Mittwoch, 7. September 2016

Berlin: Wie gut oder schlecht die Schüler sind, soll geheim bleiben -- warum wohl?

Ich habe bekanntlich gut drei Jahrzehnte damit verbracht, Kinder in Grund- und Haupt-
schulen zu unterrichten. Mit dem dabei Erlebten könnte ich Bücher füllen. Wenn ich dann solch einen einseitigen Artikel lese, dann ärgere ich mich darüber ---> HIER !

Die Lehrer sind mal wieder schuld an allem, und die Lehrer sollen es gefälligst richten, damit alle Kinder in der Schule und im Leben klar kommen. Gleichzeitig lese ich,
dass der Berliner Senat zum Erstaunen vieler für dieses Jahr erstmals entschieden hat, die Ergebnisse von Vergleichsarbeiten nicht zu ver-
öffentlichen, wodurch man also nicht mehr feststellen kann, wie gut
oder schlecht Berliner Schüler im Vergleich mit anderen Bundesländern sind. Warum man das wohl der Öffentlichkeit verheimlichen will?
---> HIER !

In den vielen Jahren meiner Tätigkeit in Schulen habe ich vor allem eines erlebt: Die Zustände sind schlecht, und die Leidtragenden sind Schüler und gestresste Lehrer. Man hat heute noch nicht einmal das erreicht, was mir während meiner Studienzeit Anfang der 1970er Jahre in Aussicht gestellt wurde: drei Lehrer für zwei Klassen, damit man sich intensiver um die "Problemkinder" kümmern kann. Es ist ein Armutszeugnis für Deutsch-
land, dass an der Bildung gespart wird!
Die Statistiken, die uns jährlich zur "Unterrichtsversorgung" präsentiert werden, sind Potemkin'sche Dörfer, und das weiß auch jeder Praktiker.
Auf dem Papier steht, dass es z.B. nur 3 % Unterrichtsausfall gibt.
Fragen Sie mal einen x-beliebien Schulleiter, wie das läuft mit fehlenden Lehrkräften infolge Krankheit usw. Was da als "Vertretungsunterricht" läuft, ist oft genug nicht viel mehr als ein Beaufsichtigen.
Die Wahrheit ist:  Wir könnten viel, viel mehr für die Kinder - auch und erst recht für die Flüchtlingskinder! - tun, wenn wir mehr Lehrkräfte, mehr Räume und mehr Geld dafür hätten. Politiker sollten mal einen Monat Tag für Tag Grundschullehrer begleiten, wie das ist, wenn man 26 Kinder in einer ersten Klasse unterrichten soll, von denen ein Drittel noch nicht mal ausreichend Deutsch kann, von anderen Fertigkeiten ganz zu schweigen. Ich habe es immer wieder erlebt, dass Kinder noch nicht mal mit einer Bastelschere umgehen konnten und ähnliches.

Und dann wird auch noch auf Teufel komm raus herumexperimentiert,
von der Mengenlehre (wir wurden drei Jahre lang damit gepiesackt, dann verschwand sie spurlos von der Bildfläche)  über das "Schreiben nach Gehör" bis hin zu Auswüchsen der Sexualerziehung.

Die schönste Zeit meines Lehrerlebens war die in einer Zwergschule Mitte der 1970er Jahre mit nur zwei Klassen, wo es noch nicht einmal eine Pausenklingel gab, sondern man hat dann Pause gemacht, wenn es Sinn machte.
Ach, was rege ich mich auf, es ist doch alles für den Aff....!
Man schaue ---> HIER und HIER und HIER !

Kommentare:

  1. Werner H., pensionierter Rektor7. September 2016 um 11:11

    Volle Zustimmung, das kann ich genau so unterschreiben!

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  2. Bei uns sind 80 % Ausländerkinder
    aus sieben verschiedenen Nationen. Meine Tochter
    wurde schon mehrfach drangsaliert, aber die Lehrerin
    ist offenbar überfordert. Mit Beginn dieses Schuljahres
    haben wir unsere Tochter (3. Schuljahr) schweren Herzens
    auf eine Privatschule umgemeldet. Das kostet zwar 220 Euro
    im Monat, aber die können sich trotzdem vor Nachfragen
    nicht retten.

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  3. Viele Lehrer haben einfach die Schnauze voll,
    denn ihr Arbeitgeber verhält sich ganz fies.
    Nicht zu fassen:
    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kritik-an-schulaemtern-wegen-befristeter-lehrer-vertraege-14420295.html#GEPC;s30

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