Freitag, 15. Juli 2016

Überraschung: Ausgerechnet "Christ & Welt" plädiert für den Vorschlag von Kardinal Sarah

"Stets findet Überraschung statt - da, wo man's nicht erwartet hat", wusste schon Wilhelm Busch. Die linkskatholische "Christ & Welt" ist nicht wirklich meine Kragenweite, denn da gab es doch so einiges, was mir in den vergangenen Monaten aufge-
stoßen ist, z.B. ---> HIER und HIER !
Aber - wie man sieht: Man lernt nie aus, und man sollte auch als Tradi vorsichtig sein mit dem Einsortieren in die berüchtigten Schubladen.

Heute traute ich meinen Augen nicht, als ich in einem gut begrün-
deten Artikel bei "Christ & Welt" lesen konnte, wie gut und sinnvoll
der Vorschlag von Kardinal Sarah doch ist
, den Blick in der Messe
in bestimmten Momenten nach Osten zu richten. Kompliment, Leute, da habt ihr mich mal positiv überrascht! ---> HIER !

Kommentare:

  1. Die Chefredakteurin Christiane Florin hat unlängst
    die Stelle gewechselt und arbeitet nicht mehr dort.
    Dies scheint dem Blatt jedenfalls nicht zu schafen,
    um es mal ganz vorsichtig auszudrücken...

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  2. Ordinariatsgeschädigter16. Juli 2016 um 06:44

    "Christ & Welt" ist auflagentechnisch
    ein kleines Nischenprodukt. Kann man vernach-
    lässigen, finde ich.
    Wird allerdings von "katholisch.de" unterstützt.

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  3. Kurios.

    Entspricht im Grunde auch der KNA-Linie, Ring-Eiffel war ja auch für Robert Sarahs Vorschlag aufgeschlossen (allerdings war das vor dem Eklat mit der zurückgenommenen "Weisung" zum 1. Advent).

    Originell finde ich Rietz' Statement aber nicht. Sie übernimmt völlig kritiklos Robert Sarahs verkehrte Begründungen und Rechtfertigungen und schmückt das mit der Überschrift sogar noch aus ("Schau mir nicht in die Augen").

    Dabei zitiert sie sogar Kdl. Frings (»Es entspricht unserer visuell eingestellten Zeit, dass die Gläubigen heute sehen wollen, was am Altar geschieht.«). Um gleich danach zu sagen: »Man kommt nicht zum Gottesdienst zusammen, um sich tief in die Augen zu schauen.«

    Nein, kommt man nicht. Aber was auf dem Altar passiert, will man schon sehen, ohne dass da ein nichtsnutziger Zelebrant im Weg steht. Gerade beim Hochgebet (das die Autorin für einen besonders geeigneten Moment für die gemeinsame Blickrichtung nach Osten hält) ist es also wichtig, dass der Priester sich der Anbetung der Gläubigen nicht in den Weg stellt, sondern besser zusammen mit den Anwesenden die Messe feiert. Nicht stellvertretend für sie. Deshalb sollte er im Normalfall auch auf der richtigen Altarseite stehen.

    Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Jan Hendrik Stens vom Domradio hat ja vorgestern darauf hingewiesen, dass es Altäre und Kirchen gibt, an denen sich eine traditionelle Zelebrationsrichtung anbietet, und dass das auch im ordentlichen Ritus ohne Weiteres möglich ist.

    Am sog. Volksaltar sollte das aber die Ausnahme bleiben, denn der wurde extra nach vorn gerückt, damit man das Sakrament besser sehen und anbeten kann. Und so steht's halt auch im Messbuch.

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  4. Ich vermisse immer noch eine vernünftige, theologisch, liturgisch und historisch stimmige Analyse dieses Vorstoßes von Kdl. Sarah in irgendeinem Kirchenblatt. Man liest immer nur eher unterkomplexe Statements, entweder begeistert dafür oder kopfschüttelnd dagegen, aber keine Hintergrundgeschichten.
    Das Beste, was ich da bisher kam, war vor Wochen dieser Artikel von Björn Odendahl auf katholisch.de, den damals auch der Kreuzknappe verlinkt hatte.
    http://kreuzknappe.blogspot.de/2016/06/wenn-kardinal-sarah-gott-wieder-ins.html

    Solange Kdl. Sarah seine Vorschläge einfach nur mit dem Märchen begründet, im neuen Ritus stünde der Priester zu sehr im Mittelpunkt und das liege an der Zelebrationsrichtung, wird das kein sinnvolles Reformpaket werden können.
    Soweit hatte das schon Odendahl erkannt.

    Dazu kommt die falsche Behauptung, die geänderte Zelebrationsrichtung gehe über das hinaus, was "das Konzil gewollt" habe. Das ist eine echte Geschichtslüge, denn das Allererste, was das Konzil überhaupt gemacht hat, war ja eben, den Priester beim Hochgebet rumzudrehen.

    Und man müsste eben den Symbolwert so einer Aktion mal herausarbeiten. Im Grunde geht es ja gar nicht um die Ostrichtung, sondern eben doch (was Rietz in ihrem Kommentar nicht wahr haben will) um die Rückwärtswendung. Nur deshalb sind ja die meisten dafür oder dagegen.

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  5. Originell (anders als Rietz' Artikel) finde ich dagegen die "Retourkutsche", die der Papst angeblich Kdl. Sarah verpasst haben soll, wenn die Gerüchte stimmen, die man von irgendwelchen Insidern in den neuesten Kommentaren zum entspr. kath.net-Artikel lesen kann.
    http://www.kath.net/news/55925

    Angeblich habe er Kdl. Sarah die Vollmacht entzogen, die dt. Messbuchübersetzung approbieren zu dürfen. Das dürfen die Bfr. jetzt allein.
    Das würde dann bedeuten, wir kämen im dt-spr. Raum endgültig um die vom Vorgängerpapst angeordnete wörtliche Übersetzung des pro multis herum. Das wäre ja eine interessante Entwicklung, wenn das stimmt.

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  6. Es ist bedauerlicherweise so,
    dass die meisten Kritiker von Kardinal Sarah
    dessen Ausführung nur vom Hörensagen bzw. aus
    Drittquellen kennen.
    Erfreulich, dass die Schreiberin bei C & W erkannt hat,
    dass er das, was ihm gemeinhin unterstellt wird,
    überhaupt nicht gesagt hat: Es geht nicht um ein
    pauschales und förmliches Umdrehen nach Osten,
    sondern dies geschieht, wenn der Priester das so
    sieht wie der Kardinal, lediglich an bestimmten Stellen
    während des Gottesdienstablaufes.

    Und dann noch dies:
    http://de.catholicnewsagency.com/story/auf-dem-weg-hin-zu-einer-authentischen-umsetzung-von-sacrosanctum-concilium-0964

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    1. Super, danke für den Link.
      Macht es nicht unbedingt besser.
      Der Vortrag als Ganzer ist schon starker Tobak, wenn auch nett verpackt (und gut übersetzt). Sicher gut gemeint, aber voller Haltwahrheiten und Einseitigkeiten.

      Besonders die historischen Punkte sind ein Ärgernis.
      Da folgt er praktisch 1 zu 1 den Geschichtsklittereien der Konzilsgegner (vor allem bei den Auslassungen: Ökumene spielt fast keine Rolle, die Juden fehlen ganz).
      Am Ende spielt er da eben doch Sacrosanctum Concilium gegen Bugnini aus (obwohl er das versucht abzustreiten). Der Traum jedes Tradis.

      Auf einer traditionalistischen Tagung ist das ok, aber als Äußerung des Liturgiepräfekten nat. erschreckend.

      Ist tats. sowas wie der Versuch, Ratzingers Geist der Liturgie naiv-wortwörtlich "umzusetzen", so als wäre das Buch eine Betriebsanleitung.

      Ratzingers Klassiker ist lesenswert, sollte man kennen, aber kein Küchenrezept, keine Handlungsanleitung.
      Wenn es ein Programm wäre, das man abarbeiten kann, hätte Ratzinger das während seines Pontifikats ja auch getan.
      Das Buch enthält selbst genug Fehler, Ungenauigkeiten, fragwürdigen Interpretationen und Schnapsideen (man denke an das Verbot von Tanz oder Applaus, Ratzingers unbiblische Ideen zur Verschiebung des Friedensgrußes oder eben auch seine Auffassung zur Zelebrationsrichtung).
      Das Buch ist wichtig, aber keineswegs das Gelbe vom Ei und auf gar keinen Fall eine Anleitung zum Selbermachen, wie Sarah das versteht.

      Auch sonst stapft Sarah hier voll in die Fettnäpfchen, die Papst Benedikt hinterlassen hat. So erwähnt er die Übersetzung der Messbuchtexte. In England!!
      Die grauenhaften engl. Neuübersetzung verleidet einem bis heute den Besuch englischsprachiger Messen.

      Im Spanischen sind wir recht gut bedient, das lag vor allem an Leuten wie Bergoglio, die aufgepasst haben, dass die ratzingerianischen Sprachpanscher nicht zuviel kaputtmachen. Aber Englisch ist wirklich eine Katastrophe geworden.

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  7. Wirklich kurios.
    Während Frl. Rietz von Christ & Welt „die jüngsten Dementis aus dem Vatikan“ bedauert, feiern die Progressisten von kath.net schon den Endsieg bei den dt. Wandlungsworten:

    Zitat eines Insiders:
    Meines Wissens ist die Rückdelegation der eigenständigen liturgischen Gesetzgebung nur eine Frage weniger Monate.
    Ich gehe davon aus, dass dann die Wandlungsworte die alten bleiben. Der Papst muss ziemlich sauer auf den Kardinal gewesen sein - kein Wunder, ich würde meine Autorität auch nicht missbrauchen lassen wollen.


    Im Nachhinein erinnert das fast an Erdoğan: Nach dem dilettantisch missglückten Putschversuch Kdl. Sarahs ist der Papst stärker als vorher.

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