Montag, 25. Juli 2016

Sind die Eltern und Lehrer des Attentäters von München jetzt an allem schuld...?

Die schrecklichen Ereignisse von München belasten uns alle und wir trauern mit den Fami-
lien der Opfer.
Die Eltern des Attentäters stehen laut Polizei so sehr un-
ter Schock, dass sie noch nicht vernehmungsfähig sind.
Was für ein schrecklicher Ge-
danke für sie, dass ihr Sohn
das war!
Man fühlt sich an den Fall des an Depressionen leidenden jungen Copiloten erinnert, der eine Passagiermaschine absichtlich gegen einen Berg steuerte. Furchtbar nicht nur für die Opfer, furchtbar auch für die ganze Familie des Täters.

Nachdem die erste Phase der Berichterstattung über München vorüber ist, geht es jetzt in den Medien an die Ursachenforschung: Wie konnte das nur passieren? Warum hat das über Monate hinweg keiner bemerkt, was in dem jungen Mann vorging, der sich in der Schule gehänselt und gemobbt fühlte und Rache schwor?
In Sendungen wie "hart aber fair" und anderswo klang es an: Warum haben die Eltern das denn nicht bemerkt? Haben sie sich denn nicht genug um ihn gekümmert? Hat der behandelnde Arzt (Psychiater) denn nicht gesehen, was los war mit Ali David Sonboli?

Vorsicht vor solchen pauschalen Unterstellungen! - Die Frage könnte man bei vielen Verbrechen stellen: Hat denn niemand gemerkt, was sich in die-
ser Familie abspielte, in der ein Kind missbraucht wurde? Hat denn nie-
mand  beobachtet, dass der Herr Pfarrer mehr persönliches Interesse an einem Ministranten zeigte, als es üblich ist?!
Man könnte eine lange Liste mit Beispielen aufzeigen bis hin zu den vielen traurigen Fällen, in denen Jugendliche wie aus heiterem Himmel heraus Selbstmord begehen?

Ist das grausame Geschehene ein Zeichen dafür, wie kalt und egoistisch unsere Gesellschaft geworden ist, bei der sich niemand mehr für seinen Nächsten interessiert?
Mehr als dreißig Jahre Arbeit als Lehrer, Tausende von Gesprächen mit Schülern und Eltern und meine Lebenserfahrung (ich bin 66 Jahre alt) haben mir gezeigt, dass dies nicht so einfach ist, wie manche meinen,
die aus der Ferne einen guten Rat zu geben glauben.

Man schaut nur selten wirklich in einen "hinein", und auch der Arzt hat
in diesem Fall der Polizei wohl erklärt, dass er keine Anzeichen für eine Aggression gegen andere erkennen konnte, höchstens solche für eine mögliche Aggression gegen sich selbst.

Ergo:  Die schwer getroffenen Eltern tragen gewiss auch einen gewissen Teil der Schuld, sofern man das so nennen kann. Aber wer Kinder hat und so wie ich beruflich oft mit schwierigen Kindern zu tun hat(te), der weiß, dass solche Erklärmodelle häufig ziemliche "Luftnummern" sind.

Kommentare:

  1. Die so deutlich betonte Berufserfahrung des Kreuz-
    knappen in Ehren, aber wenn ich lese, dass ein Täter
    daheim bestimmte Bücher stehen hat und Gewaltvideos
    guckt und dazu noch jede Menge Probleme z.B. in der
    Schule hat, dann frage ich mich schon:
    Was machen die Eltern eigentlich, dass die sowas nicht
    mitkriegen? Schauen die nicht mal in sein Zimmer?

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  2. Sehr geehrter Herr Dorn?!
    Dass das Einhalten von Regeln u. Gesetzen zuwenig sowohl in den Schulen, sonstigen Einrichtungen als auch in den Elternhäusern gelernt + praktiziert wird,führt zu solchen Gewalttaten u. wahrscheinlich zu immer mehr psychisch Kranken, die leider zu wenig lernten,um selbstständig ihre Probleme zu lösen. Dies weiß ich aus eigener Erfahrung, aber
    mir setzten leider zu sehr viele heimtückischen + ärgerlichen Nieangehörigen sowie maßlos ungerechte Entscheidungsträgerinnen zu, aber durch die beirrenden Therapien von profitgierigen Psychologen/innen entfernte ich mich nur noch mehr von geliebten Menschen. Fatalerweise
    bekommen leider solche Psycho-Scharlatane immer mehr gesellschaftlichen Einfluß, obwohl diese nicht ahnen, was gerade Introvertierte brauchen, weil sie nichts dacon verstehen können u. sie diese noch überreden mit ihren Oberflächlichkeiten, statt dessen erfüllen diese fast ausschließlich die lukrativen Wünsche von turteligen (extrovertierten) Ellenbogenkranken. Die setzen sich sowieso überall durch, auch wenn sie keine Moral haben bzw. nur so
    tun u. heimtückisch sozial Schwache unterdrücken od. verdrängen. Die Neurologen/Psychiater haben zu wenig Einblick
    sowie zu weng Einfluß vor Ort, sodass Alleinstehende immer
    mehr ins Abseits geraten. Die Caritas nimmt nur Offensichtliches + Gesprochenes wahr u. hilft darum nur
    Beziehungsreichen. Auch wenn man besser arbeiten konnte als deren Lieblinge, wird man nur veräppelt u. noch mehr gekränkt. Die meisten ausgegrenzten Einheimischen begehen hoffentlich keine Verbrechen u. landen auf der Platte.
    Das System orientiert sich leider zu sehr an den Starken,
    auch in diesem bisherigen Sozialstaat. Herr, bitte erbarme
    Dich. Mit freundlichen Grüßen, W.Häs

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  3. Diözesaner Bürohengst25. Juli 2016 um 16:47

    Letztlich wird man bei allen, die dem Attentäter
    "Nächste" im christlichen Sinne sind, ein Stückchen
    von Schuld anrechnen können.
    Sogar die hohe Politik kommt da ins Visier, was die
    Schuld betrifft: Führt eine Politik, die den Schwachen
    nicht genug Hilfs- und Förderangebote macht, nicht
    geradezu zu Aggressionsausbrüchen - oder manchmal auch
    zur Resignation?!
    Hätte es genug Sozialarbeiter gegeben, wäre das sicher
    nicht passiert!

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  4. Mit Sicherheit trägt die Gesellschaft
    bzw. die politisch Verantwortlichen eine klare
    Mitschuld!
    Dieser Junge hat in seinem Leben keine Perspektive
    mehr gesehen, durch Prüfungen gefallen, von Mit-
    schülern belächelt.
    Hätte man sich mit mehr Lehrpersonal und Sozial-
    arbeitern um ihn gekümmert, würden einige andere
    junge Menschen jetzt noch leben, da stimme
    ich meinem Vorredner zu.

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