Mittwoch, 13. Juli 2016

Muslimischer Abiturient in Hamburg verweigert Lehrerin den Handschlag: Lehrer bleiben aus Protest dem Abi-Ball fern!

Das Phänomen ist unter dem Begriff "Trittbrettfahrer" auch bei der Polizei bekannt: Irgendeiner stellt irgendwas an, in den Medien wird darüber berichtet, und wenig später tauchen die ersten Nachah-
mungstäter auf, Trittbrettfahrer eben.
Nachdem in der Schweiz zwei Schüler einer Lehrerin keine Hand mehr geben wollten und damit letztlich sogar durchgekommen sind, finden sich alsbald auch anderswo welche, die das tun, vielleicht auch nur, um sich wichtig zu machen.
In Hamburg ging das allerdings ziemlich in die Hose, wie der "SPIEGEL" berichtet: Eine Lehrerin an einem Gymasium wollte dem Abiturienten lediglich zum bestandenen Abi gratulieren, doch das lehnte der aus reli-
giösen Gründen ab, wie es dort heißt.
Dann aber nahm das Ganze eine unerwartete Wendung: Dann kommen wir eben nicht zum Abi-Ball, sagten mehr als die Hälfte der Lehrer, und setzten so ihrerseits ein Zeichen, dass es so in Deutschland im Sinne eines gleich-
berechtigten Miteinanders und der Toleranz
einfach nicht geht. Bravo!  Artikel ---> HIER !

Kommentare:

  1. Bravo, kann ich nur unterstreichen. Andere "besorgte Bürger" würden jetzt nächtens vor das Haus des Abiturienten ziehen und dort krakeelen oder Heftigeres zur Rettung des christlichen Abendlandes unternehmen. Die Lehrer bleiben einfach cool und souverän dem Abi-Ball fern. So kann man auch wirksame Zeichen setzen.

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  2. Immerhin ist es dann ja doch noch zu einem Handschlag gekommen! Das hätte Kreuzknappe fairerweise auch ausdrücklich anmerken können (Zitat SPIEGEL):

    „… hatte der Schüler gesagt - und angekündigt, bei der Übergabe der Zeugnisse auch der Direktorin der Schule, Andrea Lüdtke, den Handschlag zu verweigern. … Daraufhin boykottierten einige Lehrer den Abiball, sieben von 13 Pädagogen blieben der Feier fern. "Das war sehr schade", sagte Lüdtke dem "Hamburger Abendblatt". "Es war eine sehr schöne und harmonische Feier." Der betreffende Schüler habe ihr letztlich sogar doch die Hand gereicht.“

    Und: Ist die Handschlagsverweigerung (ggü. der anderen Lehrerin) zumindest im konkreten Fall tatsächlich ein Affront gegen gleichberechtigtes Miteinander, Toleranz, Respekt? Der Schüler jedenfalls hat geäußert, er habe die Lehrerin mit seinem Verhalten nicht beleidigen oder ihr den Respekt verwehren wollen. Er nennt „religiöse Gründe“. Da müsste man mal genauer eruieren, was er damit meint. Zitat Hamburger Abendblatt (Artikel zum selben Anlass):

    Katajun Amirpur, Professorin für islamische Studien und stellvertretende Direktorin der Akademie für Weltreligionen in Hamburg sagt, im Islam gebe es zu diesem Thema unterschiedliche Auslegungen. „Manche Männer geben Frauen die Hand. Manche tun es nicht. Dafür kann es zwei unterschiedliche Erklärungen geben." Manche reichten Frauen nicht die Hand, weil sie sie für „unrein“ hielten. „Andere sagen, man darf nur seiner Mutter … und ähnlich verwandten Frauen die Hand reichen. Dann ist es ein Ausdruck von Respekt, eine fremde Frau nicht berühren zu wollen. Nach dem Motto: Das macht man nicht.“

    Im konkreten Fall hört es sich eher nach Variation 2 an – er wollte (nach eigenen Worten) den Respekt ggü. der Lehrerin ja nicht verweigern, man könnte es auch deuten: den Respekt damit sogar klar zum Ausdruck bringen.

    Und: Wenn ein streng orthodoxer jüdischer Schüler – was von der religiösen Überzeugung her im Sinne von „Unreinheit“ durchaus denkbar wäre – einer Frau bzw. Lehrerin den Handschlag verweigert, wäre das ebenfalls eine Pressemeldung wert bzw. würden dann Lehrer ebenfalls der Abifeier fernbleiben?

    Vllt. wird in dieser Handschlags-Sache generell auch (aus welchen Gründen immer) aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Wie oft passiert das im real life denn wirklich? Zitat Hamburger Morgenpost: „Er war auch in seinem Freundeskreis der Einzige. Auf die Frage, ob er es beim nächsten Mal ebenso machen würde, reagierte er unschlüssig.“

    Das heißt nicht, dass ich solche Verweigerung toll finde. Nur sollte man, denke ich, die Sache aus mehreren Blickwinkeln betrachten.

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    1. Diese pubertären Provokationen unter dem Deckmantel strenger Religion darf man nicht unterschätzen. Das ist ganz gefährlich. Ob man jeden solchen Fall groß in die Ztg. bringen muss, ist eine andere Frage. Als guter Pädagoge weiß der Kreuzknappe sicher, dass der Kniff beim Umgang mit Provokationen hpts. darin liegt, konsequent zu bleiben und gleichzeitig Luft rauszunehmen und der Sache nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, denn gerade die sucht der Provokateur ja damit. Der Knappe stellt auch richtigerweise den Nachahmereffekt heraus: Je mehr Aufsehen so eine Provokation erregt und je ohnmächtiger die Lehrer dabei ausschaun, desto eher empfindet der Jugendliche das als "Erfolg". Und das animiert dann andere.

      Wenn der Provokateur erfolgreich zum Einlenken bewegt wurde, ist das was anderes, dann sollte man das publik machen. Muss man dann aber natürlich auch dazusagen, dass das so ausgegangen ist.

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    2. @ Jorge

      Danke. Schön, dass sich über ein emotional so hochbesetztes Thema beim Kreuzknappen so sachlich diskutieren lässt.

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