Donnerstag, 10. November 2016

Päpstliche Ohrfeife für Kardinal Sarah? - "Von einer Reform der Reform zu sprechen, ist ein Irrtum."

Immer wieder war in den vergangenen Monaten die Rede von einer denkbaren Reform der Liturgiereform, wie z.B. bei "katholisches.info" nachzulesen
---> HIER !

Doch das kam nicht unbedingt überall gut an und wurde auch missverständlich diskutiert, wie man am Beispiel der Zelebrationsrichtung sehen kann, wo es in den Stellungnahmen ziemlich querbeet geht, bis hin zur fast über-
raschenden Zustimmung bei "katholisch.de" ---> HIER !

Spätestens ab heute herrscht Klarheit. Papst Franziskus hat in einem Interview erklärt, "von einer Reform der Reform zu sprechen, ist ein Irrtum".
Sein Vorgänger Papst Benedikt XVI. habe zwar eine "großzügige Geste" vollzogen, als er die "Alte Messe" wieder mehr ins Bewusstsein gerückt
hat, aber das war laut Papst nur für die, "die nostalgisch waren und sich entfernt hatten" - womit die Piusbrüder gemeint sein dürften. 

Also eine deftige Ohrfeige für Kardinal Sarah? - Es scheint so.
Man lese
---> HIER und HIER !

Kommentare:

  1. Man müsste zuerst mal das Orginalinterview lesen,
    denn auch bei "Radio Vatikan" scheint mir mittlerweile
    nicht mehr sichergestellt, dass korrekt UND vollständig
    zitiert wird.
    Man möge mir bitte mal mit entsprechenden LINKS beweisen,
    dass das Konzil die lateinische Messsprache abgeschafft hat.
    Das Gegenteil ist der Fall: Es wurde lediglich zum besseren
    Verständnis die Möglichkeit eingeräumt, auch in der Volks-
    sprache die Messe zu feiern!
    Das Konzil hat beide Möglichkeiten anerkannt, es gibt dort
    also keine Präferenz für die "neue" Messe!

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    1. Herr Studiosus,

      nee, so stimmt das nicht.
      Sie verstehen unter Messe in lateinischer Sprache die „alte“ Messe,
      unter Messe in Volkssprache die „neue“ Messe,
      Letztere vom „Konzil“ angeblich als zweite
      (gleichberechtigte) Möglichkeit „anerkannt“ .

      „Das Konzil“ (Vaticanum II, bis Ende 1965) hat
      überhaupt nichts wirklich Konkretes zu Liturgiereformen gesagt,
      erst recht keine „neue“ Messe „anerkannt“,
      sondern hat in der Liturgiekonstitution (1963) lediglich
      den Wunsch nach allgemeiner Erneuerung der (gesamten) Liturgie geäußert
      und darüber hinaus bestimmt, dass
      der Gebrauch der lateinischen Sprache erhalten bleiben,
      zugleich es „gestattet sein“ solle,
      der Volkssprache einen „weiteren Raum zuzubilligen“.

      Die Reformen selbst erfolgten Schritt für Schritt,
      beginnend Herbst 1964 mit der von Ritenkongregation und Consilium
      erlassenen 1. Instruktion zur Durchführung der Liturgiekonstitution,
      es gab z. B. das überarbeitete Messbuch von 1965.
      Die Volkssprache wurde zunächst für den Wortgottesdienst,
      1967 auch für das eucharistische Hochgebet genehmigt
      1969 wurde die erneuerte Messordnung in Kraft gesetzt,
      1970 erschien das neue Messbuch.
      Die übersetzte und adaptierte deutschsprachige Ausgabe
      wurde nach langer Vorbereitungsarbeit erst 1976 verpflichtend
      (wobei der Gebrauch des Lateinischen auch in der neuen Messe
      durchaus möglich ist).

      Älteren Priestern wurde erlaubt,
      die „alte“ = „tridentinische“ Messe (Messbuch 1962)
      ohne Gemeinde weiterhin zu feiern.
      Traditionalistische Grüppchen behaupteten,
      die „alte“ Messe sei nie offiziell verboten worden,
      und bestanden – zunächst erfolglos – darauf, sie weiterhin
      mit bischöflicher Billigung feiern zu dürfen,
      es gab dann auch die ganzen Auseinandersetzungen mit/um Lefebvre,
      bis Johannes Paul II. 1988 die Bischöfe
      um „großzügige Genehmigungen“ bat
      und, darüber hinausgehend, Benedikt XVI. 2007 die Feier der „alten“ Messe
      (als „außerordentliche Form“) freigab.

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    2. Googlekontenloser meint:
      @Pjotr: Danke für diese Hintergrundinfo!
      Darf ich ergänzen?
      "Es soll Vorsorge getroffen werden, dass die Christgläubigen die ihnen zukommenden Teile des Mess-Ordinariums auch lateinisch miteinander sprechen oder singen können." (Sacrosanctum ConcilliumNr. 54)

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  2. Man höre und staune: Vor dem 2. Vatikanum, waren alle Messbesucher, dazu zählten meine Eltern und Großeltern, Nostalgiker! Hab ich so auch noch nicht gewusst. Wiki schreibt über Nostalgiker: (Zitat) "Nostalgie kann als eine Art Korrektiv angesehen werden. Sie kann bei Menschen entstehen, die sich in einem seelischen oder körperlichen Ungleichgewicht befinden." (Zitat Ende.)
    Na denn, hätte das Kardinal Sarah mal vorher gewusst, dass er an einem seelisch oder körperlichem Ungleichgewicht leidet. Dann hätte er sich den Rüffel von Franziskus sparen können.

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  3. Sollte der Papst dies wirklich so gesagt haben,
    wäre das eine sehr populistische, vereinfachte
    Darstellung der Tatsachen.
    Die "Alte Messe" ist nicht für die "die nostalgisch
    waren"; wenn er sowas erzählt, dann sagt er schlicht
    nicht die volle Wahrheit!

    http://www.summorum-pontificum.de/meinung/fiedrowicz.shtml

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  4. Papst Benedikt XVI. wörtlich:
    "Es gibt keinen Widerspruch zwischen der einen und
    der anderen Ausgabe des Missale Romanum. In der Liturgiegeschichte gibt es Wachstum und Fortschritt,
    aber keinen Bruch.
    Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns
    heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum
    verboten oder gar schädlich sein. Es tut uns allen gut,
    die Reichtümer zu wahren, die im Glauben und Beten der Kirche gewachsen sind und ihnen ihren rechten Ort
    zu geben."

    http://missa-tridentina-kevelaer.jimdo.com/summorum-pontificum/

    Dem derzeitigen Papst Franziskus zur Lektüre empfohlen!

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  5. Ordinariatsgeschädigter10. November 2016 um 17:47

    Ich fürchte,
    hier liegt bei einigen Lesern ein Missverständnis
    vor, mitbedingt durch zu knappe Berichterstattung bei
    "Radio Vatikan".
    Es geht aktuell überhaupt nicht um das Thema "Alte Messe"
    pro und contra, und an eine Abschaffung ist auch nicht
    gedacht.
    Wenn man das im größeren Zusammenhang bisherige Äußerungen
    von Papst Franziskus sieht, dann baut er hier lediglich
    für Diskussionen, wie sie Kardinal Sarah angezettelt hat,
    eine Schranke auf: STOPP, es wird an der seit Jahrzehnten
    geltenden Liturgiereform nicht erneut rumgebastelt!

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    1. Der größere Zusammenhang - das ist das
      wichtigste Stichwort an diesem Tag,
      da schon wieder Schnappatmung in Aussicht ist.
      Warten wir auf den gesamten Papsttext!
      Auf jeden Fall hat er, durch Kardinal Sarah
      "bedroht", unklug reagiert, indem er auf
      diesen Zug unnötigerweise aufgesprungen ist.
      In der Realität ist doch etwas ganz
      anderes entscheidend:
      WIRD DIE HEILIGE MESSE FEIERLICH UND WÜRDIG
      GEFEIERT oder wird sie "abgespult" oder zur
      Theatervorstellung diverser Gruppen, die gerne
      auch mal im Altarraum stehen?
      Man kann beide Formen - die ordentliche und
      die außerordentliche Form - im eigentlichen
      Sinne der Liturgie zum Lobe Gottes feiern,
      aber man kann sehr wohl auch beide Formen
      zum Götzendienst machen!

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  6. Kardinal Sarah hat sich zu weit aus dem
    Fenster gelehnt, und nun ist er abgestürzt!
    Seine in den letzten Monaten dauernd wiederholten
    Forderungen, die Liturgiereform quasi zurückzunehmen,
    waren eine Provokation für Papst Franziskus.
    Der hat jetzt mal klargestellt, wer in der katholischen
    Kirche der Chef im Ring ist. Gut so!

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  7. Das Schlimme ist, dass viele heute gar nicht
    mehr wissen, was feierliche Liturgie bedeutet.
    Um eine kleine Ahnung davon zu bekommen,
    lese man das Buch von Martin Mosebach über die
    "Häresie der Formlosigkeit"

    https://files.hanser.de/hanser/docs/20070302_2732175732-79_20070303_978-3-446-20869-8.pdf

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    1. Nein, "eine kleine Ahnung von feierlicher Liturgie" bekommt man aus diesem Buch, das kein seriöses theologisches Sachbuch, sondern eine essayistische Kampfschrift ist, nicht.
      Es ist eine einzige Abrechnung mit der ordentlichen Form des römischen Ritus, die Herr Mosebach für "formlos", d.h. häretisch brandmarkt, und eine einzige Apotheose der außerordentlichen Form, also der sog. "Messe aller Zeiten".

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  8. Dieser Papst ist einfach ein donum spiritus sancti, das zeigt sich immer wieder. Deo gratias!

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    1. Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, daß "donum" Geschenk heißt? Sie meinten wahrscheinlich "probatio"!

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    2. Ich bin auf dem humanistischen Gymnasium gewesen, neun Jahre Latein. :-)
      Eine probatio ist Trump, aber nicht spiritus sancti, sondern diaboli.

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    3. Verehrte Elisabeth,

      was Trump angeht, sind Sie ein Opfer der hiesigen Propaganda. Die Alternative zu ihm, die korrupte Abtreibungsfanatikerin Clinton, werden Sie als Katholikin sicherlich auch nicht schätzen. Schon allein der zehntausenden Kinder wegen, die allein durch Clintons Nichtwahl die Change erhalten, das Licht der Welt zu erblicken.

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    4. Verehrter Arminius,

      Sie wissen genaus wie ich, dass Ihr letzter Satz schlicht unwahr ist. Als im Jahr 2.000 der erklärte Abtreibungsgegner und "fromme Christ" George W. Bush Präsident wurde, jubilierten die Lebensschützer auch. Das Ergebnis nach acht Jahren Bush-Regierung: die Abtreibungszahlen in dieser Zeit waren um ein Drittel höhen als während der acht Jahre Bill Clinton davor!

      So wird es auch jetzt sein. Wenn Sie davon träumen, dass Trump abtreibende Frauen ebenso in den Knast steckt wie er es mit H. Clinton machen will, dann täuschen sie sich. Kann er nicht, selbst wenn er es wollte, weil die Gesetzeslage eine andere ist. Und die ist durch das Oberste Gricht seit 1973 festgelegt, und kein Präsident hat sie bisher ändern können. Auch nicht durch die Ernennung "konservativer" Richter.

      Nebenbei bemerkt: Wenn Sie Trump sein plötzlich entdecktes Christentum abnehmen, ist das Ihre Entscheidung. In Wahrheit interessiert ihn der Glaube und auch das Abtreibungsthema null. Sie werden es bald merken.

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    5. Verehrte Elisabeth,

      lesen Sie bitte Clintons Wahlprogramm. Dort sind die Abtreibung und die LGBT-Agenda massiv verankert. Unter Clinton wären Abtreibung deutlich ausgeweitet worden. Für einen Katholiken war Clinton folglich unwählbar.

      PS: Wo habe ich etwas zu Trumps Christentum geschrieben?

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  9. Wie üblich, ist der Papst mal wieder auf
    einem Auge blind - er sieht wie bei seiner Kapitalis-
    muskritik und den Schlägen in der Kindererziehung
    immer nur einen begrenzten Ausschnitt der Wirklichkeit.
    Das sieht man auch z.B. daran, wenn er davon spricht,
    die Priester mögen den Beichtstuhl "nicht zur Folter-
    kammer machen".
    Er ist schon sehr alt und nimmt offenbar nicht mehr
    so richtig wahr, dass es genau das Gegenteil ist:
    Die Leute kommen nicht mehr zur Beichte, weil man
    ihnen in den Kirchen beigebracht hat, dass Gott in
    seiner Güte und Barmherzigkeit längst alles verziehen
    hat, und da tut es dann auch eine Bußfeier.
    In vielen Gemeinden ist die Liturgie längst zu
    einem Tummelplatz aller denkbaren Spielereien ge-
    worden. Ich habe es selbst erlebt, dass ein deutscher
    Bischof es sich vom Pfarrer vor der Firmung schrift-
    lich geben ließ (das mache er immer so, wurde ich
    belehrt), dass dieser sich an die Vorgaben des Mess-
    buches halten werde...

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  10. Ich würden den Hl. Vater gerne einmal fragen, ob ihm Kardinäle, die das Kreuz verleugnen, lieber sind als Kardinäle, die sich für eine würdige Feier der Hl. Messe einsetzen.

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  11. Einen guten, nachdenklich machenden
    Text zum Vergleich von "alter" und "neuer" Messe
    gibt es mit etwas überraschender Erkenntnis hier:

    http://opusdei.de/de-de/article/zur-alten-und-neuen-form-der-eucharistiefeier/

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