Mittwoch, 26. Oktober 2016

Beten geht nicht? - Dann denke an den Tausendfüßler...!

Gestern schrieb ich einen unerwartet viel beachteten Artikel über das geistliche Leben mit der Schlagzeile "Pfeife doch einfach auf die Kirchen-
krise - gib deiner Schnecke Futter!"
---> HIER !

Heute versuche ich
es wieder mal mit einem kleinen Impuls, wobei jedem hoffentlich klar ist, dass es keine Patent-
rezepte gibt, im Glauben erst recht nicht; jeder glaubt und lebt und leidet ganz individuell. Wenn Ihnen meine Gedankengänge also nicht zusagen und überhaupt nicht hilfreich sind, dann ist das eben so, wir ticken nun mal alle anders, kein Grund zur Sorge...

Sie kennen vielleicht die Geschichte vom Tausendfüßler. Atemberaubend, wie es ihm immer einfach so gelingt, Hunderte von Beinchen genau richtig im passenden Takt vorwärts zu bewegen, und das in beachtlichem Tempo! Das änderte sich allerdings, als er von einem Frosch darauf angesprochen wurde, wie er das denn eigentlich hinkriege.
Das Ergebnis war, dass er nun seine Beine beobachtete, während er sie umsetzte - und die Folge davon war klar: er geriet völlig aus dem Takt und stolperte nur noch vor sich hin.
Was lernen wir daraus?  - Tu es einfach, das Beten!  Lass dich nicht in Probleme reinquatschen und spiele auch nicht den religiösen Superprotz! Wenn es einfach nicht hinhauen will mit dem Gebet, dann halte das aus, dann ist das jetzt dein Gebet! - Gott - pardon! - ist doch nicht doof!
Er nimmt dein Gebet, er nimmt deinen Kummer, er nimmt dein Versagen - er weiß, wie du das meinst. Mach dir keine Gedanken über religiöse Erfolgsstatistiken. Du bist da, und Gott ist da. Das genügt, wie wir wissen.

Dass es immer mal wieder glückliche Umstände gibt, unerwartete An-
regungen, das ist eine feine Sache, für dich ich z.B. sehr dankbar bin. Einmal hatte ich in einer Stadt, in der ich mich gerade als Gast aufhielt,
bis zur Abfahrt des Zuges überraschend zwei Stunden Zeit, und so ging ich in eine Kirche in der Nähe. Es war eine dunkle, alte Kirche, und es schien niemand da zu sein.
Doch als sich meine Augen etwas daran gewöhnt hatten, sah ich eine alte, ärmlich gekleidete Dame in der ersten Bankreihe sitzen, schmatzend ein Brot essend. Sie saß und saß und saß und schaute unentwegt auf den Tabernakel. Nach einer halben Stunde konnte ich nicht mehr beten,
ich war einfach zu abgelenkt; langsam ging ich nach vorne und traute mich: ich sprach die alte Dame an, die allerlei Frühstücks-Utensilien neben sich ausgebreitet hatte. Ich versuchte es möglichst vorsichtig: "Entschuldigung, halten Sie sich schon lange hier auf?" (blöde Frage, ich weiß). 

Die Antwort haute mich aus den Latschen, und obwohl es schon Jahrzehnte vorbei ist, sehe ich die Situation heute noch ganz deutlich vor mir; die alte Frau schaute mich an und sagte nur einen einzigen Satz: 
"Ich will Jesus hier nicht allein lassen!" -- Noch heute laufen mir beim Gedanken daran die Tränen...
:
Ein kleines Video vom Tausendfüßler ---> HIER

Kommentare:

  1. Herzlichen Dank!
    Den Link abe ich gerade weitergereicht.
    Weiter so!

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  2. Ich versuche schon seit langem, ins Gebet zu kommen,
    es will und will mir einfach nicht gelingen, spätestens
    nach 3 oder 4 Minuten bin ich abgelenkt.
    Das belastet mich schon sehr und ich beneide Sie
    um Ihr Gottvertrauen!

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    1. Liebe Frau P.,
      nehmen Sie bitte per E-Mail mit mir Kontakt auf,
      damit ich Ihnen persönlich antworten kann. Danke!

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    2. Frau P.,

      dass Sie beim Gebet nach ein paar Minuten bereits abgelenkt sind,
      finde ich erstens nicht schlimm –
      immerhin sind ein paar Minuten Gebet auch schon viel.
      Zweitens finde ich es menschlich und normal insofern,
      als die Ablenkungsgefahr beim Reden zu jemandem,
      den man nicht sieht und den man auch nicht direkt hört (antwortend),
      sicher größer ist als beim Wechselgespräch mit einem Menschen.
      Drittens hat Jesus (sinngemäß) gesagt:
      "Wenn ihr betet, plappert nicht, leiert eure Gebete nicht runter, denkt nicht,
      Gott würde euch schon antworten, wenn ihr viele Worte macht."
      Kurz, aber inhaltsvoll ist o. k.!
      Ich würde mir also keinen Kopf um die "nur paar Minuten" machen.

      Es kommt doch im Kern darauf an,
      im Rahmen einer lebendigen Beziehung zu Gott
      gerade auch über das Sprechen zu ihm,
      sei es nur sekundenlang oder länger dauernd,
      bei allen möglichen Gelegenheiten,
      mit ihm in intensivem Kontakt zu bleiben.

      Danke zu sagen für Schönes, ihn zu bitten
      (auch ein superkurzes Stoßgebet hat Wert und Bedeutung),
      ihn anbetend zu loben, ihm meinen Frust, meine Enttäuschung zu sagen
      (auch da, wo ich mit Gott selbst hadere, so hat es z. B. Hiob getan),
      wie immer mir gerade zumute ist.
      Mit eigenen Worten oder mit vorformulierten.
      Mir selbst hilft beim privaten Gebet
      und vermindert zugleich für mich die Ablenkungsgefahr,
      wenn ich nicht schweigend bete,
      sondern – wenn möglich – mit leiser Stimme.
      Im Übrigen gibt es auch Kurse für die Einübung in längeres meditatives Beten.
      Und auch feste Gebetszeiten können hilfreich sein,
      hier ein Link zum kirchlichen Stundengebet (Tageszeit-Gebete):
      http://stundenbuch.katholisch.de/kalendertag.php

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  3. Ich kann diese einfache Frau nur bewundern!
    Sie zeigt uns, dass Glauben eigentlich nichts
    Kompliziertes ist, sondern ganz praktisch.

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  4. Ich bin dankbar, dass es ganz in meiner Nähe
    eine Kirche mit (den ganzen Tag über)
    ausgesetztem Allerheiligsten gibt.
    Wobei es mir nicht drauf ankommt,
    dass i c h Jesus allein lasse
    (das ist zwar lieb gemeint,
    für mich aber zu "menschlich" gedacht
    in Bezug auf den Gott-Menschen),
    sondern dass ich ganz intensiv spüre,
    dass e r mich nicht allein lässt,
    und natürlich, dass ich
    ihn in der Stille anbete.

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  5. Manchmal denke ich, die Leute, die sagen,
    sie könnten nicht beten, machen es sich auch
    etwas zu einfach.
    Man muss doch Gott nicht wer weiß was für tolle
    Gebete aufsagen, die er sowieso schon kennt.
    Er braucht nicht unsere Wörter, sondern unser Herz.
    Warum besuchen die Leute, anstatt sich zu beklagen,
    z.B. nicht mal einen Exerzitienkurs?!

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