Sonntag, 28. August 2016

Rekordverdächtig? -- Eine Heilige Messe am Sonntag in nur 28 Minuten...

"Um Himmels willen, verrate mich bloß nicht!" - Die Angst steht ihm
ins Gesicht geschrieben, unserem gestrigen Besucher. Noch nicht mal das Bistum soll ich verraten, ge-
schweige denn die Pfarrei.
Der Mann ist pastoraler Mitarbeiter und hat seit einiger Zeit das mehr oder weniger große Vergnügen der Zusam-
menarbeit mit einem neuen Pfarrer. 

Er sitzt sowieso zwischen sämtlichen Stühlen, der Mann, und er nickt nur mit entsprechender Miene, als ich ihm einen Satz zitiere, den mir mal ein Mitarbeiter in einem bischöflichen Ordinariat anvertraute: "Ich bekomme hier kein Gehalt, sondern Schmerzensgeld...!"
Was den Besucher z.B. konkret irritiert, ist die Eile bei der Feier der Hei-
ligen Messe. Am Sonntag schafft es der Pfarrer in 28 bis 35 Minuten, selten auch fünf Minuten länger. Ob da auch schon mal ein Text unter den Tisch fällt?  - Und dann meint er: Das Schlimmste sei, dass "die Leute", die in der Pfarrei den Ton angeben, das auch noch toll fänden, das sei doch super, wenn der Gottesdienst so schnell zu Ende sei. Der Pater aus...., der in der Pfarrei auch im Einsatz ist, brauche dafür immer 50 bis 55 Minuten, und es gäbe deswegen schon Beschwerden.

Ich will das gar nicht weiter kommentieren; man sieht, wie sehr manche Leute an der Kirche, wie sie sich hier präsentiert, zu leiden haben. Mir ist aber eingefallen, dass ich dazu mal was gereimt habe. 
Zum Nachlesen:

Wer bietet weniger?

oder: Die (H)eilige Messe…

Schnell ist die Zahl herausgefunden:
Die Woche hat 168 Stunden.
Was man in dieser Zeit so treibt,
was man sich geistig einverleibt,
wieviel von dieser Zeit verschwendet,
für die Glotze wird verwendet
und Allerlei zum Zeitvertreibe -
gut, dass ich hier davon nichts schreibe.
Pro Stunde sind schon 12 Minuten
allein für Fernsehwerbung zu vermuten.
Pro Woche sind das viele Stunden,
wo lockt man uns als gute Kunden.
Doch auch mit Warten, ob beim Doktor oder gar im Stau,
Stunden sind's, sind einfach weg, merk's dir genau!
Mit Kleinkram geht viel Zeit verloren,
Jahre sind's, seit wir geboren.
So ist es halt: wir nehmen's hin,
denn Meckern hat da keinen Sinn.

Doch schnell hört man aus manchem Munde
wenn einmal die Wochenstunde,
die unserem Gott, dem Herrn geweiht,
man Zeit und Ruhe kaum verzeiht.
Die Predigt dauert 11 Minuten -
das ist mir doch nicht zuzumuten!
Kürzer soll die Messe sein,
dann geh' ich gerne wieder rein.
Ein andrer Pfarrer - von mir nachgemessen,
der kürzt stets gern, kann auch vergessen,
der will sich jeden Sonntag sputen,
so spart er allen 10 Minuten.
Die Kirche ist dort früher aus,
so flitzt man dann auch schnell nach Haus.
Die schnelle Messe muss genügen
um sich beim Fernsehn zu vergnügen.
Doch kaum sitzt man, da kommt der Schock:
Es folgen 12 Minuten Werbeblock...!


Kommentare:

  1. ein Küster (75 Jahre alt)28. August 2016 um 08:11

    Das kann ja nur funktionieren, vermute ich,
    wenn man ein paar Texte weglässt, insbesondere
    vor der Kommunion, und wenn man die Predigt auf
    3 bis 4 Minuten zu einer Art Wort zum Sonntag
    degradiert.
    Das erinnert mich ungut daran, dass ich vor vielen
    Jahren, noch vor dem Zweiten Vatikanum, in Rom im
    Petersdom Werktagsmessen (!) miterlebt und miterlitten
    habe, die nur 25 Minuten oder wenig länger dauerten.
    Grauenhaft!
    Was hat das noch mit dem Appell Jesu zu tun, sich am
    Sonntag als seine Gemeinde zu versammeln?
    "Tut dies zu meinem Gedächtnis!"

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  2. Genau so erlebe ich es auch:
    In unserer Gemeinde ist seit drei Jahren ein neuer
    Pfarrer, der in 40 Minuten mit der Sonntagsmesse
    fertig ist, und 80 % der Leute finden das toll,
    weil sie dann schneller daheim sind zum Essen kochen
    oder schneller am Stammtisch.
    Wo bleibt die Ehrfurcht? Wo bleibt die innige Mitfeier,
    wenn alles nur so abgespult wird?
    Wir fahren seitdem jeden Sonntag - außer bei Glatteis -
    ca. 30 km zu einem Pfarrer, der die Messe in Ruhe und
    Würde hält, mit ca. 55 Minuten.

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  3. Ich musste das auch erleben, Mitte bis Ende der 90er Jahre, bei den Jesuiten in Koblenz (heute "Citykirche"). Damals gab es dort eine Frühmesse um 7:15 Uhr, die ich vor Schulbeginn manchmal besuchte. Fast immer war der Pater bereits nach 20 Minuten damit "durch". Ich fand das schon in jungen Jahren ganz furchtbar.

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  4. gläubiger Katholik28. August 2016 um 12:26

    ich mag schlichte Messen ohne viel Brimborium auch am liebsten. Man kann ruhig eine Lesung weglassen, die predigt sollte auch mehr ein Impuls sein statt vieler Worte und auf das Händegeschüttle kann man gut und gern verzichten, genau wie auf viele Strophen absingen. Wichtig dagegen m. E. eine würdige Eucharistiefeier ! Auf was ich am allerliebsten verzichte: Chormessen, orchestermessen.....nein danke!!!

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    1. Na, der Friedensgruß kostet ja wohl die wenigste Zeit.
      Offenbar beteiligen Sie sich wohl nicht oder nur ungern daran. Sie können ja mal die dafür benötigte Zeit im Gottesdienst stoppen.
      Ganz großer Unsinn jedenfalls, nebenbei gegen diese sehr gute und wichtige Geste, die an Friede, Vergebung und das Grbot der Nächstenliebe erinnert und zwischen immerhin GLAUBENSGESCHWISTERN ausgetauscht wird, zu stänkern.

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