Dienstag, 20. Dezember 2016

Kardinal Burke will nach Weihnachten eine "formale Zurechtweisung" des Papstes wegen "Amoris Laetitia"

Irgendwie ist heute ein besonders gruseliger Tag,
habe ich den Eindruck.
Nach dem Schrecken von Berlin folgt der nächste Schrecken, diesmal in Form von Kardinal Burke. - Man man mich gerne in angemessenem Ton beleh-
ren, aber ich finde das nicht sonderlich gut, wenn ich ge-
rade bei "katholisches.info" einen Artikel lese, der auf ein Original bei "LIFESITENEWS" verweist.
Darin erfährt man, dass Kardinal Burke wohl ernst machen möchte mit einer "formalen Zurechtweisung" des Papstes, weil dieser sich immer noch weigere, den vier Kardinälen auf ihre Anfrage zu "Amoris Laetitia" zu ant-
worten. Gegenüber der Internetseite hat Burke erläutert, wie er sich das weitere Vorgehen denkt: Im Januar, nach Dreikönig, könne die "Correc-
tio fraterna"
(brüderliche Zurechtweisung) des Papstes erfolgen. Es gebe in der Kirchengeschichte einige Präzedenzfälle dafür. 

Mir ist vollkommen schleierhaft, wie das praktisch vor sich gehen sollte, und in der verlinkten Quelle erfährt man auch nur, dass dies "sehr einfach" zu bewerkstelligen sei, ohne aber zu verraten, wie denn...
Vielleicht habe ich da ja auch was in den falschen Hals gekriegt oder miss-
verstanden, aber diese ganze Kommunikation ausschließlich über den Weg der Öffentlichkeit, anstatt sich mal an einen Tisch zu setzen, ist nicht ge-
rade eine Werbung für das liebende Miteinander in der Kirche...

Man schaue ---> HIER und HIER !
Wie man in der "Tagespost" recht gut zusammengefasst lesen kann, geht das pro und contra mit Stellungnahmen diverser Kirchenmänner munter weiter ---> HIER !

In heutiger Managersprache würde man wohl formulieren, dass die ganze Sache mit "Amoris Laetitia" reichlich suboptimal gelaufen ist...
 

Kommentare:

  1. Statt der gewohnten Schnappatmung stellt sichb angesichts dieser forschen Ankpndigung Seiner Eminenz wohl ausnahmsweise mal ein Dauerorgasmus bei unseren Tradis ein...

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  2. Ich sehe mich ausserstande, für ein liebendes Miteinander in der Kirche zu werben, wenn dabei die Wahrheit unter den Teppich gekehrt wird. Das sieht Kardinal Burke wohl ähnlich, wobei ich davon ausgehe, dass er mit dem Papst schon mal an einem Tisch gesessen hat.

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    1. Dass Problem dabei ist, dass du einfach nur deine eigene Sichtweise zur "Wahrheit" definierst, ohne dir die Mühe zu machen, die wirkliche Wahrheit herauszufinden. Was Burke sagt, ist ja gar nicht "wahr", das ist doch gerade der Punkt. Er denkt nur, dass es wahr wäre, und schaltet deswegen auf stur. Das hat mit Wahrheitsliebe nicht so viel zu tun, auch wenn seine Anhänger ihn zum "Wahrheitsapostel" stilisieren. In Wahrheit ist das aber bloß Rechthaberei.

      Wenn du kein liebevolles Mit- und Nebeneinander unterschiedlicher Standpunkte akzeptierst, die alle eine gewisse Berechtigung haben, von denen aber keiner beanspruchen kann, "die" Wahrheit zu sein, dann wirst du die wirkliche Wahrheit nie herausfinden, sondern immer nur deine eigene Wahrheit spiegeln und dich im Endeffekt in offensichtliche Unwahrheiten verrennen, nur um Recht zu behalten. Das ist das abschreckende Beispiel, das Burke & Co. hier bieten.

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    2. "Dass Problem dabei ist, dass du einfach nur deine eigene Sichtweise zur "Wahrheit" definierst, ohne dir die Mühe zu machen, die wirkliche Wahrheit herauszufinden."

      @Jorge

      1. Für mich ist das kein Problem, meine eigene Sichtweise als wahr zu bezeichnen. Für dich wohl eher.

      2. Über meine Bemühungen die Wahrheit zu finden hast du kein Wissen, was soll also dein Vorwurf.

      3. "Wirkliche Wahrheit" ist so mit das schrägste was ich in letzter Zeit gelesen habe. Gibt es deiner Meinung nach auch eine unwirkliche Wahrheit?

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    3. 1. Seine eigene Ansicht naiv und ungeprüft für wahr zu halten, läuft entweder auf Relativismus (jeder hat seine Wahrheit und soll damit glücklich werden) oder auf krude Rechthaberei hinaus (ich habe die Wahrheit und du nicht).

      2. Was denn für ein Vorwurf?
      Klar ist aber doch: Du musst am Ball bleiben und deine Ansichten kritisch hinterfragen. Dabei hilft es, sich mit ganz anderen Ansichten konstruktiv (und natürlich am besten in einem liebevollen, wohlwollenden, unvoreingenommenen und konstruktiven Klima) auseinanderzusetzen.
      Einfach nur sagen, "für mich ist meine Wahrheit kein Problem", ist argumentativ sehr schwach, im Grunde ignorant, weil es fremde Ansichten per se ausblendet und als unwahr wegschiebt, statt sie ernstzunehmen und ernsthaft zu untersuchen.

      3. Das ist ein kurioses Statement. Wenn du nicht nach der wirklichen Wahrheit suchst, sondern dich mit Scheinwahrheiten oder Missverständnissen zufrieden gibst, was möchtest du dann erreichen im Leben? Und wie kannst du dann Jesus Christus finden? Der ist doch die wirkliche Wahrheit.

      Wenn du nicht glaubst, dass hinter allem eine wirkliche, bleibende Wahrheit steckt, die alles durchdringt und erklärt, und aufhörst danach zu suchen, wirst du ja beinahe notgedrungen zum Relativisten. Gerade das ist es doch, wovor Ratzinger immer gewarnt hat, diese Suche nach dem Wahren und Bleibenden aufzugeben.

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  3. Solange der Papst nicht "ex cathedra" gesprochen
    hat, ist eine Diskussion seiner Gedanken erlaubt
    - und zuweilen auch dringend nötig.
    Kardinal Burke ist ein frommer und im besten Sinne
    papsttreuer Mann, der sehr darunter leidet, wie durch
    die schwammige Formulierung dieses Papstes dem Miss-
    brauch Tür und Tor geöffnet wird.
    Von daher ist es seine Pflicht, Einspruch zu erheben
    und den in den Abgrund fahrenden Zug noch umzuleiten,
    falls dies noch möglich ist.

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  4. Diözesaner Bürohengst20. Dezember 2016 um 15:13

    Was ich gerne von Kardinal Burke beantwortet hätte:
    Hat er deswegen persönlich mit dem Papst Kontakt
    aufgenommen und um ein Gespräch gebeten?
    Hat der Papst dieses Gespräch abgelehnt?
    Mir geht es nicht um das "Was" - also eine weiter als
    bisher gehende Diskussion -, sondern ähnlich wie der
    Kreuzknappe um das "Wie".
    Wenn Kardinal Burke der Meinung ist, er müsse solch
    ein Verfahren gegen den Papst wirklich anstrengen,
    hätte er dies aus Liebe zur Kirche auch geräuschlos
    machen können, ohne das öffentlich an die ganz große
    Glocke zu hängen!

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    1. Genau das hat Burke schon versucht, nur wollte der Papst nicht auf die Fragen antworten

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  5. Interessant ist die Verlinkung zur "Tagespost",
    denn da wird das ganze Ausmaß der Missstimmung deut-
    lich, die jetzt herrscht, nachdem der Papst es vor-
    zieht, sich so auszudrücken, dass jeder das heraus-
    lesen kann, was ihm passt.
    Man fragt sich, was die Bischöfe eigentlich in sechs
    Wochen (!) Synode getrieben haben, und ob es da nicht
    genug Aussprachemöglichkeiten gab?!

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    1. Natürlich, es wurde ja alles durchdiskutiert. Nur passt das Ergebnis, das der Papst daraus ableitet (er stützt sich hpts. auf die in der dt. Arbeitsgruppe erarbeiteten Kompromissformel) vielen Hardlinern nicht in den Kram und sie machen deshalb einfach weiter wie zuvor und wiederholen ihren rigoristischen Standpunkt stets aufs Neue, ohne jegliche Einsicht oder Kompromissbereitschaft. Das kann man nicht dem Papst anlasten. Der hat durch seine relativ behutsame (aber eben dennoch völlig klare) Ausdrucksweise versucht, die Hardliner nicht übermäßig bloßzustellen, also den Konflikt zu entschärfen und weiteren Diskussionen über die Details nicht im Weg zu stehen. Das die Extremisten das ausnützen, um ihm "Unklarheit" vorzuwerfen, ist nur ein taktischer Trick.

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    2. Es geht hier um eine Frage der Wahrheit. Rein logisch verbieten sich da Kompromisse! Richtig oder falsch. Ein wenig schwanger geht auch nicht!

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    3. Soweit ich das beurteilen kann (und das kann ich ganz gut), ist die Position der Hardliner eben gerade nicht "wahr". Das ist ja das Problem, dass sie das nicht einsehen, obwohl ihre Position schon rein logisch betrachtet gar nicht zu halten ist. Ein simpler, komplett undifferenzierter Rigorismus ohne Sinn und Verstand.
      Irreguläre Beziehung sind eben kein Ehebruch, das ist ja schon vom Wort her unlogisch (eine Ehe, die schon zerstört ist, kann nach dem Verständnis Jesu und der Kirchenväter gar nicht mehr "gebrochen" werden) und wird im NT sogar von Jesus selber aufgezeigt, wenn er ausgerechnet der einzigen "wiederverheirateten Geschiedenen", die im Evangelium auftaucht, das "Wasser des Lebens" anbietet und ihren "Mann" (der gar nicht ihr wirklicher Ehemann ist) ausdrücklich dazu rufen lässt.

      Kompromisse beziehen sich auf die Fähigkeit, andere Positionen und Argumente wahrzunehmen und den eigenen Standpunkt nicht zu verabsolutieren. Nur so kann man am Ende die wirkliche Wahrheit herausfinden. Wer glaubt, er hätte die "Wahrheit" gepachtet, und nicht auf andere hören will, endet wie Burke in offenkundigen Irrtümern.

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    4. "Soweit ich das beurteilen kann (und das kann ich ganz gut),"

      Nee, Jorge ICH(!) kann das besser als du. Das nennt man dann wohl wirkliche Wahrheit. LOL

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    5. Soweit ich das beurteilen kann,
      lieber Leser "Jorge",
      versuchen Sie es mal wieder mit einem
      pseudo-theologischen Taschenspielertrick:
      Hätten Sie besagte Stelle Joh 4,5-42
      wirklich gelesen, wäre Ihnen aufgefallen,
      dass es dort um eine Frau geht, die fünf mal
      verheiratet war und mit ihrem jetzigen Lover
      gar nicht verheiratet ist und das auch nicht
      vorhat.
      Dass Jesus ihr mitmenschlich sozial hilft,
      weil sie eine Verachtete, eine Ausgestoßene ist,
      bedeutet, dass er sie an den wahren Glauben
      heranführen will, indem er ihr eine Verständnis-
      brücke baut.
      Zitat Katholisches Bibelwerk: "Eine moralische
      ... Auslegung geht an seiner Pointe haarscharf
      vorbei".
      Jesus sagt: Ich kann den Durst nach Leben stillen,
      auch deinen Durst! Dazu ist es aber nötig,
      dass du dein Leben betrachtest, wie du gegen
      Gott und Gebot gelebt hast.
      Lass dein altes Leben hinter dir, vertraue mir!

      https://www.bibelwerk.de/sixcms/media.php/185/a_fastensonntag.3_e_joh.pdf

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    6. Endet Card. Burke in offensichtlichen Irrtümern?
      Sind Sie da sicher? Ich traue einem ausgewiesenen Kirchenrechtler da mehr zu als meinen eigenen kleinen Einsichten in die Tradition und seine Aussagen erscheinen mir wesentlich klarer und eindeutiger als AL und in Übereinstimmung mit den mir bekannten Lehrtraditionen, inkl. des CIC, aber ich kann mich da ja durchaus irren...

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    7. Also, Burke zu beurteilen traue ich mir einfach deswegen zu, weil ich seine Bücher und Schriften lese (ebenso wie die anderer Autoren), und weil ich dann anhand logischer oder historischer Kriterien prüfe, wo seine Argumente überzeugen und wo sie nicht überzeugen oder auch einfach nicht stimmen und auf falschen Fakten basieren (etwa bei seiner Konzeption von der "objektiven Sünde").

      Habe nichts dagegen, wenn man meine Beurteilung mit Gegenargumenten in Frage stellt. Ganz im Gegenteil, nur so kann man gemeinsam zur wirklichen Wahrheit vorstoßen. Nur argumentativ und irgendwie logisch und zuverlässig muss so ein Austausch halt sein, sonst geht es nicht.
      Daran hapert es bei Burkes letzten Statements massiv, weil er schlicht auf die Gegenargumente gar nicht achtet und von falschen Voraussetzungen ausgeht.

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    8. Auch bei dem biblischen Beispiel würde ich meine Deutung natürlich nicht verabsolutieren, aber jedenfalls finde ich sie genauso schlüssig wie die derjenigen, die diese Episode benutzen, um gegen die Wiederverheiratetenkommunionzulassung zu argumentieren. Das tut zum Bsp. Grisez zuletzt in diesem vor einigen Tagen publizierten 8-Punkte-Papier, wo er die Perikope von der Frau am Jakobsbrunnen einfach nur nennt und so tut, als würde das seine Sichtweise stützen. Dabei stimmt das gar nicht. In der Perikope steht eben gar nichts davon, dass Jesus von der Frau und ihrem Partner verlangen würde, sie müssten sich trennen, um das Wasser des Lebens zu bekommen. Es ist ja viel realistischer anzunehnen, dass sie sich eben nicht trennen, sondern zusammen bleiben und mit dem Wasser des Lebens als glückliches Paar alt werden.

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    9. Was für ein Kopfschütteln das von Kdl. Burke frei erfundene Rechtsinstitut eines "formellen Aktes der Lehrberichtigung" des Papstes in Fachkreisen ausgelöst hat, habe ich ja hier schon öfters beschrieben. Damit hat er sich ziemlich desavouiert, und zwar gerade, weil jeder weiß, dass er an sich ein guter Jurist ist, was ich bestätigen kann. Ein ausgezeichneter Kenner der Kirchenrechtsgeschichte wie Juan Mari Laboa bezeichnete diese Idee, für die es keinerlei Anhalt in der Kirchenrechtsgeschichte gibt, als una absoluta locura, also "kompletten Irrsinn".

      http://www.periodistadigital.com/religion/vaticano/2016/11/16/burke-amenaza-con-hacer-al-papa-un-acto-formal-de-correccion-de-un-error-grave-religion-iglesia-vaticano-divorciados-francisco-caffarra-meisner-brandmuller.shtml

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    10. zu Jorge um 20:15 Uhr:
      Da Sie anscheinend vom Fach sind,
      sollten Sie diese Steinbruch-Exegese nicht
      anwenden, wie sie z.B. auch von Sekten und Kirchen-
      hassern praktiziert wird:
      Man nimmt eine Bibelstelle, betrachtet sie ganz
      wörtlich und sagt - schaut mal, das will uns Jesus
      lehren, z.B. dass man sich die Hand abhacken soll,
      wenn sie einem zum Ärgernis wird oder dass man
      Leute, die Kinder verführen, mit einem Mühlstein
      im Wasser versenken soll.
      Nun wissen wir aber, dass wir nach der Aussage-
      absicht des jeweiligen Evangelisten zu fragen
      haben bei dem, was er über Erlebnisse mit Jesus
      schreibt.
      Die klare Botschaft der betreffenden Perikope ist
      doch nicht eine Aussage über die Ehe oder gar eine
      Stellungnahme zur Ehelehre, und das wissen Sie
      selbst auch ganz genau!
      Das große Thema ist doch, dass Jesus Erbarmen mit
      dieser Frau hat, die menschenunwürdig lebt, und
      dass er ihr mit dem psychologisch sehr feinfühlig
      ablaufenden Gespräch den Blick freimachen will,
      dass ein Leben, wie sie es führt, nicht glücklich
      machen kann. Seine Einladung heißt:
      Mach bei dir mal eine ehrliche Bilanz deines Lebens,
      ziehe einen Schlussstrich und ändere dein Leben!

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    11. Das Kopfschütteln, das Leser Jorge
      sieht, scheint er nur sehr einseitig wahr-
      zunehmen, denn noch viel größer ist das
      Kopfschütteln über diesen Papst,
      der die ganze Affäre mit seiner Sturhheit aus-
      gelöst hat. Würde er endlich Stellung beziehen,
      wäre das Thema geklärt.
      Abgesehen davon ist das Einschießen auf Kar-
      dinal Burke ein alter rhetorischer Trick,
      bei dem man einen aus der ganze Reihe raus-
      pickt und fertig machen will.
      Tatsächlich aber steht Burke ja nicht allein,
      wie wir nicht nur durch die VIER Kardinäle
      wissen, sondern auch durch zahlreiche weitere
      Papstkritiker.

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    12. zum Diakon 7:18 Uhr:
      Nein, ich bin von keinem Fach, aber ich lese trotzdem Fachliteratur, um mitreden zu können. Das kann jeder tun, so schwer ist das nicht. Wenn es alle täten, die über dieses Thema reden, wäre besser bekannt, dass in den "Fragen" aus diesem Schreiben Burkes, die er zu "Lehrirrtümern" ausbauen möchte, nichts steht, was in den letzten Jahren nicht schon oft gefragt und andauernd diskutiert wurde, und Burke und die amerikanischen Rechtskatholiken hier von vielen möglichen nur eine (komplett auf Genitalität fixierte) Position beziehen, und zwar nicht die biblisch oder moralphilosophisch fundierteste, sondern einfach die extremste.

      Weil ich gern solche Literatur lese, weiß ich auch, was "Steinbruchexegese" bedeutet. Sie besteht darin, sich einzelne Sätze aus der Bibel zu picken und darauf eine ganze Ideologie oder Denkschule aufzubauen, ohne den restlichen Text zu beachten. Genau das tun die Wiederverheiratetenkommuniongegner laufend, indem sie Jesu klares Verbot der Ehescheidung zitieren, die Matthäusklauseln weglassen, damit zugleich das antike Eheverständnis der Kirchenväter und Jesu selbst völlig ignorieren, die Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen und mit der fast gesteinigten Ehebrecherin in ihrem Sinn umdeuten und den Rest der Lehren und Taten Jesu überhaupt nicht beachten (Schuldturmgleichnis, Gleichnis der Arbeiter auf dem Weinberg, Balken-Splitter-Parabel, sein Essen mit öffentlichen Sündern und seine Reaktion auf die Kritik an diesem Verhalten, seine skandalösen Sündenvergebungen, dgl. z.B. auch das Schwurverbot, das Wort vom bösen Auge, von den durch heuchlerische Priester den einfachen Menschen auferlegten Lasten; Jesu Verachtung für Frömmlei, Neid und Missgunst und seine Verurteilung derjenigen, die Gott Vorschriften machen wollen, wen er retten darf und wen nicht).

      Wenn der @Diakon ebfs. der Meinung ist, aus dem Flirt Jesu am Jakobsbrunnen ließe sich in punkto Ehelehre nicht viel gewinnen, ist das ja wunderbar, das sehe ich genauso. Nur sollte man zur Kenntnis nehmen, dass Wiederverheiratetenkommuniongegner aus dem Umfeld Kdl. Burkes genau diese Perikope benutzen, um ihre Ansicht zu untermauern. Dabei spricht sie wenn überhaupt eher für das Gegenteil, denn es ist kaum vorstellbar, dass die Flirtpartnerin Jesu mit dem Wasser des Lebens ehelos bleibt, jedenfalls steht davon nichts im Text und sie könnte genauso gut eine treue Gattin werden.

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    13. @August Becher
      Kdl. Burke steht deswegen im Fokus, weil er dieses „Impeachment“-Verfahren konzipiert hat, für das diese „Dubia“ als erster Schritt dienen; der zweite wäre die „Lehrbeanstandung“ und der dritte nach dem Wunsch seiner Anhänger eine Art „Rücknahme“ von AL oder gar ein Rücktritt des Papstes. Natürlich ist Burke nicht alleine, die amerikanischen Extremisten stehen ebenso hinter ihm genau wie das Opus Dei. Aber er treibt es halt am weitesten. Gegen Sachkritik an AL kann ja keiner etwas haben, die gibt es ja auch z.B. ggü. HV. Solche Absetzungsinitiativen, nur weil man die Lehre des Papstes nicht teilt, sind hingegen abartig und vollkommen indiskutabel.

      Geflissentlich wird übersehen, dass die „Fragen“ dieser „Dubia“ eben nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden sollen, sondern extra so formuliert sind, dass der Papst nach Auffassung der Briefschreiber nur eine Antwort geben kann, die ihnen passt. Antwortet er im Sinne der Fragesteller „falsch“, so halten sie das für eine „Häresie“ und glauben dann, dem Papst nicht mehr gehorchen zu müssen, weil sie die „Lehre“ vermessenerweise besser zu kennen glauben. Das ist ja der Sinn dieser „Dubia“, wie er speziell von Kdl. Burke in mehreren Interviews erläutert wurde.

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    14. Frage an Leser Jorge (sein Beitrag um 13.50 Uhr):
      Verstehe ich das richtig,
      dass jeder konservative Katholik in Ihren
      Augen ein "Extremist" ist?
      Es ist ehrenwert, dass Sie den Papst so tapfer
      und penetrant verteidgen, aber mal so ganz
      unter uns:
      Wenn Sie Papst wären, hätten Sie nicht längst
      die Herren Kritiker mal zu einem Gespräch gebeten,
      um die Sache endlich vom Tisch zu kriegen
      und den Image-Schaden zu begrenzen?

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    15. Ich hatte doch schon mehrfach geschrieben und es ist in dem von mir verlinkten Artikel sogar fotografisch belegt, dass Burke 2 (oder 3) Tage vor der Veröffentlichung dieser "Dubia" einen pers. Termin beim Papst hatte und ein 40-50-minütiges Gespräch mit ihm geführt hat, in dem er aber dem Vernehmen nach nichts von seinen "Impeachment"-Absichten gesagt haben soll (wobei nat. keiner wirklich weiß, was da besprochen wurde).

      Das war doch der Grund dafür, warum sich in Spanien einige so sehr über Burke aufgeregt und den Entzug der Kardinalswürde als "Bestrafung" gefordert haben.

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  6. Kdl. Burke ist halt felsenfest davon überzeugt, er habe Recht. Komplett unbelehrbar. Dabei stimmen seine Behauptungen rein sachlich betrachtet überhaupt nicht. Sex außerhalb der Erstehe ist nunmal keine "in sich böse Tat", und zwar selbst dann nicht, wenn man ganz streng nach Thomas von Aquin vorgeht, rein naturrechtlich argumentiert und alle anderen Denkansätze ausblendet.

    Deshalb kann die Kirche ohne Weiteres Menschen gestatten, nach einer gescheiterten Ehe eine neue sexuelle Beziehung einzugehen, wenn die Umstände das erfordern oder erlauben. Das liegt daran, dass so eine Beziehung sittlich betrachtet grds. gut ist und eben nichts intrinsisch Schlechtes. Das haben ja auch konservative Theologen von Kdl. Ratzinger über G.L.Müller bis hin zu Kdl. Kasper oft genug klargestellt. Wie gesagt, das ist ganz streng nach Thomas gedacht.
    Natürlich darf die Kirche solchen Menschen auch nicht pauschal die Sakramente verweigern, weil das ihrem Heilsauftrag widerspricht. Gerade dies war ja das Dilemma der bisherigen Regelung, dass sie zu theologisch unhaltbaren Konsequenzen führte, indem man Leute von den Sakramenten ausschloss, die überhaupt nichts Böses taten.

    Der Papst zieht nur die folgerichtige Konsequenz aus diesen Überlegungen, die seit Jahrzehnten diskutiert werden. Auf der Synode gabs die letzte Gelegenheit, die gegensätzlichen Standpunkte deutlich zu machen, und dann hat der Papst den richtigen Standpunkt ausformuliert, und zwar nicht "schwammig", sondern klipp und klar.
    Gerade deswegen sind die Protestler ja so aufgebracht, weil ihre rigoristische Interpretation dieser Frage klipp und klar verworfen wurde, und zwar keineswegs nur in einer Fußnote, sondern natürlich auch im Fließtext (dass sog. "Irreguläre" nicht mehr pauschal mit Todsündern gleichgesetzt werden dürfen, steht ja ganz ausdrücklich in der Nr. 301).

    Bei Burke herrscht der reine Rigorismus, und moralischer Rigorismus ist nie die Linie oder "Lehre" der Kirche gewesen, auch wenn es solche Strömungen natürlich immer auch gab. Deshalb sind seine Bezugnahmen auf die kirchliche Tradition ganz verfehlt.

    Außerdem hat Burke ein großes Unterstützerpotenzial unter den vielen katholischen Trump-Wählern in den USA.
    Im Kern ist das ein hpts. amerikanisches Problem.
    Dieser verbohrte Puritanismus ist an sich nicht wirklich katholisch.

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    1. Sie müssen den Kardinal, sein Denken und sein Umfeld aber sehr gut kennen, wenn ich Ihre Einlassungen lese ...

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  7. " anstatt sich mal an einen Tisch zu setzen"
    Es wäre schön, wenn alle miteinander reden. Aber was ist, wenn einer sich weigert????????????

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  8. ein Priester (75 Jahre)20. Dezember 2016 um 17:47

    Ich bin da auch hin- und hergerissen,
    einerseits verstehe ich Burke,
    andererseits habe ich den Eindruck, dass manche
    den Papst absichtlich nicht verstehen wollen.
    Abgesehen davon scheinen mir seine Ideen
    über lange Gespräche z.B. zum eventuellen Kommunion-
    empfang wiederverheiratet Geschiedener äußerst un-
    realistisch zu sein. Wir Älteren sagen in solchen
    Fällen "Das ist ein Persilschein...!"

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  9. Kardinal Burke agiert richtig. Sollte der Bischof von Rom nicht angemessen reagieren, d.h. diese Fragen nicht eindeutig mit ja oder nein beantworten, wird es wohl auf ein Schisma hinauslaufen. Es bleibt keine andere Wahl. Entweder für Christus oder gegen Christus. So wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Euer Ja sei ein Ja und euer Nein sei ein Nein. Der Papst hat die Wahrheit und die unverfälschte Lehre zu verkünden. Jeder der die Lehre verfälscht oder ein anderes Evangelium verkündet, der sei verflucht. Wir stehen hinter Ihnen, Kardinal Burke, und beten für Sie. Wo kommen wir denn hin, wenn der oberste Hirte Häresien verkündet?

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    1. Wo kommen wir denn hin, wenn "Hardy Joe" entscheidet,dass der Vicarius Christi Häresien verkündigt?

      Was Sie hier machen, ist plumpester Protestantismus.
      Ubi Petrus, ibi ecclesia!

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  10. Franziskus muß antworten. Dann ist die Sache doch ordnungsgemäß und erhellend aus der Welt. Was ist das für eine Unart, ernsthaft und formal einwandfrei gestellte Fragen von grundsätzlicher Dringlichkeit einfach nícht zu beantworten?

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  11. Geht ein Ehebrecher im 20. Jahrhundert in die Hölle, während ein Ehebrecher im 21. Jahrhundert in den Himmel kommt? Wenn ja, lag dann die Kirche mit Erlaubnis des Heiligen Geistes 2000 Jahre lang falsch?

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    1. Nun ist doch gerade das Problem bei dieser Frage, dass es im Laufe der "2000 Jahre" Kirchengeschichte ganz unterschiedliche Antworten und zigfache Ausnahmen von dem Verbot der Wiederheirat nach Scheidung gab (die auch lange Zeit nicht das Gleiche wie "Ehebruch" war). Die Regelung, die bis Amoris Laetitiae herrschte, stammt von 1981/83 (mit ein paar Jahren Vorlaufzeit, in denen sie erprobt wurde) und war damals etwas völlig Neues. Also von wegen "2000 Jahre"!

      Wichtig in der dogmengeschichtlichen Entwicklung ist vor allen Dingen das Trienter Konzil und der dortige Kanon 7 von 1547. Der lässt es ganz bewusst offen und bleibt viel "schwammiger" als AL.

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  12. Wenn ein Ehebrecher Reue zeigt und umkehrt, ist es egal ob er im 20. oder 21. Jahrhundert geboren ist. Das war schon immer die Ansicht der Kirche im Lauf der Geschichte.

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  13. Vielleicht sollte man Jorge mal
    an die Fakten erinnern.

    Paul IV. stützte sich dabei auf die traditionelle Lehre der Kirche:

    a) Die Heiligen Väter wie der heilige Hilarius, der heilige Hieronymus und der heilige Eusebius haben geurteilt, dass Papst Liberius in häretische Verworfenheit gefallen sei.

    b) Das Römische Konzil von 503 gesteht zu, dass ein Papst vom Glauben abfallen kann. ... ist es verboten, einen Papst zu richten, es sei denn „er sei vom wahren Glauben abgewichen“ (Harduinus 2, col. 984)

    c) Innozenz III. in Predigt „In Consecratione Pontificis“... Joh 3,18

    d) Dekret Gratians – Kanon „Si papa“...

    e) 6. Ökumenisches Konzil – Papst Honorius ist verdammt, „weil er in allem dem Häretiker Sergius folgte und seine gottlosen Lehren bekräftigte“ (DS 662)

    f) Der heilige Leo II. – Verdammung des Honorius: „Er reinigte diese apostolische Kirche nicht durch die Lehre der apostolischen Tradition, sondern versuchte, in gottlosem Verrat den reinen Glauben zu zerstören“ (DS 563)

    g) Hadrian I. – Ansprache auf dem 8- Ökumenischen Konzil: Honorius „ist der Häresie angeklagt, das einzige Delikt, das den Widerstand Untergebener gegenüber Vorgesetzten und die Ablehnung ihrer schädlichen Lehren legitimieren kann“. (Harduinus 6, col. 866.) Die Ökumenischen Konzile VI, VII und VIII erklärten Honorius zum Häretiker und als exkommuniziert. Sie sind dabei alle im Bekenntnis ihres Glaubens von den Päpsten im Glaubensbekenntnis „Fides papae“ bestätigt. Der heilige Robert Bellarmin hat geschrieben: „Das 8- Ökumenische Konzil war einheitlich der Meinung, dass Päpste im Fall von Häresie verurteilt werden können.“ (De Rom. Pontif. 2, c. 30, S. 418)

    Wie man sieht, kann also durchaus auch ein Papst
    als Häretiker verurteilt werden!

    http://www.etika.com/d15/15oe11.htm

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  14. In der Frage, ob Wiederverheiratete oder sonstige "Irreguläre" in bestimmten Fällen zur Beicht und Kommunion zugelassen werden können, gibt es keine "Häresien", weil es da nicht um Glaubenswahrheiten geht, die geleugnet oder falsch dargestellt werden können, sondern um eine Frage der kirchlichen Disziplin (das berühmte "Scandalum" und die Stellung sog. "öffentlicher Sünder) und der Sündenvergebung, die nunmal ein besonderes Privileg des Petrusnachfolgers ist.

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  15. @Eremitin
    Selbstverständlich kann theoretisch auch ein Papst wegen irgendwelcher Irrtümer verurteilt oder schlicht und einfach berichtigt werden. Aber doch nicht von irgendwelchen Besserwissern, die gegen die herrschende Meinung der Kenner und an der innerkirchlichen Diskussion vorbei eine Extremposition durchdrücken wollen. Außerdem gibt es dafür anders als der Kirchenrechtsfachmann Raymond Burke behauptet natürlich kein "formelles" Verfahren, das ist seine ganz persönliche Erfindung (und vor allem daher rührt das Kopfschütteln in der Branche). Es ist wenn überhaupt eine Sache der Nachfolger und der Konzilien und Synoden, Fehlentwicklungen zu korrigieren.

    Ein Beispiel ist ja gerade auch AL, das die einseitige Fixierung auf Genitalität, wie sie noch FC zugrunde liegt, korrigiert, ohne deswegen die grds. Lehre aus FC zu verwerfen. Genau das ist ja der Punkt, der Burke u.a. so aufregt.

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  16. P.S.: Übrigens wurde der hll. JPII deswegen auch nicht als "Häretiker" verurteilt, nur weil er in diesem speziellen Punkt, der jetzt berichtigt wurde, zu eng gedacht hat (bzw. ihm das von Spaemann und anderen Opus-Dei-nahen Beratern so diktiert wurde).

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  17. Sie sind ein Pharisäer wie er im Buche steht, voll von Widerspruchsgeist und Spitzfindigkeit. Um jede Sünde in den Augen der Menschen annehmbar zu machen, verdrehen Sie die Wahrheit und zollen Beifall denen, die sie verdrehen. Trotzdem bleibt Sünde immer Sünde in den Augen Gottes. Beten Sie zum Heiligen Geist, auf das auch Sie endlich zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Üben Sie sich erst einmal in Demut, bevor Sie sich mit Ihrem gefährlichen Halbwissen um Kopf und Kragen reden. Übrigens geht es genau darum, um Glaubenswahrheit und nichts anderes.

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    1. Ich verstehe immer nicht, wie man das Evangelium lesen und derart krass missverstehen kann. Die Rollenverteilung ist doch glasklar:

      Die rigoristischen Strengreligiösen, Superfrommen, Gesetzeslehrer und Priester sind im Evangelium die Gegner Jesu, also die "Bösen". Sie entsprechen heutigen Wiederverheiratetenkommuniongegnern. Sie werfen Jesus genau dasselbe vor wie heute: Widerspruchsgeist, Laxheit, Weltlichkeit und Spitzfindigkeit. Und sie wollen Jesus vorschreiben, wen er als "Sünder" zu betrachten hat und wen nicht.

      Jesus dagegen steht auf der Seite der öffentlichen Sünder und einfachen Leute und verteidigt sie gegen die absurden Forderungen der Priester und Moralisten, indem er aufzeigt, dass die auch nicht besser sind als die "Sünder" und "Kranken". Entspricht also heute dem Papst. Ist doch ganz einfach.

      Wichtig fürs Seelenheil ist nur, dass man selber sich auf die richtige Seite schlägt. Das ist die "Glaubenswahrheit", auf die es ankommt: Jesus hat Recht und die Superfrommen liegen falsch. Halleluja!

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  18. @Eremitin
    Zum Thema "häretischer Papst": wie immer lesenswert, der Blog des Kanonisten Ed Peters (großer Burke-Fan und -Intimus und in keinster Weise verdächtig, seinem Mentor in den Rücken zu fallen), der sich hier auf Franz Xaver Wernz stützt (Jesuitengeneral unter Pius X.) und diesen länglich zitiert.

    https://canonlawblog.wordpress.com/2016/12/16/a-canonical-primer-on-popes-and-heresy/

    May that fact serve as a check against those tempted to engage in loose talk about popes and heresy.

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