Sonntag, 11. Dezember 2016

Zweifel der vier Kardinäle sind "eingebildet" - Die indirekte Antwort von Papst Franziskus?

Von Journalisten wird diese Stellungnahme offenbar als "offiziös" betrachtet, da sie heute in der Vatikan-Zeitung "Osservatore Ro-
mano"
zu finden ist.
In einem Gastbeitrag beschäftigt sich darin Kardinal Aguilar mit der Kritik von vier Kardinälen am Papstschreiben "Amoris Laetitia"

Die Kritik der Kardinäle sei "eingebildet", werden sie da abgekanzelt, denn die Äuße-
rungen des Papstes seien "hinreichend klar".  Um sie auch wirklich zu verstehen, reiche es aus, sie "verstehen zu wollen" (was eine Bös-
artigkeit bei den vier Kardinälen unterstellt)
, wird der Artikel z.B. vom "ORF" zitiert.  ---> HIER !

Mir scheint, da wird von den Journalisten etwas überinterpretiert.
Nicht alles, was im "Osservatore Romano" steht, wurde dem Papst vor-
her vorgelegt, und ich bezweifle, dass Papst Franziskus den Kardinal
um diese Stellungnahme gebeten hat...

Aber wie man sieht, verfolgt uns dieses Thema geradezu. 

Kommentare:

  1. Um sie auch wirklich zu verstehen, reiche es aus, sie "verstehen zu wollen" (was eine Bösartigkeit bei den vier Kardinälen unterstellt) ...

    Quark, das sage ich schon seit vielen Monaten und habe Kardinal Meisnier nie "Bösartigkeit unterstellt". Auch Kardinal Burke nicht.
    Bei Letzterem ist es bloß Fanatismus (er glaubt wirklich, ungeregelter Sex sei tief sündhaft und die Kirche habe das immer schon gelehrt, Amerikaner halt).

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  2. Bei Meisner, der wie schon gesagt vorher kaum aufgefallen ist in dieser Debatte und der in dieser Gruppe eher ein Fremdkörper ist, ist es die Anbindung ans Opus-Dei, international gesehen der bedeutendsten Widerstandsgruppe gegen jegliche Klärungen der Sexualmoral.
    Das liegt nicht daran, dass das OD m.E. "böse" wäre (wie der Penseur glaubt), sondern dass genitale Kontrolle der Mitglieder seit jeher ein Lebensnerv des Werkes und der letzte Bereich ist, der es überhaupt noch zusammenhält.
    Das OD kämpft ums Überleben, nachdem ihm schon Paul VI. die Politik und dann Benedikt der XVI. die Beichte als Kontroll- und Herrschaftsinstrumente weggenommen hat.

    Wenn man ihm auch die Sexualmoral nimmt, bleibt also nichts mehr übrig, Geld kann man eben nicht essen.
    Der Traditionalismus ist mittlerweile von ganz anderen besetzt und in der Alte-Messe-Bewegung spielt das OD keine Rolle, sodass es dann jeden innerkirchlichen Einfluss verlöre. Deshalb sind die in dieser Frage so verbissen (ein letztes Aufbäumen vor der Bedeutungslosigkeit gewissermaßen).
    Soweit dieser kleine Exkurs.

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  3. Das ist typisch für die Gefolgsleute von
    Papst Franziskus: Wer ihn nicht versteht, der ist
    "eingebildet", bösartig oder "will" ihn nicht ver-
    stehen. Immer sind es die anderen, die schuld sind,
    das fällt langsam auf bei diesem Papst!
    Hätte er sich so ausgedrückt, dass sein Ja ein Ja
    oder sein Nein ein Nein wäre, dann müssten wir diesen
    weltweiten Zirkus nicht ertragen. Die Katholiken machen
    sich derzeitig zum Gespött!

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  4. Wahrscheinlich ein Gefälligkeits-Statement
    des alten Herrn,
    denn er will sich dem Papst gegenüber dankbar zeigen,
    der ihn erst 2014 in den Kardinalsstand erhoben hat.
    Im übrigen ist er jemand,
    der gar nicht zu diesem Papst passt, weil er nicht ge-
    rade homofreundlich ist...

    http://www.katholisches.info/2014/01/20/neo-kardinal-fernando-aguilar-homosexualitaet-kann-geheilt-werden/

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  5. Kardinal Brandmüller wiederum ist eine ähnlich unbelehrbare Gestalt wie Kdl. Burke, obwohl er mehr Humor hat und auch nicht so bigott-puritanisch denkt wie Burke und dessen Umgebung. Außerdem hat er natürlich auch Verbindungen zum Opus Dei. "Bösartig" ist er natürlich auch nicht.

    Bei Brandmüller tritt das unbedingte "Rechthaben"-Wollen am deutlichsten in den Vordergrund. Er ist ja mental durch den Konflikt seiner Eltern um seine katholische Erziehung geprägt und bleibt (psychologisch ganz ähnlich wie bei Msgr. Kolfhaus) in einem sehr engen und schlichten Konvertitendenken befangen, wo es sehr stark ums Rechthaben und um bloße Apologetik geht, sehr vordergründig alles. Über diesen Schatten kommt er nicht weg. Ist ja auch schon alt.

    In seinen Büchern fällt die Penetranz auf, mit der er historisch völlig falsche Behauptungen als "Wahrheit" verkauft und sich da auch nur selten berichtigt (obwohl er anders als Burke zur Selbstkorrektur fähig ist, ich habe einen Fall in seinem letzten Interviewbuch gefunden, wo er sich tatsächlich mal berichtigt hat).
    Insgesamt war er mir persönlich immer besonders zuwider, weil ich Menschen nicht ertrage, die historische Zusammenhänge bewusst verfälschen. Aber durch den besagten Fund in seinem Interviewbuch (das auch ansonsten zum Lachen ist), bin ich etwas versöhnlicher geworden und mag auch seinen sarkastischen Humor ganz gern.

    In Punkto Amoris Latitia hat er einfach - wie das typisch für ihn ist - krass überzogen und ist ein Opfer der felsenfesten Überzeugtheit von seinen eigenen (einfältigen) Vorstellungen geworden und will das nicht revidieren. Unschön, aber weder bösartig noch weiter schlimm.

    Zu Caraffa kann ich nichts sagen, jdfs. nicht mehr, als ich schon im Sommer zu ihm gesagt hatte:
    http://kreuzknappe.blogspot.de/2016/07/kardinal-caffarra-bezuglich-amoris.html

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    1. Nebenbei-Frage: Brandmüller ist Konvertit, ja -
      aber Kolfhaus?
      Oder bezieht sich die Nennung von Kolfhaus,
      der eng mit der SJM und der KPE verbandelt ist,
      nicht aufs Konvertieren, sondern auf
      "sehr enges" Denken, auf "Rechthaben"
      bzw. "bloße Apologetik"?

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    2. Walter Brandmüller ist kein "Konvertit" im gewöhnlichen Sinn. Er wurde halt ev. getauft, weil die Mutter evangelisch war, aber schon als Kind katholisch erzogen. Ausschlaggebend ist nicht die "Konversion", sondern die starke konfessionelle Polemik im Elternhaus bzw. in der Umgebung (Priester usw.). Das ist bei Msgr. Kolfhaus ähnlich. Er berichtet ja von seinem protestantischen Vater, der partout nicht katholisch werden will. Da fiel mir diese biografische Parallele auf, die vieles verständlich macht. Bei beiden findet sich der für manche Menschen aus so einem Umfeld typische Versuch, genau diejenigen Dinge am Katholizismus extrem stark hervorzukehren, die von der protestantischen Kritik bekämpft wurden. Also gewissermaßen Trotz-Katholiken.

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  6. Das Nicht-Verstehen-Wollen hat also insgesamt mit "Bösartigkeit" wenig zu tun, sondern mit Uneinsichtigkeit und (besonders im Fall des Opus, aber auch bei Burke und der US-Kulturkampfbewegung) mit Kirchenpolitik.

    Trotzdem ist es nervig, denn dass die Fragen längst durchdiskutiert wurden (dafür war die Synode ja da) und alle beantwortet sind, ist einfach so.
    Auch wenn man mit der Antwort nicht ganz zufrieden ist (wer ist das schon immer), könnte man sie akzeptieren, aber das wollen manche Gruppen und Einzelspieler aus den dargestellten Gründen eben nicht tun, sondern das Spiel weitertreiben.

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  7. Wenn all die alten Eminenzen einfach mal
    die Klappe halten würden, statt sich wichtig zu tun,
    wäre schon viel gewonnen - für den Papst und für die
    ganze Kirche!

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    1. Ganz Ihrer Meinung. Zumal der "status emeritus" eigentlich dazu gedacht ist, sich ins Off zurückzuziehen, den Mund diskret zu halten und die machen zu lassen, die jetzt auf der Bühne und in der Verantwortung sind. Offenbar haben die vier Herrn Langeweile und wissen nicht ihren Ruhestand zu gestalten.

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  8. Unser Pfarrer fragte heute uns [rhetorisch] in der Predigt, wer von uns die "klare Sprache" liebe und sie andererseits auch ertragen könne, wenn sie sich einmal gegen ihn selbst richte.

    Er führte dann den Heiligen Johannes den Täufer als ein in vieler Hinsicht vorbildliches Beispiel eines solchen Menschen einer klaren Sprache zu seiner Zeit an.

    Johannes habe im wahrsten Sinne des Wortes "seinen Kopf hinhalten" müssen, als er öffentlich den Ehebruch des Königs Herodes Antipas mit Herodias, der Frau seines Bruders, beim Namen nannte und die Beteiligten zur Umkehr ihres gottwidrigen Verhaltens aufforderte: Erst kam er ins Gefängnis, dann wurde er auf Betreiben der Ehebrecherin Herodias enthauptet.

    Der Herr bezeichnet den gefangen gesetzten Johannes öffentlich als Propheten und den größten unter allen bis dahin lebenden Menschen!

    Welch ein Affront gegen die damaligen weltlichen und religiösen Machthaber.

    Ich musste an die 4 Kardinäle denken, die mit ihren jetzt öffentlich geäußerten Zweifeln an Amoris laetitia und ihrer Treue zu Christi Wort und Lehre auch bzgl. Ehe, Scheidung und Ehebruch seit Wochen ebenfalls im Kreuzfeuer stehen und selbst hier in einem sich römisch-katholisch bezeichnenden Blog einzeln namentlich diffamiert und verunglimpft werden dürfen, um sie zu Unpersonen zu machen.

    So, glaubt man, braucht man sich nicht mit ihren auf den Lehren Jesus Christi, des Sohnes Gottes, basierenden Argumenten auseinander zu setzen und schlagende Gegenargumente anzuführen.

    Es gibt sie nicht, genauso wenig hat dieser Papst befriedigende Antworten auf die geäußerten Zweifel der Kardinäle auf Lager - ein Trauerspiel für jeden noch glaubenstreuen Katholiken.

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  9. Lieber Kreuzknappe, Sie haben im vorletzten Satz einen kleinen Dreher drin... sicher sollte es heißen: ...ich bezweifle, dass Papst Franziskus DIE KARDINÄLE um diese Stellungnahme gebeten hat...

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  10. ... und da haben wir auch schon
    die nächste Wortmeldung:
    Die vier Kardinäle haben korrekt gehandelt

    http://www.kathnews.de/robert-spaemann-zu-den-dubia-die-vier-kardinaele-haben-korrekten-weg-eingehalten

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    1. Darf nicht fehlen im Chor, logischerweise.

      Und demontiert sich erneut selbst. Unfassbar!

      Zwar ist jedes Handeln gegen das Gewissen schlecht, aber Handeln aufgrund eines irrenden Gewissens ist es ebenfalls. Das lehrt ganz eindeutig der heilige Thomas von Aquin.
      Ein extrem dreiste Unwahrheit. Der heilige Thomas von Aquin lehrt exakt das Gegenteil.

      Und das lehrt Spaemann als Fachphilosoph! Nicht zu fassen. Wie kann man sich so seine eigene Reputation zerstören?

      Bezeichnenderweise ist genau dieses Zitat in der englischen Ausgabe des Interviews unkenntlich gemacht worden, damit niemand die Falschaussage erkennt.

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  11. Kardinal Cordes, der ebfs. (wie angekündigt ;-) nicht fehlen darf im Chor der Kritiker, macht es etwas klüger und gibt sich formal kompromissbereit und gelassen, um dann aber doch wieder eine historisch äußerst einseitige "Lehramtsposition" aufzufahren, die Position des Papstes zu verzeichnen und vor allem die jahrzehntelangen innerkirchlichen Diskussionen und Experimente, die AL vorausgegangen sind und auf denen das Papstschreiben basiert, völlig zu verschweigen.
    http://www.kath.net/news/57786
    Aber schön, so lange es weiter nichts zu bemängeln gibt, kann man das evtl. auch als 'Kapitulation' deuten, was zu den von Cordes gern benutzten militärischen Vergleichen passen würde.

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