Montag, 14. November 2016

Bischof Oster: Die Leute schwätzen in der Kirche, bis der Priester die Hl. Messe beginnt!

Bischof Stefan Oster schildert gerade in seinem Blog ein Erlebnis, das er bei einem Ferienauf-
enthalt in Italien hatte: Die entspannte Plauder-Atmosphäre war nicht nur draußen, sondern auch in der Kirche vor der Heiligen Messe der Normal-
zustand, und "man unterhält sich, bis der Pfarrer kommt". Und als die Predigtlänge acht Mi-
nuten erreichte, wurden die Leute "sichtlich unruhig" und schüttelten sogar den Kopf deswegen...

Doch wer nun vermutet, der Bischof wolle die italienische Kirche durch den Kakao ziehen, der irrt. Ihm geht es anhand des Anschauungsbeispieles um Grundsätzliches: Sind sich die Gläubigen überhaupt noch bewusst, dass sie "dem Heiligen begegnen"? Bereiten sie sich überhaupt noch innerlich auf die Mitfeier der Heiligen Messe vor?
Er wolle nicht anklagen, betont Bischof Oster, sondern sein sehr ausführlicher Artikel ist eine Zustandsbeschreibung und eine Anfrage - dieser Gottesdienstvollzug sei "für viele katholische Kirchen in Europa exemplarisch"
Und dann kommt er zum Hauptteil, zur Krise der Kirche in Europa, in Deutschland... - Leseempfehlung! ---> HIER !

Kommentare:

  1. Da sticht Bischof Oster in ein katholisches Wespennest!
    Es geht ihm um die Frage der christlichen Identität,
    und da schreibt er, was Sache ist,
    auch z.B., dass die Priester in Deutschland selbst kaum
    noch zur Beichte gehen.
    Wohin hat in Deutschland die vermeintliche "Befreiung"
    nach dem II. Vatikanischen Konzil geführt?
    Mit "Frohbotschaft statt Drohbotschaft" ist die Kirche
    in ihre bislang größte Krise hineingeschliddert!

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    1. Also zurück zu "Drohbotschaft statt Frohbotschaft", oder was wollen Sie mit Ihrer Analyse der "nachkonziliaren Entwicklung" uns sagen?

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    2. @Christoph, 14.11., 14:28

      Versuchen Sie einmal, diese Sache mit Frohbotschaft v. Drohbotschaft konsequent durchzudenken.
      Wer wird von der Drohbotschaft bedroht und unter welchen Umständen wird bedroht? Die Drohung besteht in erster Linie für den Fall, dass man einem Mitmenschen etwas antut.
      Wenn dafür keine Konsequenzen zu befürchten sind, dann ist das natürlich eine Frohbotschaft für die Täter. Für die Opfer (auch die potentiellen) derer, die von der Frohbotschaft profitieren, wird diese "Frohbotschaft" allerdings zwangsläufig zur Drohbotschaft.
      Sie sehen: So einfach, wie sich viele Progressis das so vorstellen, ist das nicht mit diesem "Frohbotschaft statt Drohbotschaft".

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  2. Bischof Oster will nicht anklagen. Daran scheitern die meisten Prediger in den Kirchen landauf landab. Warum eigentlich nicht? Warum soll man Missstände nicht anklagen? Es genügt anscheinend nicht mehr sich nur auf Zustandsbeschreibungen zu beschränken, um die schlafende Christenheit aufzuwecken. Will die Kirche und ihre Repräsentanten warten, bis Gott die Menschen anklagt? Ansonsten spricht der Bischof zumindest schon mal an, was in der Realität längst angekommen ist. Das ist ja auch schon mal was.

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  3. Durch die Langatmigkeit schon etwas schwere Kost,
    was Bischof Oster einem da im Alltagsgetümmel zumutet,
    aber seine Beschreibung der traurigen Zustände ist
    leider zutreffend.
    Mich hat z.B. beeindruckt, wie klar er beschreibt,
    dass nun bei den Gläubigen so eine Art "Heilsautomatismus"
    um sich gegriffen hat, und deshalb braucht man sich ja
    auch nicht mehr abzumühen. Laut Bischof Oster "verschwindet
    von hier jegliche Art von religiösem Anspruch an die Gläu-
    bigen", oder mit anderen Worten: Die Priester wagen es
    schon lange nicht mehr, auch unangenehme Themen in Predigt
    und Katechese anzusprechen.
    Ein dickes DANKE an den mutigen Bischof, dem zu wünschen
    wäre, dass es nicht bei diesem einsamen Artikel bleibt.
    So etwas gehört dringend in die Vollversammlung der
    deutschen Bischöfe!

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  4. Ohne jetzt den Artikel von Bischof Oster gelesen zu haben (hole ich später nach), möchte ich anmerken, dass ich ähnliches schon mehrfach erlebt habe, insbesondere in "Familienmessen". Teils wird auch noch bis kurz vor der Kommunion geschwätzt, und kaum ist man, nachdem man sich das Plätzchen abgeholt hat, wieder in der Bank, setzt man den Plausch fort. Wie sollen die Kinder da Ehrfurcht vor dem heiligen Raum und vor dem Allerheiligsten lernen, wenn die Erwachsenen es ihnen nicht vorleben (können)?

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  5. Bischof Oster plaudert auch aus,
    dass "die große Mehrheit" der Priester und pastoralen
    Mitarbeiter in Deutschland "der liberalen Richtung"
    angehören und es "mit den Inhalten des überlieferten
    Dogmas, der Schrift und der Liturgie nicht mehr ganz so
    genau nehmen..."
    Und dann kommt's knüppeldick für die "Reformer":
    Er frage sich "ständig, warum eigentlich kaum einer sieht
    oder artikuliert, wie wenig fruchtbar die liberalen Ansätze
    heute sind..." -
    Wenn das der ZdK-Vorsitzende Sternberg liest, gibt's
    wieder eine böse Stellungnehme...

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  6. Eine ausgezeichnete - allerdings zugegebenermaßen außerordentlich umfangreiche - Analyse kirchlicher Zu- und oftmals Missstände hierzulande und auch anderenorts in Europa.

    "HERR - erneuert Deine Kirche - und fange bei mir an!"

    Mit diesem aus China stammenden christlichen(!) Gebet hat unser Erzbischof von Hamburg sein jüngstes Hirtenwort vom 12.Nov.2016 überschrieben.

    Und das scheint mir auch das eigentliche Fazit von Bischof Osters umfangreichen Darlegungen zu sein, in welchen er die Hoffnung für die kirchliche Erneuerung ausmacht.

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  7. Diözesaner Bürohengst14. November 2016 um 15:17

    Ich halte auch große Stück auf Bischof Oster,
    weil er es trotz Bischofswürden riskiert,
    in der Diskussion angreifbar zu werden. Er zeigt
    Flagge, wie z.B. durch seine harsche Kritik an
    "kath.net" oder auch durch seinen Brief an die
    Priester seines Bistums im Nachgang zum päpstlichen
    Schreiben.
    Die Bischofskonferenz dagegen hat schon seit Monaten
    angekündigt, eine Stellungnahme zu erarbeiten, und
    bei dieser bloßen Ankündigung ist es auch geblieben.

    http://stefan-oster.de/brief-an-die-priester-im-nachgang-zum-paepstlichen-schreiben-amoris-laetitia/

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  8. Teil 2 (zu Oster:)

    Aus Erlebnisberichten Älterer
    und aus dem Blick in Zeitdokumente
    ergibt sich für frühere Zeiten und Jahrhunderte,
    dass – auch wenn die Kirchen voller waren –
    „das Volk“ dem „mysteriösen“ Geschehen/Gemurmel am Altar
    ziemlich unbeteiligt beiwohnte,
    es war vor allem aus Konvention/Tradition anwesend.

    Ich selbst kenne z. B. Erzählungen,
    wo die Leute in einem erzkatholischen Dorf
    froh waren, wenn der Priester die Messe (vorkonziliarer Ritus)
    möglichst schnell „runterlas“
    und möglichst kurz bzw. überhaupt nicht predigte,
    viele gingen nur deshalb in die sonntägliche „Frühmesse“,
    weil die schon in 25 Minuten „durch war“,
    „das Volk“ folgte sehr passiv dem Geschehen am Altar,
    sang seine Lieder, stand auf und kniete nach Vorschrift,
    viele gerade ältere Frauen beteten währenddessen den Rosenkranz,
    viele Männer standen zumindest bis zur Wandlung
    vor der Kirche oder im Vorraum und unterhielten sich.

    Tauchen solche Szenarien nicht auch in den
    Don-Camillo-Verfilmungen auf?

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  9. Nachtrag (dieser erste Teil
    scheint beim Posten verloren gegangen zu sein ...)

    Teil 1 (zu Oster)

    Na ja, das von Oster in einer italienischen Kirche
    Beobachtete ist sicherlich keine Seltenheit,
    darf andererseits aber auch nicht pauschal
    auf die ganze Kirche und deren
    Gottesdienste/Kirchgänger übertragen werden.
    Und: Vieles von dem Beobachteten
    hat es auch schon früher und teils ausgeprägter gegeben
    und ist kein neues Phänomen der „modernen Zeit“;
    manches allerdings hat es früher so nicht
    oder weniger ausgeprägt gegeben.
    Im Einzelnen zu Osters Aussagen:

    - „Die Gläubigen scheinen nicht allzu aufmerksam zu sein“ – nicht Neues, diese Unaufmerksamkeit/Desinteressiertheit, wobei das Desinteresse am „heiligen Geschehen“ früher m. E. sogar größer gewesen sein könnte
    - „Die Gläubigen werden sichtlich unruhig, als die Predigt acht Minuten überschreitet“ – nichts Neues
    - „Geschweige denn, dass sie sich innerlich vorbereitet oder inneren Nachhall durch Verweilen gegeben hätten“ – nichts Neues
    - „routinierte Beiläufigkeit“, „Gewohnheit“, „vertrautes Ritual“ – nichts Neues
    - „nicht den Eindruck, dass die Gläubigen dem Heiligen begegnen“, „man unterhält sich in der Kirche, bis der Pfarrer kommt“ – das war früher wohl deutlich weniger so, weil man sich des „Heiligen“(Messe, Kirchenraum, Tabernakel), des „Mysteriums“ wohl bewusster war, wofür auch spricht, dass damals Unterhaltungen vor der Messe in der Kirche so gut wie nicht üblich waren
    - „Geselligkeit“, „Versammlungsraum“, „Ritual im Raum der Diesseitigkeit“ – das war früher nicht oder kaum so gegeben (wobei ich aber denke, auch für heute lässt sich das pauschal nun wirklich nicht behaupten)

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  10. Da fremdelt der ernsthaft veranlagte Deutsche mit dem lockeren Südländer.

    In Südeuropa ist "Schwätzen" im Gottesdienst und schnell heruntergespulte Liturgie nichts Anstößiges, das war es da auch noch nie.
    Schon Luther gefiel das nicht, nicht weil er Reformator war, sondern weil er Deutscher war. Das hat mit Reformer oder Reaktionär gar nichts zu tun, das ist einfach die Mentalität. In meiner Jugend in Südspanien gingen auch die reaktionärsten Franco-Anhänger während Predigt selbstverständlich vor die Tür und rauchten draußen eine Zigarette und kamen manchmal erst zur Elevatio zurück. Das ist da ganz normal. Unsere Messen mit schweigend-andächtigem Volk, das höchstens mal vorsichtig etwas flüstert, wirkt für einen Südeuropäer protestantisch.

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    1. Dazu muss man nicht einmal "Südländer" sein. Auch die Ungarn haben recht wenig Probleme damit, vor der Messe auch in der Kirche zu plaudern, und das in normaler Lautstärke. Wenn dann die Messe beginnt, ist dann allerdings (so einigermaßen) Ruhe.
      Auch bei anderen Konfessionen gibt es diese Unterschiede, wie zum Beispiel bei den Orthodoxen. Man braucht nur zu schauen, wie es in einer griechischen oder, im Gegensatz dazu ganz anders, in einer russischen Kirche zugeht. Grob zusammengefasst kann man sagen, dass die die Russen den Griechen vorwerfen "Bei euch geht es in der Liturgie zu wie auf dem Marktplatz." Die Griechen wiederum zu den Russen: "Bei euch geht es in der Liturgie zu wie auf dem Kasernenhof." Jeder hat von seinem Standpunkt aus gesehen natürlich Recht.

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    2. Bei den Griechen ist es wirklich extrem, da ist die Gottesdienstgemeinde während des Gottesdienstes so eine Art Ameisenhaufen und man merkt gar nicht, ob die Liturgie überhaupt schon angefangen hat oder noch läuft oder schon vorbei ist, wenn man nicht gerade direkt vorn an der Trennwand steht.
      Wir haben hier so eine griechisch-orthodoxe Kirche vor der Haustür und besuchen da manchmal die Liturgie.

      Was die Russen angeht, kann man vieles bei Tolstoi lesen. Das deckt sich ungefähr mit Smilidons Angaben.

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  11. Offengestanden ist es mir schnurzegal,
    wie sich Japaner, Ostmongolen, Zentraltibetaner und
    Marsmenschen während des Gottesdienstes verhalten.
    Wenn das Wort "Gottes"dienst noch halbwegs einen Sinn
    machen soll, dann ist das Schwätzen fehl am Platze.
    Aber nicht nur das: Viele Menschen brauchen und suchen
    die Stille und die Anleitung im Gottesdienst, um vom
    Alltag abschalten zu können und religiös aufzutanken.
    Da nervt es gewaltig, wenn gequatscht wird.

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    1. Deutsche Christen im Anmarsch?
      ;-)

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  12. Solche Verweise auf andere (Länder), die eine Unart
    auch praktizieren, sind wenig zielführend.
    Mein Vater pflegte in solchen Fällen, wenn man den
    Quatsch anderer als Entschuldigung für eigenen Quatsch
    anführen wollte, nur zu sagen:
    Wenn ein andere Pferdescheiße ißt, machst du das dann auch?

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    1. Deutsches Sprichwort!
      Ich dachte immer "Deutschkatholisch" ist ein Schimpfwort bei den "Tradis".

      Nur zur Klärung:
      Der Verweis auf Italien stammt von Bf. Oster.

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  13. Hallo,

    ich persönlich fand den Text sehr treffend. Schön wie er die Meinung des Papstes erklärt. Ich hoffe das es ihm mit seiner deutlichen Sprach nicht geht wie Bischof Mixa. Der hatte auch eine sehr direkte Sprache.
    Gruß Michael

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