Dienstag, 12. Juli 2016

Der Vatikan erteilt Kardinal Sarah eine Rüge wegen Zelebrationsrichtung. Wirklich...???

Durch den Hinweis in einem gestrigen Leserkommentar wurde ich erst darauf auf-
merksam: Angeblich hat der Vatikan bezüglich der Äuße-
rungen zur Zelebrationsrich-
tung Kardinal Sarah sowas wie eine indirekte Rüge erteilt.
Wie ein paar Internetseiten mit bezug auf den Vatikanisten Andrea Tornielli berichten, habe der Vatikanische Presse-
saal "Änderungen in der Zele-
brationsrichtung dementiert"
. Man schaue z.B. ---> HIER ! --  Nun kann sich eigentlich jeder ja ange-
sichts der Stimmung bei vielen Medien selbst ausrechnen, für was für ein Lauffeuer solch ein Rüffel für Sarah gesorgt haben würde - wenn es denn ein Rüffel wäre, und da ist das Problem. Noch nicht einmal "katholisch.de", für die das doch ein gefundenes Fressen sein würde, hat bislang darüber geschrieben, aber auch nicht "Radio Vatikan".

Da sollte man vielleicht schon stutzig werden, denn wer lässt sich schon solch eine "Sensation" entgehen, wenn der Vatikansprecher den von Papst Franziskus selbst ernannten Chef der Kongregation für Gottesdienst und Sakramentenordnung zur Schnecke macht.
Der Haken beim vermeintlichen Rüffel ist schnell entdeckt: Ein paar Medien unterstellten einfach, es gäbe zum 1. Advent 2016 eine von Sarah verfügte verbindliche Änderung in der Zelebrationsrichtung.
Das ist natürlich reine Phantasie, denn genau das hat er nicht gesagt, sondern er hat eine Bitte ausgesprochen, worauf ich in vorangegangenen Artikeln genügend hingewiesen habe.

Also: Es reicht noch nicht mal für den Sturm im Wasserglas!
Hilfreich ist da  die Erläuterung des Kirchenrechtlers Dr. Gero Weishaupt, wie man sie bei "kathnews" ausführlich nachlesen kann: Es geht also beim Hinweis des Vatikanischen Pressesaals nur darum, eventuellen falschen Interpretationen Einhalt zu gebieten. Das scheint offenbar auch nötig zu sein... ---> HIER !

Kommentare:

  1. Ordinariatsgeschädigter12. Juli 2016 um 07:27

    So ist es!
    Man muss die vatikanischen Gepflogenheiten schon ein wenig
    kennen und einschätzen lernen. Hier ist kein Rüffel für
    Sarah, sondern eine Klarstellung, damit die Medien nicht
    allzu viel Unsinn schreiben.

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  2. Viel, viel dummes Zeug in den Medien,
    wie so oft.
    Einer hat eine Meinung, die mehr oder weniger
    viel mit der Wahrheit zu tun hat, und die anderen
    schreiben ab. Intern wird sowas "Rudeljorunalismus"
    genannt...
    Was Kardinal Sarah auf er Tagung wirklich sagte:

    http://www.occidens.de/chronica/liturg4.htm#sarah

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  3. Zustimmung!
    Da ist mal wieder etwas unnötig aufgeblasen worden.
    Erstaunlich in der Tat, dass "katholisch.de" das
    nicht aufgreift.
    Wer gelesen hat, was Kardinal Sarah gesagt hat,
    kann sich nur die Augen reiben wegen des angeblichen
    Rüffels.
    Der Kardinal hat einen gut begründeten Vorschlag ge-
    macht, eine Bitte geäußert, mehr nicht.
    Das entspricht übrigens genau dem Stil, den Papst
    Franziskus pflegt.

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  4. Das ist zwar richtig, aber die Traditionalisten selber waren es doch, die aus der Bitte im Handumdrehen eine Anordnung herausgehört haben und so taten, als stünde zum 1. Advent in der ganzen Kirche eine Wendung der Gebetsrichtung bevor. Dass da ein Kardinal nicht mehr und nicht weniger als eine ganz persönliche Bitte geäußert hatte, die jeder, dem sie nicht überzeugt, ignorieren kann, wurde dort nicht gesagt.

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  5. "katholisch.de" ist mit seinem guten Dutzend
    Redakteuren nur ein bisschen langsamer...
    Hier der Artikel

    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/vatikan-dementiert-spekulationen-um-liturgiereform

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  6. Einen sehr guten Bericht über die
    Fakten und was der Papstsprecher gesagthat,
    gibt's jetzt bei "CNA":

    http://de.catholicnewsagency.com/story/vatikansprecher-schaltet-sich-in-debatte-um-messe-ad-oriens-ein-0957

    Der Kreuzknappe war mal wieder schneller...

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  7. Wenn es hier überhaupt sowas wie einen Skandal gibt,
    dann einen Skandal gewisser Medien,
    die wieder einmal etwas in die Welt setzten,
    was so überhaupt nicht stimmt.
    Nirgendwo hat Kardinal Sarah gefordert, dass man die
    Regeln ändern muss.
    Vielleicht wäre eine Besinnung auf das Zweite Vatik.
    Konzil nicht falsch:
    Da wurde NICHT beschlossen, dass die Zelebration zum
    Volk hin der Weisheit letzter Schluss ist.

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    1. Aber Rom hat mit der Einführung der ordentlichen Form 1970 klar und unmissverständlich gesagt, dass die Zelebration versus populum der REGELFALL ist.
      Das lässt sich nun einmal nicht wegreden.

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    2. Nein, "die Medien" sind in dem Fall nun wirklich nicht schuld. Das war Kdl. Sarah schon selber. Die einzigen Medien, die da anfänglich drüber berichtet haben, sind außerdem rechtskatholische Medien.
      http://www.catholicherald.co.uk/news/2016/07/11/cardinal-nichols-discourages-priests-from-celebrating-mass-ad-orientem/#.V4OXj2cQ7es.email

      Linkskirchl. Medien haben sich praktisch ausschließlich darauf beschränkt, die kopfschüttelnden Reaktionen anderer Kirchenvertreter wiederzugeben, und sind ansonsten ausgesprochen zahm mit Sarah umgegangen.

      Eine wirkliche Analyse des Vorstoßes hat auch noch gar nicht stattgefunden. Beachtlich scheint mir da hpts. die auch vom @Römer aufgegriffene Argumentationsfigur. Sarah stellt ja die Zelebrationsrichtung bei der Messe in einen Zshg. mit den angeblichen Übertreibungen, die über die Intention des Konzils hinausgegangen wären und die man deshalb wieder heute lieber wieder zurückschneiden sollte.

      Genau das ist ja im Blick auf die Frage des Volksaltars und der Versammlung um den Altar historisch ganz falsch. Die geänderte Zelebrationsrichtung war damals *das* Symbol für den Konzilsaufbruch und für das ganze Konzil überhaupt, sowohl bei den Gläubigen als auch bei den Konzilsvätern.

      Lange Jahre heiß ersehnt (Volksaltäre wurden seit den 30er Jahren errichtet) und vom ersten Tag des Konzils Anfang der 60er Jahre (und auch schon vorher) sofort umgesetzt überall von begeisterten Priestern praktiziert.

      Ausgerechnet diesen Punkt im Rahmen einer "Reform der Reform" zurückzudrehen hätte einen unerhörten Symbolwert und würde soviel bedeuten wie das Konzil als ganzes Ereignis "zurückzudrehen".

      Symbolisch und vom kirchlichen Lebensgefühl her würde das heißen, wir tun jetzt, als ob es gar kein Konzil gegeben hätte. Die Konzilsväter würden sich im Grabe rumdrehen.

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  8. Was hat der Kardinal Sarah wörtlich gesagt?

    Das entscheidende Zitat: "Es ist sehr wichtig, dass wir schnellstmöglich zur gemeinsamen Ausrichtung von Priestern und Gläubigen zurückkehren, nach Osten oder zumindest in Richtung der Apsis, also auf den ankommenden Herrn hin."

    Also, das ist für jeden, der halbwegs hören und lesen gelernt hat, eindeutig MEHR als bloss "eine Bitte", wie es jetzt die Sarah-Fans treuherzig behaupten. Das Wort "Bitte" bzw. "ich bitte darum, dass..." kommt hier nicht vor! Sondern ein dringender Appell: "Es ist sehr wichig, dass wir schnellstmöglich..."
    Die Tradis selber haben das ja zunächst auch genau so gehört und entsprechend triumphiert.

    Es ist selbstverständlich, dass der Papst durch seinen Sprecher hier Klarheit schafft und deutlich macht, dass der Kardinal hier etwas gesagt hat, das allein dem Papst zusteht.
    Dass P. Lombardi das gewohnt vatikandiplomatisch in die Formel kleidet, das Ganze sei ein "Mißverständnis", ist üblich. Aber ist es als deutliche Maßregelung des ungehorsamen Kardinals zu hören, und der hat das auch verstanden. Sonst hätte er vorher nicht seine Zustimmung zu der Klarstellung durch den Papst-Sprecher gegeben.

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  9. Kardinal Sarah wörtlich:
    "Wie unser Papst Franziskus vor kurzem in Erinnerung
    gerufen hat, ist der Zelebrant nicht der, der ein
    Schauspiel präsentiert, er darf nicht die Sympathie der Versammlung suchen, indem er sich vor ihr aufstellt wie
    ihr Hauptunterhalter. Einzutreten in den Geist des Konzils bedeutet im Gegenteil, sich zu verleugnen, dessen zu entsagen, der Brennpunkt zu sein.
    Im Gegensatz dazu, wie manches Mal behauptet worden ist, stimmt es völlig mit der Konzilskonstitution überein,
    ist es geradezu günstig, daß sich während des Bußritus,
    des Gesangs des Gloria, der Gebete und des eucharistischen Gebets alle, Priester und Gläubige zusammen nach Osten wenden, um ihren Willen auszudrücken, am Werk des Gottesdienstes und der von Christus vollbrachten Erlösung teilzunehmen."
    DER MANN HAT SCHLICHT UND EINFACH RECHT !

    Im übrigen habe ich schon öfter beide Formen erlebt,
    wobei mir immer in unangenehmer Erinnerung geblieben
    ist, was am Volksaltar sio alles veranstaltet worden
    ist, und wie oft die Akteure am Altar in die Gegend
    und auf die Gläubigen gucken. Da bekommt man Zweifel,
    ob der Herr wirklich im Mittelpunkt der Messfeier steht.

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  10. Diesmal muss ich mich über Ihre Einschätzung doch eher wundern, lieber Kreuzknappe.

    Was immer der Herr Weishaupt da auf kathnews kirchenrechtlich zusammengefinkelt hat: Seine Schlussfolgerung, "die Empfehlung von Kardinal Sarah" sei "keineswegs verworfen", ist voll daneben und auch aus seinen Ausführungen nicht zu folgern.

    Es ist vielmehr eindeutig so, dass der Papst klar verkünden lässt: Es gibt keine Reform der Reform, und es gibt keinerlei Änderungen in der Ausrichtung bei der Liturgie. Zur Wahrung seines Gesichtes durfte Sarah behaupten, er sähe das genauso wie der Papst, und er sei falsch verstanden worden. Das ist wohl der Barmherzigkeit geschuldet. Aber in der Sache ist die Verlautbarung knallhart. Sie lässt sich meiner Meinung nach nicht anders interpretieren, als dass der Harr Kardinal da einen veritablen Einlauf bekommen hat. Es würde mich nicht wundern, wenn irgendein alter, würdevoller Orden demnächst einen neuen Kardinalpatron bekommen würde, oder der Malteserorden einen stellvertretenden Kardinalpatron.

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    1. Könnte sein, glaube ich aber eigtl. nicht.

      Im letzten Piqué-Interview hat der Papst ja gesagt, wie er mit sog. "Ultrakonservativen" umgeht. Er lässt sie machen und will sich nicht mit ihnen rumstreiten. Er mag sie auch in seiner Umgebung und findet sie im Grunde in Ordnung, solange sie sich einfügen und nichts kaputtmachen. Er kennt Sarah ja und hat ihn im Wissen um dessen "ultrakonservative" Gesinnung eingesetzt.

      Ich glaube, Sarah hat schlicht den Bogen überspannt und versucht, sein Ding am Papst vorbei zu drehen und dessen Gutmütigkeit ein bisschen auszunutzen. Vielleicht war es auch nur ein Test um zu schauen, wie weit er gehen kann. Aber auch das glaube ich bei Sarah eher nicht, Kdl. Sarah ist straight und glaubt die Dinge wirklich, die er sagt. Selbst wenn es wie in diesem Fall bloß das nicht ganz durchdachte Ergebnis einer Lektüre von Ratzingers Geist der Liturgie war.

      Interessant fand ich aber, dass der Papst sich vor einigen Tagen oder Wochen schonmal (in einer Morgenandacht glaube ich oder einer anderen Ansprache) ziemlich deutlich von Sarahs salafistischem Gottesbegriff ("Gott oder nichts") distanziert hat, indem er sinngemäß sagte, so ein Alles-oder-nichts sei nicht katholisch. Das war schon klar auf Sarah gemünzt.

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    2. Da haben sie wohl recht. Wenn Sarah solche Spielchen künftig unterlässt, wird er wohl davonkommen. Allerdings vermute ich, dass er seit Samstag weiß, dass dies das letzte Mal war, dass er solche Sperenzien machen durfte. Weil ihm, wie ich die Verlaubarung interpretiere, Franziskus diesen Umstand deutlich mitgeteilt hat.

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    3. Es ist ein interessanter Aspekt, dass diejenigen, die sich am lautesten als wackere Islamkritiker und Salafistenfeinde gerieren, das salafistische Gottesbild des Kardinals Sarah ("Gott oder das Nichts" ist eine theologische Aussage, die z.B. der Theologie Benedikts XVI. diametral entgegenläuft!) besonders kräftig bejubeln.

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  11. Einen sehr guten Artikel darüber fand ich
    gerade bei "VATICANHISTORY":
    Da heißt es, wie es Kardinal Sarah gemeint hat,
    sein Ratschlag sei "eine Ermutigung an alle Priester",
    die Hl. Messe wieder mit Blick auf den Herrn zu feiern:

    http://www.vaticanhistory.de/wordpress/?p=11984

    Dort wörtlich:
    "Kardinal Sarah hatte zudem weiter gesagt, dass Priester
    aus pastoraler Sicht entscheiden würden, wann und wie ein Feiern der Messe ad oriens möglich sei."
    Also nicht der Presse glauben und immer schön locker
    und ehrlich bleiben!

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    1. Was hat die Presse damit zu tun?

      In "der Presse" stand doch fast nix darüber.

      Die Presseorgane, die in der Sache als einzige überhaupt ausführlicher berichtet haben, waren doch diejenigen, die Sarahs Idee toll fanden und möglichst verbreiten wollten. Und das sind dieselben Organe, die jetzt sein Scheitern möglichst klein reden möchten. Also bspw. CNA und die anderen, die die "Zeitungsfrau" empfiehlt.
      Ich finde das irreführend, wenn die Zeitungsfrau dann sagt: Bitte nicht der Presse glauben. Eher könnte man meinen, man sollte lieber nicht der Zeitungsfrau glauben. Es wäre ehrlicher, wenn sie offen sagen würde, dass sie mit Sarahs Idee sympathisiert und ihn verteidigen oder rausreiten will. Da wäre auch gar nichts dabei, es wäre völlig legitim, wenn man das offen und ehrlich betreibt.
      Nur diese Untertöne stören mich dabei.

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  12. Ordinariatsgeschädigter13. Juli 2016 um 07:46

    Alles heiße Luft,
    sagt der Experte vom Kölner Domradio
    und bestätigt: Man hat Kardinal Sarah
    mehr oder weniger absichtlich missverstanden:

    https://www.domradio.de/themen/vatikan/2016-07-12/eine-einschaetzung-zu-den-umstrittenen-aeusserungen-kardinal-sarahs

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    1. Selbst in diesem *extrem* beschwichtigenden Kommentar von Stens steht nicht drin, dass "man" Kdl. Sarah "mehr oder weniger absichtlich missverstanden" hätte.

      Zitat:
      Der konkrete Vorschlag mit der Zelebrationsrichtung ist aber wohl mehr aus eigenem Antrieb erfolgt. Und das hat dann auch im Vatikan für Irritationen gesorgt.

      Die "heiße Luft" kam also von Kdl. Sarah selber.
      Der Bundesverkehrminister bittet alle Fahrzeuglenker, ab ersten April wo immer möglich auf Linksverkehr umzustellen. Und bitte teilen Sie das auch Ihren Nachbarn mit.
      Was kann man da "absichtlich missverstehen"?

      Muss man ja nicht dramatisieren.
      Kdl. Nichols hat ja auch gleich die Notbremse gezogen.
      Aber Nichols hat Sarah schon richtig verstanden, auch wenn Stens das im Unklaren lassen will.
      Immerhin hatte Sarah ihn ja besucht und mit ihm gesprochen.

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