Samstag, 23. Juli 2016

Hat Papst Franziskus den kontemplativen Frauenorden das Internet verboten? Oder das Leben in stiller Anbetung?

Wenn Papst Franziskus etwas verkündet, meistens mündlich, dann gibt es erfahrungsgemäß öfter mal alsbaldigen Streit um die Deutungshoheit:
Was hat er genau gesagt?
Wie hat er das gemeint?
 

Nicht ganz so krass, aber ein bisschen so funktioniert das gerade mit seinen gestern ver-
kündeten neuen Vorschriften für das kontemplative Leben von Ordens-
schwestern.
Wenn man sich die Berichterstattung ansieht, kann man aber auch er-
kennen: Es liegt nicht immer am Papst selbst, sondern es liegt auch gerne mal an denen, die ihn bzw. seine Worte nach ihrer eigenen Ein-
stellung verstehen und der Öffentlichkeit präsentieren wollen.

Man schaue doch mal, wie verschieden im Detail, in der Schwer-
punktsetzung, die Berichterstattung darüber ausfällt.
Die Unter-
schiede bzw. Akzente sind beachtlich. Bitte selber mal schauen! ---> HIER und HIER und HIER und HIER !

Kommentare:

  1. Eine gute und wichtige Klarstellung.
    Ich hatte zu diesem Thema zuerst nur den kath.net-Artikel gelesen.
    http://www.kath.net/news/56068

    Da fiel gleich auf, dass der Bericht schon in den Formulierungen darauf gepeilt ist, papstkritischen Lesern eine Vorlage für reflexhafte Empörung zu liefern.
    Sachlich ist da gar nichts dran.

    Das Dokument ist lange erwartetes und von Fachleuten ausgearbeitetes Dokument der Ordenskongregation, das der Papst gar nicht maßgeblich geschrieben hat.
    Außerdem ist von dieser Stoßrichtung, die in der Berichterstattung wie eine Art Frontalangriff auf das kontemplative Klosterleben rüberkommt, in Wirklichkeit gar nichts zu spüren.
    Das wird einfach so insinuiert, weil es den Papstkritikern in den Kram passt und das unwissende Leserpublikum heult dann auf. Alles völliger Humbug.

    Als Ordensmann kann der Papst selbst eine gutes Gespür für solcherlei Probleme und steht vermutlich voll hinter dem Dokument. Aber die ihm von den Kirchenfeinden zugeschriebene oder in den Mund gelegte Tendenz steckt da gar nicht hinter.

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  2. Bei "katholisch.de" (orangener Link) fällt natürlich
    sofort auf, dass man betont, die stillen Ordensgemein-
    schaften sollten gar nicht mehr so still sein,
    sondern sich der Welt zuwenden.
    Es wird aber nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
    Das sieht man schon anden anderen Links,
    die eher das Gegenteil betonen, die Schwestern sollten
    sich aus dem Gedöns der Welt raushalten und z.B.
    möglichst wenig im Internet surfen.
    Mein Tipp:
    Man lese einfach mal das Originaldokument
    aus dem Vatikan:

    http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccscrlife/documents/rc_con_ccscrlife_doc_12081980_the-contemplative-dimension-of-religious-life_ge.html

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  3. Die Medien stellen das sehr vereinfacht dar,
    was allerdings bei einem derart spröden und umfang-
    reichen Text nicht anders zu erwarten ist.
    Der Vatikan ist mit seiner Maschinerie für Öffent-
    lichkeitsarbeit offenbar trotz sämtlicher verkündeter
    Neuerungen nicht in der Lage oder nicht willens,
    einen für die eiligen Presseleute griffigen Text
    zu formulieren. Dann darf man sich auch nicht wundern,
    wenn da so Seltsames rauskommt.
    Der Papst hat das übrigens nur verkündet, inhaltlich
    verantwortlich ist die Vollversammlung der Kongregation
    für die Ordensleute:
    Man lese den Text mal in aller Ruhe:
    Da ist nichts Spektakuläres dran, sondern das sind
    lauter Selbstverständlichkeiten!

    http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccscrlife/documents/rc_con_ccscrlife_doc_12081980_the-contemplative-dimension-of-religious-life_ge.html

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    1. Schön und gut,
      aber sogar "Radio Vatikan" strickt an dieser
      Papst-Masche, die uns vorgaukelt, er habe
      das alles gemacht.
      Und man ist noch nicht mal in der Lage,
      auf eine deutsche Übersetzung zu verweisen.
      Daher Dank an die obigen Leser!

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    2. Der Originaltext ist Spanisch. Und die Übersetzungen ins Ital., Engl. u. Frz. sind nicht besonders gut, wie einige Kommentatoren bei kath.net gezeigt haben. Von daher sollte man sich lieber ans Original halten.

      Außerdem ist das ein Dokument, das tageskirchenpolitisch keine herausragende Bedeutung hat und zudem die allermeisten gar nicht betrifft.
      Das völlig übertriebene Interesse an dem Papier, das eigtl. gar keinen bes. Aktualitätsbezug hat, ist nur den überspannten Beobachtern aus Medien und Blogs zuzuschreiben, die nach Aussagen des Papstes lechzen oder ihm irgendwas anhängen wollen. Von daher diese Zuschreibung.

      Die Arbeit wurde in der Ordenskongregation gemacht und trägt auch deren Handschrift. Allerdings steht diese Kongregation dem Papst relativ nah. Die waren schon zu Benedikts Zeiten eher progressiv eingestellt und haben sich damals auch Grabenkämpfe mit den Hardlinern von der Glaubenskongregation oder dem korrupten Staatssekretariat geliefert.

      Die Aussagen der Ordenskongregation lassen also schon gewisse Rückschlüsse auf die Linie des Papstes zu, zumal der selber Ordensmann ist und sich in diese Fragen reindenkt. Aber mehr ist da nicht.

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  4. Wenn der Papst bei der Vorstellung des
    neuen Dokumentes zur Zurückhaltung bezüglich
    digitalen Medien aufruft, hat er recht.
    Wer sich in Ordensgemeinschaften auskennt,
    der weiß auch, wie häufig da abends in vielen
    Klöstern die Flimmerkiste das Gespräch ersetzt.
    Ein Kapuzinerpater klagt mir sein Leid,
    man könne sich kaum noch vernünftig unterhalten.

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    1. Das sind Allgemeinplätze.
      Kapuziner sind weder ein kontemplativer Frauenorden noch autonom. Die Rekreation in einem Kapuzinerkonvent läuft komplett anders als in einem kontemplativen Frauenkloster.

      In vielen kontemplativen Frauenorden gibt es seit eh und je kein oder kaum Fernsehen. Internet allerdings schon.

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    2. Man muss da sicher differenzieren.
      Die Tochter eines unserer Nachbarn lebt
      in der Schweiz in strenger Klausur
      als Kapuziner-Clarissin.
      Die darf keinerlei elektronische Korrespondenz
      pflegen, auch nicht mit der Familie.
      Als ihr Vater kürzlich starb, durfte sie
      noch nicht mal zur Beerdigung.
      Sowas kann ich ehrlich gesagt nicht begreifen.
      Man kann alles auch übertreiben!

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