Donnerstag, 20. Oktober 2016

Diese "Gottprotze", die so tun, als hätten sie eben mit Gott am Frühstückstisch gesessen...

... machen mir zuzugebenermaßen ein paar Probleme. Da hat jeder von uns so seine Bilder im Kopf, seine Erleb-
nisse mit Frommen und Super-Frommen.
Ich sehe sie noch ganz lebhaft vor mir, die beiden bleichen, asketisch aussehen-
den Tagungsteil-
nehmer in einem Arbeitskreis. Es ging um ein möglichst gottgefälliges Leben im Alltag, und viele lieferten ihre Wortmeldungen dazu.
Das bleichgesichtige Ehepaar Mitte 40 gab uns mittelmäßigen Christen deutlich zu verstehen, was es von der auch mir eigenen christlichen Lebensfreude rheinischen Einschlages hielt - nämlich gar nichts.
Die beiden waren nicht nur ein wandelnder Katechismus, sondern sie machten uns in der Runde deutlich, was wir doch für arme Kreaturen im Glauben sind: mindestens zweimal wöchentlich fasteten sie ganz streng, ließen sie uns wissen, mit erhobenem Haupt. - Ich hatte mit meinem Blutdruck zu kämpfen...

Das nächste Sonntagsevangelium für den 30. Sonntag C  -  Predigt ist im Laufe des heutigen Nachmittags online! - schildert auch solch einen, der sich wie ein eitler Gockel aufführt und voller Verachtung auf den sündi-
gen Zöllner herabschaut, der mit gesenktem Kopf ganz hinten im Tempel steht... - eine spannende Geschichte, die Jesus da erzählt!

Kommentare:

  1. ein Priester (75 Jahre alt)20. Oktober 2016 um 10:57

    Wir sollen bekanntlich einander lieben und uns
    gegenseitig als christliche Gemeinde stützen.
    Glauben Sie mir, was ich mit meinen 75 Jahren als
    Priester da schon alles erlebt habe, das geht auf
    keine Kuhhaut.
    Diese "Gottprotze" - der Ausdruck ist sehr treffend! -
    machen es auch den Priestern schwer; in meinem Falle
    gab es in 42 Dienstjahren als Priester öfter mal
    schwere Konflikte durch solcher Besserwisser,
    die hinter meinem Rücken an mir herumgenörgelt haben,
    was ich doch alles falsch mache.
    Manche Kritiker sehen den Balken im eigenen Auge
    einfach nicht.
    Ich bete täglich um die Geduld und Kraft, auch solche
    Menschen zu ertragen.

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    1. Genau so ist es!
      Wir haben zwei Pfarrer in der näheren
      Verwandtschaft, von denen kenne ich ähnliche
      schlimme Schilderungen, das geht bis zum
      Mobbing und der Versetzung, um endlich
      Ruhe zu haben!

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  2. Seitdem ich Loriots "Pappa ante portas" gesehen habe (der graue Hellmuth und seine Hedwig), habe ich meinen Frieden mit diesen bedauernswerten Menschen.
    Da halte ich es doch lieber mit der rheinischen Lebensweisheit, die jüngst noch Wolfgang Bosbach im Fernsehen zum Besten gab: "Lebe so, daß du noch gerade so in den Himmel kommst!"

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  3. Über die eigenen religiösen Praktiken bewahrt man besser demütiges Stillschweigen, anstatt sich damit vor anderen aufzuspielen und sie zu beschämen. Hoffentlich haben die beiden bleichgesichtigen Vorzeige-Asketen das irgendwann auch begriffen...

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  4. Mag sein, dass besagtes Ehepaar Sie nervte, aber so ganz glücklich ist ein öffentliches Nachkarten in Form eines Christen-Bashings auch nicht!

    Es sind immerhin Glaubensgeschwister gewesen. Die stehen hier - wenngleich nicht namentlich - am öffentlichen Pranger, ohne sich rechtfertigen zu können.

    Dass Christen untereinander den Eindruck haben, irgendwelche Mitchristen wollten sich vor ihnen aufspielen, ist schließlich nichts Neues. Das gab's bereits unter den 12 Jüngern Jesu (Zebedäus-Söhne und andere) und nicht zuletzt deshalb weist der Herr die Jünger und auch seine Zuhörer immer wieder einmal zurecht.

    Auch Paulus muss deshalb seine Gemeinden ermahnen, einander in Liebe zu ertragen!

    Nutzen wir lieber die uns verbleibende Erdenzeit, nach den "Balken in unseren eigenen Augen" zu suchen und diese nach Möglichkeit zu entfernen.

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