Donnerstag, 12. Januar 2017

Das Christus-Verständnis von Papst Franziskus - eine Anfrage an die Vollmacht "von unten"

Jesus habe seine Autorität deswegen, weil er den Menschen diente - so liest
man es im Artikel von "Radio Vatikan" über die Papstmesse vom 10. Januar im Gästehaus "Santa Marta". ---> HIER !

Der Blog "Summorum Pontificum" äußert mit einem Artikel vom 11. Januar Bedenken, dass der Papst damit mal wieder zu kurz gesprungen sei. Er habe mit der Predigt "einen tiefen Einblick in sein Christusbild gewährt", bei dem die Autorität Jesu nur "von unten" komme, also nur aus seiner Zugewandtheit zu den Menschen.
Dagegen erwähne der Papst die Autorität "von oben" überhaupt nicht, kein Wort über seine Gottessohnschaft und die "Erfüllung des Willens dessen, der ihn gesandt hat" und auch kein Wort über das Reich Gottes, dass "nicht von dieser Welt" ist. 

Der Blog "Summorum Pontificum" nennt das ein "postkatholisches Christusverständnis". - Ist die Kritik berechtigt oder eher nicht?
Der Blogartikel hat offenbar keinen speziellen, eindeutigen Link; man muss also ggf. bei der Lektüre zu einem späteren Zeitpunkt das Artikel-
datum von 11. Januar suchen ---> HIER !

Kommentare:

  1. Da werden die Meinungen mal wieder
    auseinandergehen. Die Fans des derzeitigen
    Papstes werden sagen, das Wesen des Christen-
    tums sei die Nächstenliebe, und die konservativ
    denkenden Katholiken werden sagen, dass es ein
    Doppelgebot der Liebe gibt, in dem Gott bei
    diesem Papst etwas wenig vorkommt.
    Für meinen Geschmack haben beide irgendwo recht,
    aber bei Papst Franziskus stellt man immer wieder
    Einseitigkeiten und Unbedachtheiten in seinen
    Aussagen fest, vermutlich infolge mangelnder Vor-
    bereitung.

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  2. Der Papst verkauft uns Jesus als den
    besten Sozialarbeiter forever.

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    1. Offenbar kennen Sie einen (oder mehrere) bessere Sozialarbeiter als Jesus. Na, denn man zu, nennen Sie uns den oder die mal...

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  3. So sollte der direkte Link klappen: http://www.summorum-pontificum.de/themen/glaubenskrise/983-christus-von-unten.html

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  4. Man sieht an dieser Debatte sehr schön, dass die (gestern schonmal hier kolportierte) volkstümliche Annahme, Bergoglio sei „kein großer Theologe“, so überhaupt nicht stimmt.
    Ist wohl eine Art Demutspose, aber man darf das nicht besonders ernstnehmen.
    In Wirklichkeit ist der Papst theologisch ausgesprochen firm und legt den Finger genau in die Knackpunkte und Versuchungen der herkömmlichen, hierarchieabhängigen Theologie.
    Man sollte die „Selbstanklagen“ lesen, da wird das auch gut deutlich.

    Gerade das in dieser Predigt angesprochene Problem der „Autorität“ des Gottessohnes ist z.B. ein Thema, das in Josef Ratzingers Theologie oft im Hintergrund, manchmal auch im Vordergrund steht, aber unbefriedigend gelöst ist, weil Ratzinger als konservativer, stark autoritätshöriger Theologe Jesus Christus tendenziell eher als eine Art „neuen Oberpriester“ begreift, der sich nur in der Echtheit seines Anspruchs, nicht aber strukturell von der Autorität der alten Oberpriester unterscheidet.
    Ratzinger begreift das populistische und aufrührerische Element des Auftretens Jesu nicht oder nur sehr schwerfällig, die antiautoritäre und antipriesterliche Stoßrichtung Jesu bereitet ihm oft etwas Sorge, sodass er sie abschwächen muss.

    Deutlich wird das bspw. in Ratzingers Deutung der Sabbatkritik Jesu (in einem der Seewald-Interviewbücher ist das thematisiert, weiß momentan nicht exakt in welchem).

    Bei Bergoglio dagegen ist die revolutionäre Grundstimmung Jesu, die nicht nur die damalige, sondern auch die heutige Hierarchie in Frage stellt, klar erfasst. Anders als für Ratzinger ist für Bergoglio klar, dass die Jesusnachfolge auch in der Kirche nicht darin besteht, den Oberpriestern blind zu folgen (Jesus spricht ja vom Blinden, der Blinde führt).

    In dem Sinne ist Bergoglio eher Joachit, wogegen Ratzinger eher antijoachitisch bleibt (man beachte, dass der Artikel über Joachim von Fiore in der 2. Aufl. des LThK von Ratzinger stammt, auch da zeigt sich schon seine Unsicherheit der stärker hierarchieaffine Autoritätsbegriff Ratzingers, der sich in seinen späteren Werken verstärkt).

    Einem offen gegenrevolutionärer Una-Voce-Autor wie Charlier muss das natürlich aufstoßen; das bestätigt nur, das Bergoglio richtig liegt.

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  5. Jorge: Das ist keine schlechte Theologie, das ist überhaupt keine Theologie, sondern eine rein soziologische Sicht. Womit auch schon alles gesagt ist über Franziskus und Sie.

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    1. Revolution im Sinne Jesu ist keine Soziologie, sondern ein geistliches Geschehen. Auch sein Antiklerikalismus war geistlich, nicht bloß sozialkritisch. Sonst hätte Jesus einen Aufstand anführen und einen jüdischen Staat gründen können. Er hätte sich gewiss nicht kreuzigen lassen und wäre auch nicht von Gott zum wahren und einzigen Hohepriester erhöht worden. Alles Theologie.

      Das Zeitalter des Hl.Geistes im Sinne Joachims ist auch keine Soziologie, sondern eine komplett geistliche, theologisch bestimmte Utopie.

      Franziskus von Assisi war auch kein soziologischer, sondern der geistliche Retter der Kirche. Schon mal einen Sozialarbeiter gesehen, der sich zum Predigen oder Sterben nackt auszieht? Das ist nur geistlich zu verstehen.

      Der Vorwurf geht also ins Leere.
      In Wirklichkeit geht es nicht um Theologie oder Soziologie, sondern um revolutionäres oder gegenrevolutionäres Christentum.

      Das gegenrevolutionäre Kirchentum steht leider ganz auf der Seite derer, die den Messias als "Revoluzzer" kreuzigen wollen, wendet sich also gegen seinen eigenen Gottmenschen. Das ist ein Irrweg.

      Das Revolutionäre darf man allerdings auch nicht übertreiben und v.a. nicht in Gewalt umschlagen lassen, sonst wird man zum Zeloten oder Judas. Auch ein Irrweg.

      Der Papst zeigt hier ähnlich wie der gleichnamige Erzheilige einen guten Mittelweg.

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  6. Da sind wohl theologische Laien der Meinung, sie könnten Franziskus das Wasser reichen. Was sagt uns Jesus zu angeblich do jenseitigen Reich Gottes? Lk 11,20 "Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen." Und von Trinitätslehrer haben sie auch noch nix gehört, wer ist denn Christus, wenn nicht der, der ihn geschickt hat??

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