, göttliche Liebe!
Eine Liebe, die einfach alles daransetzt, dass die Welt nicht zugrunde geht!
Diese Welt liegt Gott wirklich am Herzen! Er hat sie nicht zu seinem Freizeitvergnügen geschaffen. Nein, sein Herzblut hängt daran!

Diese Welt, diese Erde ist nicht einfach so da. Diese Welt wird getragen und zusammengehalten von unfassbarer Liebe göttlichen Ausmaßes.
Und das von Gott vorgesehene Ziel für die Menschen ist nicht Tod, sondern das ewige himmlische Leben bei Gott.
Gott hat uns das größtmögliche Zeichen der Liebe geschenkt, er hat seinen einzigen Sohn für uns am Kreuz hingegeben. Was für eine Liebe, was für ein Gott!
Gott ist also nicht der Superspion, der alle unsere kleinen und großen Missetaten buchhalterisch korrekt mit zwei Durchschlägen in unsere himmlische Akte abheftet. Gott ist nicht der Gott, der uns wie ein grimmiger alter Mann rund um die Uhr misstrauisch auf die Finger schaut. Solch ein Gott wäre diese Menschen sicher lieber heute als morgen los. Solch ein Gott würde für dieses Gesindel da unten auf der Erde wohl kaum auch nur einen Finger krumm machen.
Nein, sagt Jesus, Gott hat seinen geliebten Sohn ausdrücklich gesandt, damit die Welt gerettet wird und nicht, damit sie gerichtet wird.
Gott will retten, und keiner soll verloren gehen, wie Jesus an anderer Stelle z.B. mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf oder vom verlorenen Sohn betont.
Doch man darf es sich andererseits auch nicht zu einfach machen. Dieser Satz Jesu sagt aus, dass derjenige nicht gerichtet wird, der an ihn glaubt. Er sagt aber ebenso deutlich, dass derjenige schon gerichtet ist, der nicht an ihn glaubt. Wer Jesus also ganz bewusst und in klarer Entscheidung ablehnt, der hat sich selbst sein Urteil gesprochen, der hat sich selbst gerichtet.
Wer das Licht, das in die Welt kam, einfach ablehnt und lieber weiter im Dunkeln dahinleben will, der hat wohl seine Gründe. Er lehnt das Licht ab, weil er im Finsteren leben will, weil er nicht will, das seine Taten ans Licht kommen. Solch ein Mensch will einfach nicht umkehren. Auch das gibt es also: Dieser Mensch lehnt das großartige Rettungsangebot Gottes dankend ab: Nein danke, ich habe schon alles. Mir geht es doch gut. Warum sollte ich mich ändern?
Nee, lieber Gott, störe mich bitte nicht! Ich zappe dich einfach mit meiner Fernbedienung fort aus meinem Leben und wähle lieber ein seichtes Unterhaltungsprogramm.
Von dieser Sorte Menschen gibt es leider viele. Im Evangelium sagt  Jesus darum auch verallgemeinernd „die Menschen“ :  „Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.“
Wir merken auch hier: Jesus macht sich nichts vor. Er ist ein Realist. Niemand kennt die Menschen so gut wie er. Er weiß, dass der Mensch schon seit Adam und Eva dazu neigt, immer mehr haben zu wollen. Und zwar meistens zum eigenen Vorteil und zum Nachteil anderer.
Darum fällt es den Menschen auch so schwer, sich so vertrauensvoll wie ein Kind und ohne Zögern der Liebe Gottes anzuvertrauen. Zu sehr haben wir gelernt, alles im Leben als ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zu betrachten. Die Frage ist schon fast in unseren Kopf fest eingebaut: Was bekomme ich denn dafür?
Und passend dazu die Rechnung: Wieviel muss ich denn investieren, damit ich etwas von Gott kriege?  Sind es 100 Gebete, oder 200, oder vielleicht gar 300? - Mit solchen Überlegungen machen wir Gott wirklich selbst zum Oberbuchhalter! 

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